Scuderia ’89 – Ferraris Weg zu den Schaltwippen!
1989 veränderte Ferrari die Formel 1 grundlegend. Mit der Einführung des halbautomatischen Getriebes mit Schaltwippen begann eine technische Neuordnung, deren Konsequenzen weit über den Grand Prix Sport hinausreichten. Was als radikales Experiment startete, wurde binnen weniger Jahre zum Standard im Rennsport und schließlich zum festen Bestandteil moderner Supersportwagen.
Die Sammlung „Scuderia ’89 – The Pursuit for Paddle“, präsentiert von Furlonger Specialist Cars in Zusammenarbeit mit Egon Zweimüller, verdichtet diesen Umbruch in fünf Fahrzeugen. Zwei Formel 1 Konstruktionen und drei Hochleistungssportwagen aus Maranello dokumentieren die Entwicklung des Paddle Shift von der Versuchsträgerphase bis zur Serienanwendung.
1. Ferrari 639 F1 – Der Prototyp
Der 1988 entwickelte Ferrari 639 F1 mit der Chassisnummer 106 ist einer von lediglich zwei gebauten Werkstestträgern. Er diente als Plattform für den neuen 3,5 Liter V12 Tipo 035, der bis zu 13.000 Umdrehungen erreichte und rund 685 PS mobilisierte. Gleichzeitig beendete er für Ferrari endgültig die Turbo Ära.
Seine eigentliche Bedeutung liegt jedoch im Getriebe. Erstmals saßen hinter dem Lenkrad zwei Schaltwippen, die elektrohydraulisch einen sequenziellen Gangwechsel auslösten. Die Kupplung wurde nur noch zum Anfahren benötigt. Anfangs war die Zuverlässigkeit der Achillesferse des Systems. Nicht die Mechanik, sondern eine zu schwache Batterie sorgte für Ausfälle. Erst mit Unterstützung von Magneti Marelli wurde die Elektronik standfest.




Erprobt wurde das Konzept auf der hauseigenen Strecke in Fiorano. Testarbeit leisteten unter anderem Nigel Mansell, Gerhard Berger und Roberto Moreno. Chassis 106 blieb bis 1999 im Besitz des Werks, ging danach in Privathand über und wurde intensiv durch Ferrari Classiche betreut. Es ist vollständig funktionsfähig, trägt seinen originalen Tipo 035/5 Motor und wurde zuletzt unter anderem in Goodwood wieder bewegt.
2. Ferrari 640 F1 – Der erste Einsatz im Grand Prix
Der von John Barnard konstruierte 640 kombinierte den 65 Grad V12 mit der weiterentwickelten Version des halbautomatischen Getriebes. Karosserie und Monocoque bestanden aus Kevlar und Kohlefaserverbund.
Chassis 110 wurde 1989 von Berger in Mexiko, Kanada, Großbritannien, Deutschland und den USA eingesetzt. Historisch relevant ist das Fahrzeug auch im Kontext von Bergers schwerem Unfall in Imola. Das neue Getriebekonzept erleichterte ihm mit bandagierten Händen die Rückkehr ins Cockpit erheblich.




Nach Jahren als Ausstellungsfahrzeug wurde 110 im Rahmen des Ferrari F1 Clienti Programms wieder fahrbereit gemacht und umfassend restauriert. Die Ferrari Classiche Zertifizierung dokumentiert seine Authentizität. 2024 wurde das Fahrzeug bei Demonstrationsrunden erneut von Berger pilotiert. Der 640 markiert den Moment, in dem das Paddle Shift System nicht mehr Experiment, sondern konkurrenzfähige Realität war.
3. Die Flagschiffe der Straßen
Auf der Straße bildet die „Scuderia ’89“-Sammlung eine kompakte Chronologie der Ferrari-Entwicklung. Der Ferrari F40 verkörpert das kompromisslose Supersportwagen‑Prinzip der späten 1980er‑Jahre: leicht, agil, mit einem 2,9‑Liter‑Biturbo-V8, Handschaltgetriebe und minimalistischem Interieur, entwickelt für puren Fahrspaß und maximale Direktheit. Der Ferrari F50 überträgt die Renntechnologie in die 1990er-Jahre: Sein 4,7‑Liter-V12 leitet sich konstruktiv von den Motoren der 639- und 640-F1-Prototypen ab, das Chassis aus Kohlefaser folgt motorsportlichen Prinzipien, das Fahrzeug kommt mit beiden Dachvarianten, vollständigem Werkzeugset und umfangreicher Dokumentation.





Schließlich zeigt der Ferrari F355 Spider den Schritt in die elektronische Steuerung: als eines von nur 139 für Großbritannien ausgelieferten Exemplaren verfügte er erstmals optional über ein sequenzielles „F1-Getriebe“, in Kombination mit 3,5‑Liter-V8, Rosso Corsa‑Lackierung und nur 8.850 Meilen Laufleistung. Zusammen erzählen diese drei Straßensportwagen die Evolution von Ferrari: vom puristischen Handschalter über hochmoderne Renntechnik für die Straße bis hin zur Integration elektronischer Schaltlogik.
Ein Ensemble zur Geburt des Paddleshifts.
„Scuderia ’89 – The Pursuit for Paddle“ ist als geschlossene Sammlung konzipiert und ausschließlich als Gesamtpaket erhältlich. Sie dokumentiert eine technische Entwicklung in nachvollziehbarer Reihenfolge. Vom experimentellen Prototyp über den ersten Grand Prix Einsatz bis zur Integration in ikonische Straßenfahrzeuge entsteht ein konsistentes Bild jenes Moments, in dem Ferrari die Art des Schaltens neu definierte.


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