Automotive Art 24 – Lancia D24

Pünktlich zum 24.12. (Heiligabend) beschenkt uns Bill Pack mit Teil 24 der Automotive Art Serie. Thema heute: Der seltene und aufregende Lancia D24 und seine Hintergrundgeschichte.

Herzlich willkommen zu einem neuen Teil unserer monatlichen Automotive Art Sektion mit Fotograf und Lichtkünstler Bill Pack. Er rückt das Design von Oldtimern in besonderem Maße in Szene und erklärt seine Interpretation der Styling-Ideen mit einigen interessanten Bildern, die er in seinem eigenen Stil aufgenommen hat.

In den Kopf des Designers – von Bill Pack

Es ist einfach, viele Fakten und Informationen über jeden Automobil-Designer zu erfahren. So lässt sich schnell herausfinden, für welche Firmen sie im Laufe der Zeit gearbeitet haben, welche Automodelle sie entworfen haben und welche Innovationen sie in die Branche gebracht haben. Wir wissen also viel von ihnen, aber wir kennen sie nicht. Mit meinen Bildern versuche ich, in die Seele und den Geist des jeweiligen Designers zu gelangen. Ich konzentriere mich auf bestimmte Teile des Autos und verwende meine Beleuchtungstechnik, um die emotionalen Linienführungen des Designers hervorzuheben.

1953 Lancia D24 – Designed by Vittorio Jano, karossiert von Battista ‚Pinin‘ Farina

Ein Fest in Bewegung – Ich hatte das seltene Privileg, vom Phoenix Art Museum den Auftrag zu erhalten, durch die Vereinigten Staaten zu reisen und meine Automobilkunst-Bilder für die Ausstellung „Legends of Speed“ zu erschaffen. Diese Ausstellung lief bis zum 15. März 2020 und zeigte 22 ikonische Rennwagen aus den Jahren 1911 bis 1978.

Jedes dieser Autos wurde in bedeutenden Rennen von ikonischen Fahrern gefahren. Von Sir Stirling Moss bis Dan Gurney und Mario Andretti, von Le Mans und Indianapolis 500 bis zum Grand Prix von Italien und vielen anderen. Die Rennsporthistorie ist reich an Geschichten.

Mein Teil dieser Geschichte war eine zwölftausend Meilen lange Gran Turismo, die mich in alle vier Ecken der Vereinigten Staaten und in einige der begehrenswertesten und bedeutendsten Privatsammlungen der Welt führte.

Eines dieser Ziele lag in einem westlichen Bundesstaat, wo ich einen Tag mit einer wunderbaren Kreation verbrachte: Dem 1953er Lancia D24 Sport Pinin Farina Spyder.

Brillantes Autodesign ist eine Zusammenarbeit vieler Disziplinen, die harmonisch zusammenlaufen müssen, um erfolgreich zu sein. Es war Gianni Lancia, der Sohn von Markengründer Vincenzo, der die Vision für den D24 hatte. Er wählte Vittorio Jano und Battista ‚Pinin‘ Farina aus, um diesem Rennsportwagen Funktion und Form zu geben.

Jano kam zu Lancia mit einer beeindruckenden Liste von Erfolgen für Alfa Romeo. Sein erster Entwurf war der 8-Zylinder-Reihenmotor, der in den P2 Grand-Prix-Wagen eingebaut wurde, mit dem Alfa Romeo 1925 die erste Weltmeisterschaft für GP-Wagen gewann.

Battista ‚Pinin‘ Farina war bereits ein renommierter Karosseriebauer und hatte eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lancia. In der Musik gibt es ein Muster, das als „Ruf und Antwort“ bekannt ist. Einer ruft und ein anderer antwortet. Ich glaube, das lässt sich auch auf das Automobildesign übertragen.

Vittorio Jano rief mit seinem Triebwerk und Battista Farina antwortete mit erhabenen Linien. Gemeinsam wurde ein automobiles Juwel geschaffen. Erforschen Sie die Linien der Antwort aus der Feder von ‚Pinin‘ Farina, orchestriert von Gianni Lancia.

Lancia D24 – Details von Matthias Kierse

Mit dem D24 krönte Lancia eine Entwicklung von Rennsportwagen, die mit dem D20 im Jahr 1953 begonnen hatte. Kurz zuvor hatte man den genialen Techniker Vittorio Jano von Alfa Romeo abgeworben. Was aus heutiger Sicht, wo beide Marken schon lange Teil des FCA-Konzerns sind, komisch klingt, war damals fast ein Staatsakt.

Im Gegensatz zu den Folgemodellen war der Lancia D20 ein geschlossenes Coupé. Als Grundlage diente ein Rohrrahmen-Chassis, über das Pinin Farina eine entsprechende Karosserie schneiderte. Als Antriebsquelle nutzte man einen drei Liter großen V6-Motor mit rund 220 PS. Nach den ersten beiden Einsätzen bei der Mille Miglia und der Targa Florio 1953 sorgte man durch ein Roots-Gebläse für eine Leistungssteigerung auf 260 PS. Zudem rüstete Lancia eine Lufthutze über der Windschutzscheibe nach, um das Cockpit besser belüften zu können. Vom D20 entstanden sechs Exemplare.

Obwohl der Lancia D23 vielfach als Nachfolgemodell angesehen wird, rollte dieser Rennsportwagen bereits im gleichen Jahr auf die Rennpiste. Allerdings lief dieses Fahrzeug anfänglich nur bei kleineren nationalen Rennen in Italien. Einen Großeinsatz gab es erst bei der Carrera Panamericana, wo einer von zwei gebauten D23 den dritten Platz belegte und damit einen Dreifachsieg für Lancia perfekt machte. Pinin Farina erstellte auch hier die Karosserie, während darunter die innenliegenden Trommelbremsen und der V6-Antrieb aus dem D20 übernommen wurden.

Auch der D24 rollte bereits in der zweiten Jahreshälfte 1953 erstmals aus den Werkshallen von Lancia heraus. Er erhielt ein weiterentwickeltes, kürzeres und leichteres Rohrrahmen-Chassis und einen auf 3,3 Liter Hubraum aufgebohrten V6-Motor mit rund 265 PS. Erstmalig setzte Lancia den D24 beim 1.000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring ein. Während dort beide Exemplare durch technische Defekte aufgeben mussten, holten sie bei der Carrera Panamericana die ersten beiden Plätze vor dem oben erwähnten D23. 1954 lief weiterhin durchwachsen. Bei den 12 Stunden von Sebring fielen alle drei Werks-Lancia aus. Es folgten Siege beim Giro di Sicilia, bei der Mille Miglia und bei der Targa Florio. Zudem errang man den zweiten und dritten Platz bei der RAC Tourist Trophy auf dem Dundrod Circuit in Nordirland.

Leider stellte Lancia zum Ende der Saison 1954 alle Aktivitäten in der Sportwagen Weltmeisterschaft ein. Der Grund hierfür lag im gleichzeitigen Engagement in der Formel 1 mit dem D50. Auch diesen Monoposto entwickelte Vittorio Jano. Nachdem Alberto Ascari 1955 bei einem Unfall bei Testfahrten ums Leben kam und zudem kaum noch Geld übrig war, verkaufte Lancia Ende des Jahres die Rennabteilung an Ferrari. Dort setzte man den weiterentwickelten D50 1956 noch einmal ein. Juan Manuel Fangio gewann damit seine vierte F1-Weltmeisterschaft.

Vom Lancia D24 sind lediglich zwei Exemplare erhalten geblieben. Entsprechend selten besteht die Möglichkeit, einen so direkten Blick auf die Details zu werfen, wie Bill Pack sie hatte. Genießen Sie daher die tollen Bilder in unserer Galerie, die zugleich das Ende des zweiten Jahres der Automotive Art Sektion darstellen.

Autoren: Bill Pack, Matthias Kierse

Bilder: © by Bill Pack