WD Denzel Sport

Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war der 1908 in Graz/Österreich geborene Wolfgang Denzel im Automobilbereich beschäftigt. Schon während seines Studiums entwickelte er sein eigenes Motorrad, die Denzel-Villers, anschließend gründete er ein Ingenieurbüro und übernahm den Vertrieb der Marke BMW für die österreichischen Bundesländer Kärnten und Steiermark. Ab 1948 begannen im 6. Bezirk in Denzel’s Unternehmen an der Gumpendorferstrasse 19, wo er kurz vor Kriegsbeginn einen Wiener Standort aufgebaut hatte, die Vorarbeiten an eigenständigen Autos, wobei er sich auf günstige Sportwagen konzentrierte, während andere Konstrukteure seiner Zeit lieber praktische Lieferwagen erdachten. Da sowohl Materialien als auch Techniklieferanten in der Nachkriegszeit knapp waren, nutzte er ausrangierte VW Kübelwagen als Basis. Das vom Käfer stammende Chassis erhielt eine von ihm gestaltete Kunststoffkarosserie ohne Türen oder festes Dach. Stattdessen gab es ein rudimentäres Stoffverdeck. Bereits nach kurzer Zeit hatten die wenigen gebauten Fahrzeuge einige Rennerfolge eingefahren. Dass 1948 ebenfalls in Österreich der erste Porsche 356 als Mittelmotorsportwagen mit ähnlichem Design und vergleichbarer Technik entstand, ist tatsächlich ein reiner Zufall.

1950 stellte Wolfgang Denzel einen erfahrenen Spengler für den Karosseriebau ein und ließ die Fahrzeuge fortan aus Stahlblech fertigen. Dies führte auch dazu, dass nun klassische Türen Verwendung fanden, während es beim klassischen Käfer-Chassis inklusive Triebwerk und Getriebe blieb. Allerdings entwickelte Denzel gemeinsam mit seinem Chefkonstrukteur Hubert Stroinigg ein eigenständiges Fahrgestell mit Kastenrahmen und versteifenden Stahlrohren, an das die Fahrwerkskomponenten und die Antriebstechnik des VW Käfer angeschraubt wurden. So umgerüstet debütierte der WD Denzel Sport auf dem Genfer Autosalon 1953. Denzel kitzelte mittels klassischer Leistungssteigerungen nebst Hubraumerhöhung bis zu 80 PS aus dem Vierzylinder-Boxertriebwerk und erreichte damit, dass der zweisitzige Roadster bis zu 150 km/h schnell wurde. Ein Jahr später präsentierte man eine etwa 12 Zentimeter schmalere Variante mit Aluminium-Karosserie für den Rennsport und belegte beim 12-Stunden-Rennen in Sebring den bemerkenswerten 12. Platz. Trotz anfänglich recht guter Verkaufszahlen, einigen Export-Vertretungen in europäischen Ländern und den USA sowie diversen Erfolgen im Motorsport gelang dem WD Denzel, den es 1958 in den Varianten Sport 1300, Super Sport 1300, Sport 1500 und International Sport gab, nie der endgültige Durchbruch. 1960 stellte man die Produktion endgültig ein. Die genaue Anzahl der gebauten Fahrzeuge ist indes unbekannt und rangiert im Bereich zwischen 200 und 350, wobei rund 65 davon auf die Einstiegsversion Sport 1300 entfallen sein dürften. Davon existieren aktuell noch rund 30 bis 50 Autos weltweit. Wolfgang Denzel entwickelte anschließend in nur vier Monaten für BMW das Kompaktmodell 700, das zum Überleben der Münchener Marke maßgeblich beitrug. Heute vertreibt die immer noch existente Denzel Aktiengesellschaft 13 verschiedene Automobilmarken in Österreich und hat dafür mehr als 1.000 Mitarbeiter.

Ein WD Denzel Sport 1500 mit der Fahrgestellnummer DK32 gelangte 1954 zum portugisieschen Denzel-Importeur Auto Portuguesa von Antonio Guedes Herédia in Lissabon, der es anfänglich auf sein Autohaus zuließ und selbst in Clubrennen und Rallyes nutzte. 1956 erreichte er einen Klassensieg und den zweiten Platz im Gesamtklassement bei der Rallye a San Pedro de Moel. Drei Jahre später schickte er den Wagen zurück ins Werk, wo eine neuere Karosserie, wie sie ab Modelljahr 1957 Verwendung fand, auf das Fahrgestell geschraubt wurde und zudem der originale 1,5-Liter-Motor gegen ein Triebwerk aus einem Denzel Super Sport 1300 getauscht wurde. Zudem erhielt Herédia ein Werks-Hardtop und ließ einen Ölkühler nachrüsten. Trotz dieser Modifikationen nahm er ab 1960, als er das Auto zurückerhielt, nur noch an einem einzigen Rennen auf dem Circuito de Vila do Conde teil. Dort errang er den zehnten Platz im Training und fiel im Rennen aus. Dennoch behielt er den Denzel bis 1988.

Mit Vasco da Silva e Sa, Cypriano Flores, Carlos Cruz und der Sáragga Collection folgten lediglich vier weitere Besitzer. Carlos Cruz ließ eine umfangreiche Restaurierung beim Lissaboner Fachbetrieb von Joao Teves Costa durchführen, die zwei Jahre dauerte. Anschließend debütierte das fertiggestellte Auto auf dem Cascais Concours d’Elegance 2014. Ende September bietet RM Sotheby’s diesen Sportwagen an und erwartet dabei einen Zuschlagspreis zwischen 380.000 und 450.000 €.

Bilder: RM Sotheby’s, Tom Wood