F.K.P. Hommage: Das letzte Kapitel des Bugatti Veyrons
Es ist das Jahr 2005. Mobiltelefone klappen noch auf, YouTube ist gerade ein paar Monate alt – und in einer Automobilwelt, die sich bis dahin an V12-Zylinderzahlen, Carbonflügel und keilförmige Dramatik gewöhnt hat, betritt ein Auto die Bühne, das alle Regeln neu definiert. Bugatti bringt den Veyron 16.4 in Serie. 1.001 PS. Über 400 km/h. Allradantrieb. Vollleder. Klimaanlage.
Während andere Hersteller noch darüber diskutieren, welches Ass das stärkste im Deck ist, legt Bugatti den Joker auf den Tisch. Ab diesem Moment ist der Veyron in jedem Kartenspiel der Trumpf und schlägt alles.
Zwanzig Jahre später kehrt dieser Trumpf zurück. Nicht als Neuauflage, nicht als Retro-Showcar, sondern als ultimative Essenz dessen, was der Veyron in der heutigen Zeit sein würde: der Bugatti F.K.P. Hommage.
Die Geschichte dieses Triumphs lässt sich auf einen Gedanken reduzieren: kompromisslose Ingenieurskunst. Ferdinand Karl Piëch, damals Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns, skizzierte die W-Motor-Architektur nicht in Molsheim, sondern in einem japanischen Hochgeschwindigkeitszug. Ausgehend von VR-, W8- und W12-Konzepten entstand der W16 mit vier Turboladern. Ein Motor, der durch seine extrem kompakte Bauweise überhaupt erst die Balance, den kurzen Radstand und die Alltagstauglichkeit des Veyron ermöglichte. In Kombination mit Allradantrieb und nahezu perfekter Gewichtsverteilung definierte der Veyron ein völlig neues Segment: den Hypercar-Grand-Tourer, der technische Grenzwerte verschob, ohne jemals nervös zu wirken.





Zwanzig Jahre später greift Bugatti diesen Geist wieder auf, nicht als Reminiszenz, sondern als Vollendung. Der F.K.P. Hommage ist die zweite Kreation des Programme Solitaire und versteht sich als definitiver Veyron. Unter seiner vertrauten, bewusst zurückhaltenden Silhouette arbeitet die höchste Evolutionsstufe des W16: 1.600 PS, vier Turbolader, verstärkte Peripherie, optimierte Thermik und ein Getriebe, das das gewaltige Drehmoment souverän verarbeitet. Es ist jener Motor, der im Chiron Super Sport die 300-mph-Marke Realität werden ließ und hier in eine Form zurückkehrt, die zeitloser kaum sein könnte.
Auch äußerlich bleibt der F.K.P. Hommage dem Charakter des Originals treu. Die nach hinten geneigte Haltung, die abgesenkte Gürtellinie, die gelassene Präsenz – all das ist sofort erkennbar. Doch jedes Detail wurde geschärft: Der dreidimensional aus einem massiven Aluminiumblock gefräste Hufeisenkühlergrill fügt sich organisch in die Karosserie ein, die Panel-Architektur ist klarer, die Proportionen präziser. Größere Lufteinlässe versorgen den leistungsstärkeren Antrieb, während die ikonischen Einlässe hinter den Insassen bewusst erhalten bleiben. Neue Radgrößen und modernste Michelin-Reifen sorgen für eine visuelle und fahrdynamische Balance, die den Reifegrad des Konzepts unterstreicht.
Besonders eindrucksvoll ist die Lackierung: Ein tiefes Rot mit außergewöhnlicher optischer Tiefe, erzielt durch eine silberne Aluminiumbasis unter rot getöntem Klarlack. Statt klassischem Schwarz setzt Bugatti auf leicht getöntes Sichtkarbon, das Kontrast und technische Opulenz verbindet. Es ist kein lautes Statement, sondern eines, das sich erst beim zweiten Blick vollständig erschließt, ganz im Sinne des ursprünglichen Veyron.





Der Innenraum vollzieht schließlich den größten Schritt. Rundes Lenkrad im Bauhaus-Stil, eine Mittelkonsole und Getriebetunnelabdeckung aus massivem Aluminium, dazu erstmals textile Elemente aus exklusiv in Paris gewebten Stoffen. Im Zentrum steht eine eigens angefertigte Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon, mechanisch mit dem Fahrzeug verbunden, ohne elektrische Schnittstelle, inszeniert wie ein technisches Kunstwerk. Uhrmacherei, Automobilbau und Kundenvision verschmelzen hier zu einem Objekt, das weit über klassische Individualisierung hinausgeht.
Der Bugatti F.K.P. Hommage ist kein nostalgischer Rückblick und kein Designexperiment. Er ist ein Schlussakkord. Wenn der Veyron einst der Trumpf im Kartenspiel der Supersportwagen war, dann ist dieser Wagen das vollständig gezinkte Deck – nicht, um noch einmal zu gewinnen, sondern um zu zeigen, wie Perfektion aussieht.
