Der 21 Millionen Dollar teure McLaren F1.

Ein Traumauto entsteht nur selten aus Vernunft, viel mehr ist es ein Zusammenspiel aus Passion und Fantasie. Für manche ist es die Erinnerung an ein Poster über dem Kinderbett, für andere die Vorstellung eines Moments auf leerer Straße, irgendwo zwischen Himmel und Asphalt. Am Ende aber geht es immer um das Gefühl, dass Technik und Emotion zu einer Einheit werden. Und genau dieses Gefühl trägt der McLaren F1 in sich wie wohl kein anderes Auto der Moderne.

Der Wagen, der im Dezember in Abu Dhabi versteigert wird, wurde 1994 gebaut und trägt die Chassisnummer 014. Er zählt zu den frühen Exemplaren der nur 64 gebauten Straßenversionen. Ursprünglich ging er an ein Mitglied der Brunei-Königsfamilie, in der auffälligen Farbe Titanium Yellow mit schwarzem Interieur. Später, 2007, wurde er direkt bei McLaren in Woking vollständig überarbeitet. Dabei erhielt er die neue Lackierung „Ibis White“, das aerodynamische High-Downforce-Paket und eine LM-inspirierte Innenausstattung, die den Charakter des Autos noch intensiver spürbar macht.

Im Heck arbeitet ein 6,1-Liter-V12 von BMW, in vielerlei Hinsicht kann man sagen „mehr geht nicht“.

627 PS ohne Aufladung, nur reine Saugmotorenergie. Die Zahl wirkt heute fast nostalgisch, aber wer je einen F1 in Aktion erleben durfte, weiß, dass seine Kraft mehr mit Ehrfurcht als mit Zahlen zu tun hat. 391 km/h Spitze, erreicht in einer Zeit, in der elektronische Hilfen kaum eine Rolle spielten. Übrigens das schnellste Auto seiner Zeit.

Gordon Murrays Konzept war von Anfang an kompromisslos. Der Fahrer sitzt mittig, leicht nach vorn versetzt, mit zwei Beifahrersitzen zu beiden Seiten. Der Motorraum ist mit Goldfolie ausgekleidet, um Hitze zu reflektieren. Der F1 entstand nicht, um ein Supercar zu sein, viel mehr um zu zeigen, wie weit man es treiben kann, wenn man keinen einzigen Kompromiss akzeptiert.

Das Exemplar mit der Nummer 014 erzählt seine Geschichte mit einer fast musealen Präzision. Jeder Kilometer ist dokumentiert, jede Veränderung nachvollziehbar. Der Wagen wurde kaum gefahren, blieb aber lebendig. Auf den Türschwellern tragen die Unterschriften von Michael Schumacher und Lewis Hamilton die Spuren zweier Epochen, die dieser Wagen verbindet: die goldene Ära analoger Renntechnik und das Zeitalter digitaler Perfektion.

Wenn der F1 am 5. Dezember 2025 in Abu Dhabi versteigert wird, dürfte der Preis jenseits der 21 Millionen US‑Dollar liegen. Doch der Betrag bleibt Nebensache – für uns genauso wie vermutlich auch für den zukünftigen Besitzer.

Zur Auktion im Rahmen der „Collectors’ Week“ von RM Sotheby’s im luxuriösen Ambiente des The St. Regis Saadiyat Island Resort werden noch weitere spektakuläre Objekte angeboten u. a. ein noch ungefahrenes Formel‑1‑Fahrzeug der McLaren Formula 1 Team für die Saison 2026, welches tatsächlich rund 10 Millionen Dollar günstiger sein wird als der McLaren F1.