Porsche Mission S: Die Mitte macht den Unterschied
Wie sieht die Zukunft von Porsche aus? Mit dem Mission S gibt die Sportwagenmarke eine erste Antwort. Mittelmotor statt Elfer-Prinzip, historische Designzitate und ein Cockpit mit erstaunlich wenig Bildschirm. Das könnte interessant werden.
Ein Porsche muss wie ein Porsche aussehen. Klingt selbstverständlich, ist aber eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe. Schließlich hat kaum eine Sportwagenmarke ihre Formensprache so konsequent geprägt wie Porsche. Mit dem Mission S zeigt das Unternehmen, wie es diese Identität in die Zukunft übersetzen möchte. Und zwar nicht mit noch mehr Technik um ihrer selbst willen, sondern mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche. Wie schön!
Mitte statt hinten
Der 911 bleibt der 911. Doch was kommt darüber? Mit dem Mission S skizziert Porsche erstmals eine eigenständige Mittelmotor-Supersportwagenplattform, die künftig dauerhaft Teil des Modellprogramms werden soll. Keine limitierte Ausnahmeerscheinung, sondern eine neue Familie mit eigenem Charakter.

Die Architektur erinnert an große Namen der Porsche-Geschichte, allen voran den 550 Spyder. Auch die Karosserie erzählt von der Vergangenheit, ohne in ihr stecken zu bleiben. Runde Scheinwerfer, kräftige Kotflügel und eine flache Front treffen auf eine dynamische Dachlinie und einen integrierten Heckflügel. Anklänge an 911, 959 und GT1 sind unverkennbar. Trotzdem wirkt der Mission S nicht wie ein Best-of vergangener Jahrzehnte.
Das ist die eigentliche Kunst: einen Porsche zu bauen, der vertraut aussieht, ohne rückwärtsgewandt zu sein.
Analog ist das neue Digital
Noch spannender wird es im Cockpit. Während anderswo die Bildschirme wachsen, macht Porsche beim Mission S einen Schritt zurück – zumindest optisch. Fünf Rundinstrumente bilden das Zentrum, der Drehzahlmesser bekommt eine analoge Nadel. Je nach Fahrmodus verändern die Instrumente ihre Anordnung, teilweise sogar ihre Position.
Dazu kommen klassische Schalter und Tasten, die sich direkt bedienen lassen. Ein fest installiertes Zentraldisplay? Gibt es nicht. Stattdessen fährt bei Bedarf eine Halterung für das Smartphone aus. Navigation und Informationen sind damit verfügbar, müssen aber nicht permanent im Blickfeld bleiben.



Man könnte das für Nostalgie halten. Tatsächlich steckt dahinter eine ziemlich moderne Frage: Wie viel digitale Oberfläche braucht ein Sportwagen, wenn es eigentlich ums Fahren geht?
Noch ist alles offen
Der Mission S ist zunächst ein Visionsmodell. Leistungsdaten, konkrete Antriebsspezifikationen und ein Termin für die Serie nennt Porsche noch nicht. Schade! Dafür ist die Richtung klar: Porsche will oberhalb des 911 eine neue Sportwagenwelt etablieren und zugleich seine Designidentität weiterentwickeln. Dass die Weltpremiere ausgerechnet an jenem Pier in Queens stattfindet, an dem 1953 Bilder des Porsche 550 Spyder entstanden, passt ins Bild. Die Geschichte ist bei Porsche kein Dekor. Sie ist Teil der Konstruktion.






Bleibt die Frage, wie viel davon in künftigen Serienmodellen ankommt. Denn ein gutes Konzept erkennt man nicht allein daran, wie überzeugend es auf Bildern aussieht. Sondern daran, ob seine Ideen auch auf der Straße funktionieren.
Der Mission S macht jedenfalls neugierig. Und das ist für einen Sportwagen, der noch gar keiner für die Straße ist, schon einmal ein ziemlich guter Anfang.
