30 Jahre Alfa Romeo SZ

Wenn ein Auto heute als ‚Monster‘ beschimpft wird und damit nicht die atemberaubenden Fahrleistungen gemeint sind, muss schon einiges passiert sein, oder? Im Falle des Alfa Romeo SZ reicht einfach seine pure Optik aus, um Missfallen auszulösen. Der Wagen entstand gemeinsam mit Zagato unter dem Kürzel ES30, das für ‚Experimental Sportscar 3.0 Liter‘, nachdem der Fiat-Konzern 1986 die Marke Alfa Romeo vom italienischen Staat übernommen hatte. Für die technische Grundlage sorgte ein verkürztes Chassis des Alfa Romeo 75, von dem auch der drei Liter große V6-Motor mit 154 kW/210 PS.

Aufgrund des Namens gehen natürlich viele Betrachter davon aus, dass die Karosseriegestaltung maßgeblich von Zagato ausging. Damit liegen sie jedoch weit daneben. Stattdessen hatte sich der Fiat-Konzern die Dienste des französischen Designers Robert Opron gesichert, der besonders für das Styling des Citroën SM und des Citroën CX bekannt ist. Gemeinsam mit Antonio Castellana zeichnete er nun für den neuen Sportwagen von Alfa Romeo verantwortlich, während Zagato anschließend lediglich einige Kleinigkeiten an Front und Heck verfeinerte. Offizieller Wunsch von Fiat war ein Aufsehen erregendes Coupé. Dieses Ziel wird durch das keilförmige Design, die sechs eckigen Leuchten vorn und dem dunkel getönten Leuchtenband hinten durchaus erreicht. Der Spitzname ‚Monster‘ entstand übrigens nicht erst in den letzten Jahren, bereits vor dem Produktionsanlauf raunten sich Mitarbeiter von Alfa Romeo und Zagato beim Anblick des SZ „Il Mostro“ zu.

Nach der Weltpremiere auf dem Genfer Salon 1989 ging der SZ umgehend in Serie. Kunden konnten nicht viel auswählen. Für die Karosserie stand ausschließlich ‚Alfa Rosso‘ (Rot) in Kombination mit einem Schwarz abgesetzten Dach zur Wahl, innen nur das naturfarbene Leder. Einzig Andrea Zagato ließ sich ein Fahrzeug komplett in Schwarz fertigen, was ihm vermutlich nicht schwer fiel: Alle SZ entstanden in den Hallen von Zagato in Terrazzano di Rho in Handarbeit. Die Mitarbeiter montierten über einem Stahlskelett speziell hergestellte Karosserieteile, die bei Carplast aus Modar, einem Methacrylharz mit Glasfaserverstärkungen, der besonders glatte Oberflächen ermöglicht, hergestellt wurden. Chef der Firma Carplast war Giuseppe Bizzarrini, Sohn des bekannten Ingenieurs und Fahrzeugbauers Giotto Bizzarrini. Dank des Drei-Liter-V6-Triebwerks und des in Transaxle-Bauweise am Differenzial verblockt montierten Fünfgang-Schaltgetriebes erreicht der SZ bis zu 245 km/h.

Der relativ hohe Neupreis von 102.000,- DM (inkl. 14% MwSt.) sorgte für eine eher eingeschränkte Verbreitung des Alfa Romeo SZ, zumal keine Homologierung für die USA und Kanada vorgenommen wurde. 13 Fahrzeuge wurden für den Markenpokal SZ Trophy rennfähig umgerüstet. Insgesamt entstanden bis 1992 lediglich 1.036 Exemplare. Im Oktober des gleichen Jahres debütierte die offene Variante RZ (Roadster Zagato) auf dem Pariser Autosalon. Bis zur flacher gestellten Windschutzscheibe und unterhalb der Türoberkante änderte sich wenig am Design. Darüber wanderte ein eng geschnittenes Stoffverdeck hinter die Passagiere unter eine Kunststoffabdeckung. Die enge Luke zwischen den Rückleuchten führt nicht zu einem Kofferraum, sondern erlaubt lediglich den Zugriff auf ein Notrad – wie bereits beim SZ.

Im Gegensatz zum SZ bot Alfa Romeo den RZ in einer ganzen Farbpalette an: Neben ‚Rosso Alfa‘ standen auch Gelb, Schwarz und Silber metallic zur Auswahl, wobei nur drei silberne Fahrzeuge gebaut wurden. Das Leder im Innenraum war bei schwarzen und silbernen Autos bordeauxrot und bei den beiden Außenfarben schwarz. Insgesamt plante man ursprünglich eine Produktion von 350 Exemplaren, schraubte diese Erwartung jedoch aufgrund des geringen Interesses herunter. Kein Wunder bei einem Preis von 140.000,- DM (inkl. 15% MwSt.). Letztendlich rollten lediglich 278 Alfa Romeo RZ aus den Zagato-Hallen. Gegenüber dem SZ war der RZ nicht nur deutlich teurer und seltener, sondern auch schwerer. Zur Versteifung der Karosserie hatte Zagato an nicht sichtbaren Stellen Verstärkungen angebracht, die insgesamt 120 Kilogramm zusätzlich auf die Waage brachten. Heutzutage ist der RZ aufgrund der Seltenheit dennoch das gesuchtere Auto und erzielt bei Sammlern Preise im Bereich zwischen 50.000 und 60.000 €, während gut erhaltene SZ rund 10.000 € günstiger sind.

Bilder: Alfa Romeo