Lamborghini Countach LP400

Lamborghini ist heute für außergewöhnliche Sportwagen mit teils extremen Designideen bekannt. Das war nicht zu allen Zeiten so. Im ersten Jahrzehnt als Sportwagenbauer fertigte man eher konventionelle Fahrzeuge. Durch den vom gerade einmal 27-jährigen Marcello Gandini gestalteten Miura änderte sich dieser Zustand ein wenig, doch erst das Nachfolgemodell legte den Grundstein für den heutigen Ruf der Marke.

1971 präsentierten die Italiener im Werkshof von Sant’Agata Bolognese eine Konzeptstudie, die anschließend zum Genfer Autosalon geschickt werden sollte. Laut diversen Legenden entstand bei dieser Präsentation der Name für diesen erneut von Gandini bei Bertone gezeichneten Sportwagen, der bis dahin nur das Kürzel LP500 trug: Countach. Dieses Wort ist kein Kampfstiername, wie er sonst gern von Lamborghini genutzt wird, sondern ein Ausruf des Erstaunens und der Bewunderung aus dem Piemont zwischen der Schweiz und Italien. Offenbar stammte ein Werksmitarbeiter aus dieser Region und konnte seine Überraschung über den keilförmigen Wagen nicht zurückhalten. Das Design war der damaligen Zeit weit voraus und wirkt selbst heute nicht veraltet.

Bis zur Markteinführung des Countach vergingen drei Jahre. In dieser Zeit veränderte sich optisch kaum etwas, dafür erhielt er als Beinamen eine leicht verringerte Zahl: LP400. LP steht dabei für ‚Longitudinale Posteriore‘, also den längs rückwärtig verbauten V12-Motor, während die 400 auf den Hubraum von vier Litern hinweist. Bei aktuellen Lamborghini-Modellen verweist diese Zahl auf die PS-Anzahl. Für die erste Countach-Serie kitzelte man 375 PS aus dem mittig im Gitterrohrrahmen verbauten Triebwerk, was den Wagen bis zu 270 km/h schnell machte. Optisch blieb es beim LP400 bei einem Detail, das ihm seinen Spitznamen ‚Periscopio‘ einbrachte. Eine Vertiefung mittig längs im Dach gibt durch ein vorn angeordnetes Glas den Blick durch den Innenspiegel nach hinten frei – ein wenig wie bei einem Periskop am U-Boot.

Lediglich vier Jahre lang lief der Countach in dieser Urform vom Band, alle späteren Baujahre erhielten ein höheres, glattes Dach sowie über die Jahre hinweg zahlreiche weitere Veränderungen. Unter Sammlern und Markenfans sind jedoch die frühen Exemplare inzwischen besonders begehrt – es gab laut Firmenunterlagen auch lediglich rund 150 Stück. Umso interessanter ist also ein entsprechendes Angebot, das Artcurial bei einer Autoauktion im Rahmen des Le Mans Classic unterbreitet. Ein im März 1975 gefertigter und im Juni des gleichen Jahres erstmals zugelassener Countach LP400, Chassisnummer 1120062, ging damals an den saudischen Prinz Mansur Bin Mashal. 1994 fand ein italienischer Lamborghini-Sammler das Fahrzeug in der Garage eines Freundes, der ihn als Bezahlung für Geschäfte in Saudi Arabien erhalten hatte. Sein weißer Lack und das tabakbraune Interieur befanden sich in bedauernswertem Zustand durch die Zeit im arabischen Sand. Auf dem Tacho standen erst wenige hundert Kilometer.

Nach einer umfangreichen Restaurierung nebst Lackierung im originalen Farbton ‚Giallo Fly‘ steht der Countach heute wieder in Bestzustand da. Einige technische Verbesserungen wie größere Lüfter und eine stärkere Lichtmaschine kommen der Fahrbarkeit und Zuverlässigkeit zugute – ebenso wie die kräftigere Klimaanlage aus dem späteren Countach QV. Insgesamt vergingen rund acht Jahre für die Restaurierung, die in diversen Bildern festgehalten wurde. Nach nur 5.760 Kilometern zwischen 2003 und 2012 verkaufte der Italiener den Wagen nach Deutschland. Hier wurde 2017 eine erneute Revision der technischen Komponenten durchgeführt. Alle Rechnungen und die Fotos der Restaurierung gehören natürlich ebenso zum Fahrzeug wie die Bordmappe. Artcurial erwartet in Le Mans einen Zuschlagspreis zwischen 900.000,- und 1.000.000,- €.

Bilder: Artcurial, Christian Martin