Der stille Hammer – Mercedes AMG 300E 5.6

Die Tür fällt satt ins Schloss. Dieser eine, schwere Mercedes Klang. Kein blechernes Scheppern, kein demonstratives Geräusch. Einfach dieses kurze, gedämpfte Klack, das schon damals sagte: Hier wurde nicht gespart.

Vor einem steht ein Mercedes-Benz 300 E. W124. Dunkles Grau, vier Türen, vernünftige Proportionen. Ein Auto, das auf einem deutschen Parkplatz der Achtziger zwischen Vertreter Passat und Geschäftswagen verschwunden wäre.

Dann öffnet man die Motorhaube.

5,6 Liter. V8. 32 Ventile.

Und plötzlich ist da diese kleine Irritation. Weil die Karosserie etwas erzählt, das der Motor vehement bestreitet. AMG.

Nicht AMG von heute. Kein Performance Paket, keine Modellvariante aus dem Konfigurator. AMG aus einer Zeit, in der Affalterbach noch eine Adresse für Eingeweihte war. Der Hammer.

Darin verbaut ist der handmontierter AMG M117 V8 mit 5,6 Litern Hubraum und 32 Ventilen. In den Achtzigern war das eine ziemlich radikale Antwort auf die Frage, wie schnell eine viertürige Limousine eigentlich sein durfte. AMG ließ den W124 äußerlich weitgehend in Ruhe und konzentrierte sich auf das, was wirklich zählte: Motor, Fahrwerk und Fahrgefühl.

Affalterbach vor Mercedes

Der Hammer entstand in einer Zeit, als AMG noch unabhängig von Mercedes-Benz arbeitete und besondere Automobile tatsächlich noch in Handarbeit entstanden. Wer einen solchen Mercedes wollte, musste wissen, wo er suchen musste. Das Ergebnis war eine Limousine, die Komfort und Alltagstauglichkeit mit einer für ihre Zeit außergewöhnlichen Performance verband.

Gerade dieser Gegensatz macht den 300 E von AMG bis heute so faszinierend. Von außen zurückhaltend, unter der Haube ein großer V8. Kein großes Versprechen, keine laute Inszenierung. Nur die Gewissheit, dass dieser Mercedes deutlich schneller ist, als er aussieht.

Bei dem aktuell von We Are Curated angebotenen Exemplar kommt eine bemerkenswerte Geschichte hinzu. Der Wagen gehörte einst Michele Alboreto, dem italienischen Formel-1-Fahrer und Ferrari Piloten, der 1985 Vizeweltmeister wurde. Was Alboreto mit dem Mercedes erlebt hat, lässt sich heute nicht mehr vollständig erzählen. Dass sein Name in der Historie dieses Hammer steht, genügt allerdings, um ihn aus der Masse außergewöhnlicher W124 herauszuheben.

Auch die jüngere Geschichte des Wagens ist bemerkenswert. 2024 wurde er in Florida umfangreich gewartet, unter anderem an der KE Jetronic, am Motor und am Getriebe. Nach der Übernahme durch Curated folgte eine umfassende mechanische Wiederinbetriebnahme bei einem Spezialisten für frühe AMG Fahrzeuge. Mehr als 66 Stunden flossen in Kraftstoffversorgung, Zündung, Kühlung, Ansaugung, Unterdrucksysteme und Getriebe. Die jüngsten mechanischen Arbeiten summieren sich auf mehr als 24.000 US-Dollar.

Heute ist der Schwabe fahrbereit und umfassend abgestimmt. Die Arbeiten sind dokumentiert, der Wagen wurde nach der Überarbeitung ausgiebig getestet. Die AMG-Konvertierungszertifizierung wird derzeit in Deutschland über ein offizielles Prüfverfahren verfolgt.

Ein Hammer mit Geschichte

Der 300 E 5.6 AMG Hammer von WeAreCurated vereint damit genau jene Dinge, die frühe AMG Automobile heute so begehrt machen: die unabhängige Affalterbach Ära, den legendären 5,6 Liter V8, eine außergewöhnliche Vorbesitzerschaft und umfangreiche aktuelle Investitionen in die Technik.

Von weitem bleibt er ein W124. Man muss nur wissen, welcher.

Hier gehts zum Fahrzeug: https://www.wearecurated.com/inventory/1985-mercedes-benz-amg-300e-5-6#details

Fotos: WE ARE CURATED