Wiederaufnahme der Produktion bei Mercedes-Benz 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es einige Zeit, bis in Deutschland wieder Normalität einkehrte. Die Alliierten Siegermächte sorgten für Ordnung, herrschten jedoch auch stellenweise mit eiserner Hand. Für die Wiederaufnahme von Produktionsverfahren mussten Firmen Erlaubnisse beantragen. Zudem gab es nur wenig Material, was strenge Zuteilungen zur Folge hatte. Obwohl der Krieg bereits im Mai 1945 beendet wurde, dauerte es bis November, ehe die damalige Daimler-Benz AG in Stuttgart von der Wirtschaftsbehörde der US-Besatzungsmacht eine Fertigungserlaubnis erhielt. Diese umfasste vorerst nur Pritschenwagen, Kastenwagen und Krankenwagen.

Als Basis diente der 1936 vorgestellte Mercedes-Benz 170 V der intern W136 genannten Baureihe. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden, um die Fertigung aus den schwer von Bomben beschädigten Gebäuden in Neckartal nach Sindelfingen zu verlegen, verließ im Mai 1946 das erste Nachkriegsfahrzeug die Produktion. In Untertürkheim entstanden derweil weiterhin die Antriebskomponenten, die anschließend nach Sindelfingen gebracht wurden. Anfänglich handelte es sich dabei um Vierzylindermotoren mit 28 kW/38 PS aus 1,7 Liter Hubraum. Für die Krankenwagenausführung übernahm man die Hinterachsübersetzung der Limousine und die Rädergrößen. Kasten- und Pritschenwagen erhielten Versteifungen am x-förmigen Rahmen aus ovalen Rohren. Dadurch stieg das Leergewicht um 40 Kilogramm. Zudem sorgte eine kürzere Hinterachsübersetzung für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 108 auf 80 km/h. Neben dem klassischen Benzinantrieb bot Mercedes-Benz auch den 1943 entwickelten Holzgasgenerator wieder an. Damit ließen sich aus 24 Kilogramm Holzkohle bis zu 130 Kilometer Reichweite erreichen.

Im weiteren Verlauf des Jahres 1946 entstanden 213 Fahrzeuge, davon 31 Krankenwagen. Zudem gelang es der Firmenleitung, die Produktionserlaubnis auch auf Personenwagen und Polizeistreifenwagen auszuweiten. Die erste viertürige Limousine entstand jedoch erst Mitte 1947. Ihr Preis wurde staatlich auf 6.200 Reichsmark (RM) festgelegt. Allerdings erhalten eh nur jene Menschen damals ein Fahrzeug, die eine Notwendigkeit nachweisen konnten. Daher wechselten viele 170 V zu Preisen zwischen 100.000 und 120.000 RM auf dem Schwarzmarkt den Besitzer. 1947 entstanden bereits 581 Personenwagen und 464 Lieferwagen. Nach der Währungsreform 1948 betrug der Neupreis 8.180 DM für die Limousine. Zugleich stiegen die Stückzahlen auf 4.500 PKWs und 616 Nutzfahrzeuge im Jahr 1948. Dies toppte Mercedes-Benz im Folgejahr noch einmal mit 12.719 Limousinen, während der Absatz der Lieferwagen auf 382 Exemplare einbrach. Der Grund dafür lag in moderneren Modellen bei der Konkurrenz.

Exporte anfänglich kaum möglich

Anfänglich waren die Fahrzeuge sehr spartanisch ausgestattet. Selbst auf Chromschmuck musste verzichtet werden. Nur die Scheinwerfer fielen bald wieder größer aus als zu Anfang der Produktion. Es ging schlicht um die grundlegende Befriedigung von Transportbedürfnissen. Aus Materialmangel heraus lieferte Mercedes-Benz die Nutzfahrzeuge ohne Reifen aus. Diese mussten die Kunden anderweitig besorgen. Das Fahrerhaus der Pritschen-, Kasten- und Krankenwagen stammte von der Firma Hägele. Für die Polizeiausführung kam über den Pritschen mit zwei gegenüberstehenden Sitzbänken eine Verdeckkonstruktion mit Spriegeln zum Einsatz. Ab 1948 erhielten die Fahrzeuge anstelle von schwarzen wieder elfenbeinfarbene Armaturen wie vor dem Krieg. Obwohl die Daimler-Benz AG auf der Exportmesse in Hannover 1946 zahlreiche Aufträge aus dem Ausland erhalten hatte, konnten diese durch Importverbote deutscher Artikel vielfach nicht ausgeliefert werden. Im Mai 1949 stand auf der gleichen Messe der neue 170 D als erster Diesel-PKW der Markengeschichte sowie der vom 170 V abgeleitete, etwas größere 170 S. Sie beenden die Produktionszeit des ursprünglichen W136 und seiner Nutzfahrzeugderivate.

Bilder: Mercedes-Benz