Vanwall Formula One Continuation

Was ist denn ein Vanwall? Jüngeren Lesern sagt diese britische Marke vermutlich nicht viel. In den 1950er Jahren nahm das von Tony Vandervell begründete Team jedoch am Motorsport und ab 1952 auch regelmäßig an der Formel-1-Weltmeisterschaft teil. 1957 feierte Vanwall als erstes britisches Team einen Sieg beim Großen Preis von Großbritannien mit einem britischen Fahrer hinter dem Lenkrad. Streng genommen waren es sogar zwei Fahrer, da sich der kürzlich verstorbene Sir Stirling Moss und Tony Brooks das Steuer teilten, was damals noch gestattet war. Besonders erfolgreich war dabei die Saison 1958, in der Vanwall sechs Rennen und die erstmals ausgeschriebene Konstrukteursmeisterschaft gewann. Da die damaligen Regeln vorsahen, dass nur die besten sechs Ergebnisse in die Endwertung einflossen, war man damit das erste Team in der F1-Geschichte, das die maximale Punkteanzahl in einer Saison erreichte. Dies gelang später nur noch einem weiteren Team.

Als Nachfolgefirma des historischen Rennteams gibt es seit einigen Jahren die Vanwall Group. Gemeinsam mit dem Klassikerexperten Hall & Hall legt man nun eine Continuation Serie des 1958er Formel-1-Autos auf. Passend zur Anzahl der Rennsiege sollen sechs Exemplare entstehen. Während ein Fahrzeug als Grundstein für das neu begründete Vanwall Historic Racing Team zurückbehalten wird, gehen die restlichen fünf in den freien Verkauf. Alle entsprechen so genau wie möglich den Originalautos, wofür man die Konstruktionszeichnungen gründlich auswertete. Selbst das damals von Vanwall selbst konstruierte Renntriebwerk mit rund 270 PS aus 2,5 Litern Hubraum entsteht nach alten Plänen neu. Pro Fahrzeug ruft man einen Preis von £ 1.650.000 zuzüglich Steuern auf.

Die Grundgestaltung der Vanwall-Rennwagen stammte damals von einem gewissen Colin Chapman. Sportwagenfans ist dieser Name sicherlich geläufig, da er 1952 die heute noch bekannte Marke Lotus gründete. Bei den Formel-Rennwagen brachte er als einer der ersten Techniker Scheibenbremsen anstelle von Trommeln auf die Piste. Weitere Innovationen sorgten dafür, dass Vanwall in der Boxengasse einen entsprechenden Ruf genoss. Für das Design der Karosserien zeichnete Frank Costin verantwortlich. Durch die sich verschlechternde Gesundheit von Tony Vandervell zog sich das Team Anfang 1959 aus dem Motorsport zurück, wobei einige Privatfahrer ihre Fahrzeuge weiterhin nutzten.

Unter der Leitung des ehemaligen Speedboot-Weltmeisters Ian Sanderson möchte die 2013 neu gegründete Vanwall Group in naher Zukunft auch ein komplett neues Fahrzeug präsentieren, das die Innovationsfreude von einst in die Moderne überträgt. 2008 steckte Sanderson bereits hinter der Entwicklung des britischen Elektrosportwagens Lightning GT, das leider nie in Serienproduktion ging.

Bilder: Vanwall Group