Tesla Model Y

Letzte Nacht war es soweit, in Los Angeles stellte der amerikanische Elektropionier Tesla sein schon erwartetes neues SUV-Modell ‚Y‘ vor. Dass die Premiere zu einer ‚One-Man-Show‘ des Tesla-Chefs Elon Musk wurde, war nach den Erfahrungen vorheriger Modellvorstellungen zu erwarten. Nachdem er zu den Klängen des Songs ‚I’m too sexy‘ der Band ‚Right Said Fred‘ auf die Bühne stieg, präsentierte er dem Publikum vorab seine Sichtweise des Erfolgs der Marke Tesla: „Vor elf Jahren haben wir im wahrsten Sinne des Wortes ein einziges Auto hergestellt und in einem Jahr werden es eine Million sein.“ Und daran dürfte das neue Modell einen beachtlichen Anteil haben, soll es doch nach Einschätzung von Musk zum erfolgreichsten Fahrzeug der bisherigen Markengeschichte werden. Es spricht allerdings auch einiges dafür, dass der umtriebige Unternehmer Recht haben könnte. Musk geht sogar davon aus, dass Tesla mehr Exemplare des neuen SUV verkaufen wird, als von allen anderen Modellen zusammen. Mit dem Model Y verlässt Tesla endgültig den Bereich der hochpreisigen Luxusfahrzeuge und entwickelt sich zum Massenhersteller.

Doch was verbirgt sich hinter dem neuen Modell? Optisch überrascht wenig, wenn man einen ersten Blick auf Teslas neueste Errungenschaft wirft. Ist die Basis des Y, das Model 3, ein kleineres Model S, so kommt der Y wie der kleinere Bruder des extravaganten Model X daher. Mit der geschlossenen Front, den nach oben gepfeilten Scheinwerfern und der bis in das Dach gezogenen Frontscheibe entspricht das neue SUV der gängigen Formensprache der Amerikaner. Etwas stärker modellierte Kotflügel, die in Form kleiner Sicken in die Seitentüren übergehen, lassen das Model Y sportlich markanter auftreten. Auch die Rückpartie wirkt durch den stärker aus der Heckklappe herausgezogenen Spoiler maskuliner. Für die rundliche Karosserie mit ihrer ausgefeilten Aerodynamik nennt der Hersteller einen beachtlichen cW-Wert von nur 0,23. Auffallendster Unterschied im Vergleich zum Model X ist der Verzicht auf die extrovertierten hinteren Flügeltüren, die beim Y aus Kostengründen normalen Portalen weichen mussten.

Wenig Überraschendes dann auch im Innenraum des neuen Tesla. Das Armaturenbrett – oder eigentlich müsste man sagen: der Bereich, in dem andere Autos ein Armaturenbrett haben – ist eine schlichte Abdeckung des Raums unterhalb der Windschutzscheibe. Weder Anzeigen noch Bedienelemente sind hier zu finden. Wie bei Tesla üblich, sind diese in einem großen Touchscreen in der Mitte zwischen Fahrer und Beifahrer untergebracht, der über verschiedene Menüs und Untermenüs die komplette Fahrzeugbedienung sowie alle relevanten Informationen bereitstellt. Ob diese Art der Instrumentierung und Bedienung in der heutigen Verkehrslage sinnvoll ist und den Fahrer weniger vom Verkehrsgeschehen ablenkt als bisherige Designs aus getrennten Anzeigen und Schaltern mag dahingestellt sein. In ihrem schlichten Design passt sich die Mittelkonsole dem übrigen Frontbereich des Innenraums an. Lediglich zwei speziell für den amerikanischen Markt unvermeidbare Cupholder und ein geschlossenes Ablagefach sind hier untergebracht. Eine Überraschung hatte Tesla dann aber doch bei der Präsentation des Model Y parat. Es wird das neue SUV entgegen seiner Basis auch in einer Konfiguration mit sieben Sitzen in drei Sitzreihen geben. Wie üppig die Platzverhältnisse allerdings besonders in der dritten Reihe sein werden, muss abgewartet werden. Für kleinere Kinder auf Kurzstrecken dürfte es auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung sein.

Das Model Y von Tesla wird in verschiedenen Modell- und Antriebsvarianten auf den Markt kommen. Basis wird die ‚Standard Range‘ genannte Einstiegsversion, die mit Heckantrieb und dem kleineren Akkupaket nach dem relativ realitätsnahen EPA-Zyklus immerhin eine Reichweite von 230 Meilen (370 Kilometern) erreichen soll. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 mph (193 km/h). Darüber rangieren in der Modellpalette der ‚Long Range‘ mit einer Reichweite von 300 Meilen (480 km) sowie die beiden Varianten mit zwei Motoren und Allradantrieb, genannt ‚Dual Motor AWD‘ und ‚Performance‘. Letzterer schwingt sich immerhin zu einer Höchstgeschwindigkeit von 150 mph (240 km/h) auf. Alle Versionen sollen in der Lage sein, über die Supercharger genannten Schnellladestationen von Tesla innerhalb von 15 Minuten Strom für rund 270 Kilometer nachzutanken. Auffallend ist, dass Tesla bei der Präsentation des Model Y mit keinen Worten eventuelle Möglichkeiten des autonomen Fahrens erwähnt. Sollten die Amerikaner diesen Irrweg der Entwicklung nach mehreren, teils tödlich verlaufenen Unfällen endlich verlassen haben?

Bei der Präsentation gab Tesla bereits detaillierte Angaben zu Preisen und Lieferterminen sowohl in den USA als auch in Europa bekannt. Das Model Y startet in den USA im Herbst 2020 mit den Versionen Long Range, Dual Motor AWD und Performance zu Preisen ab US$ 42.000 bis US$ 60.000. Die Einstiegsvariante folgt, wie bei Tesla üblich, später im Frühjahr 2021 zu Preisen ab US$ 39.000. Nach Europa kommt das kleinere SUV noch später. Anfang 2022 sollen die Versionen Long Range, Dual Motor AWD und Performance zu Preisen zwischen 55.000 € und 67.000 € verfügbar sein. Über den Marktstart der Basisversion in Europa ist dagegen noch nichts bekannt. Alle Preise verstehen sich zuzüglich landesüblichen Steuern und abzüglich eventuellen Fördermitteln.

Bilder: Tesla