Tatra T87

Wenn Sie einen Blick auf das Titelbild werfen, wie alt schätzen Sie dann den dort gezeigten Tatra T87? Tatsächlich erlebte dieses Fahrzeug seine Weltpremiere bereits 1937. Andere Autos jener Zeit hatten noch freistehende Kotflügel und einen aufrecht stehenden, kantigen Kühler an der Front. Allerdings gingen bereits einige Ingenieure den Weg hin zur Stromlinienform, die jedoch von der Kundschaft erst einmal akzeptiert werden musste. Zudem gab es auch genügend Vorstandsvorsitzende in der Autoindustrie, die an bekannten Formen festhalten wollten und sich gegen Veränderungen aussprachen.

Entwickelt von einem Österreicher

Hans Ledwinka aus Österreich trat 1897 in die Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft als Konstrukteur ein, wurde 1905 zum Chefkonstrukteur ernannt und wechselte 1917 für vier Jahre zur Oesterreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft (später Steyr). 1921 kehrte er als technischer Direktor zur Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft zurück, die zwei Jahre später in ‚Tatra‘ umbenannt wurde. Nachdem er zwischen 1911 und 1914 bereits die Vierradbremse im Auto zur Serienreife gebracht hatte, folgten nun weitere Innovationen wie der Zentralrohrrahmen, ein luftgekühlter Zweizylinder-Boxermotor, ein Vierzylindermotor mit acht obenliegenden Nockenwellen oder die Pendel-Hinterachse.

Gute Aerodynamik, niedriges Gewicht

Mit dem T77 erschien 1934 erstmalig ein Tatra mit Stromlinienkarosserie und Heckmotor. Allerdings saßen hier die Blechtafeln der Karosserie noch auf einem klassischen Holzskelett. Gemeinsam mit Erich Übelacker entwickelte Hans Ledwinka daher für 1937 den neuen T87 mit selbsttragender Karosserie aus Stahl, was Produktionskosten deutlich senkte. Diese hatte man wie beim T77 mithilfe eines Windkanals in Form gebracht. Jahrzehnte später ermittelten verschiedene Besitzer und Firmen in unterschiedlichen Windkanälen einen Luftwiderstandsbeiwert (cW) von 0,36, was selbst heutige Serienfahrzeuge teilweise nicht unterbieten können. Unter der tropfenförmig auslaufenden Heckklappe mit Luftleitfinne arbeitet ein drei Liter großer V8-Motor mit 55 kW/75 PS. Dies reichte für eine Höchstgeschwindigkeit von über 160 km/h aus, wobei Tatra eine Reisegeschwindigkeit von 135 km/h empfahl. Im Vergleich mit dem T77 sank das Gewicht des Motors durch die Verwendung der Magnesiumlegierung Elektron für den Block und weitere Bauteile um rund 100 Kilogramm und das des gesamten Fahrzeugs je nach gewählter Ausstattung um 300 bis 400 Kilogramm. Dies senkte auch den Kraftstoffverbrauch auf damals hervorragende 12 Liter pro 100 Kilometer.

Durch den Zweiten Weltkrieg gab es eine Produktionsunterbrechung zwischen 1943 und Ende 1945. Für 1948 entwickelte Tatra gemeinsam mit František Kardaus eine Modellpflegemaßnahme. Ab jetzt waren die drei Scheinwerfer bündig in die Karosserie integriert, die Stoßstangen neu geformt und innen fanden sich Instrumente mit Skalen im Farbton Elfenbein anstelle von Schwarz. Gleichzeitig senkte man den Hubraum auf 2,5 Liter, erhöhte aber zugleich die Leistung auf 70 kW/95 PS. Bis zum Produktionsende 1950 entstanden insgesamt 3.023 Exemplare des Tatra T87. Unter den Erstbesitzern fanden sich auch Berühmtheiten. So kauften beispielsweise die Rennfahrerin Eliška Junková-Khásová, Josef Kardinal Beran als Erzbischof von Prag, der Flugzeugbauer Ernst Heinkel oder der ägyptische König Faruq einen T87.

1948er Auto bei RM Sotheby’s

Beim Auktionshaus RM Sotheby’s kommt am Samstag ein 1948er Tatra T87 unter den Hammer, der Teil der ‚The Elkhart Collection‘ ist. Im Jahr 2000 entdeckte ein Enthusiast den Wagen in schlechtem Zustand in der Slowakei und exportierte ihn nach Australien. Dort fand bei der Firma Sleeping Beauties in Brisbane eine umfangreiche Restaurierung statt, die den Tatra in Concours-Zustand versetzte. Kurz darauf wechselte er den Besitzer und steht seither in der besagten Sammlung. RM Sotheby’s erwartet einen Zuschlagspreis im Bereich zwischen 300.000 und 400.000 US$.

Bilder: RM Sotheby’s