Swallow Doretti

Über die britische Automarke Swallow ist außerhalb der britischen Inseln nur wenig bekannt. Selbst im Vereinigten Königreich ist dieser Name inzwischen aus dem kollektiven Gedächtnis beinahe verschwunden. Zeit, das zu verändern. Ursprünglich war die 1935 gegründete Swallow Coachbuilding Company für den Aufbau von Seitenwagen zuständig. Diese verkaufte die Firma Swallow Sidecars (S.S.) für diverse Motorräder. Später baute S.S. auch sportliche Autos. Nach dem Zweiten Weltkrieg nannte man sich aufgrund der schwierigen Vergangenheit der Initialien auf Jaguar um. Der Karosseriebauer Swallow ging 1946 an die Tube Investments Group.

Minimal größer als die technische Basis

Durch den Designer Frank Rainbow entstand in den 1950er Jahren ein zweisitziger Roadster. Dieses Fahrzeug fand Gefallen in der Geschäftsleitung und ging daher 1954 als Swallow Doretti in Serie. Den Modellnamen übernahm man vom Spitznamen der Leiterin der Vertriebsgesellschaft Cal Sales im Westen der USA, Dorothy Deen. Als technische Basis diente dabei der Triumph TR2. Rund um Motor, Getriebe und Aufhängung entstand ein eigenständiger Kasten-Rohrrahmen. Dieser entstand bei Reynolds, einer weiteren Tochterfirma von Tube Investments. Allerdings erwies sich der Karosserieaufbau als relativ kompliziert. Über einer Strukturschicht aus Stahl verbaute Swallow die eigentlichen Formteile aus Aluminium. Damit erstreckte sich der Swallow Doretti auf 3,96 Meter Länge, 1,55 Meter Breite und war 1,33 Meter hoch. Im Vergleich zum TR2 wuchs die Spur um 76 Millimeter und der Radstand um 178 Millimeter.

Deutlich teurer als der Triumph TR2

Am zwei Liter großen Vierzylindermotor veränderte Swallow nichts. Dieser entstammte ursprünglich dem Standard Vanguard und erhielt von Triumph für den Einsatz im TR2 ein leichtes Tuning. Mittels zwei SU-H4-Vergasern stieg die Leistung auf 67 kW/91 PS bei 4.800 U/min. Diese Kraft gelangte über ein manuelles Viergang-Getriebe auf die Hinterräder, das relativ häufig in Kombination mit einem Overdrive von Laycock geordert wurde. Dies ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 100 mph (etwa 161 km/h). Für die Fertigung des Swallow Doretti nutzte Tube Investments ein Werk in der Nähe des Flughafens in Walsall in der britischen Grafschaft Staffordshire. Da der Roadster rund 24 Prozent mehr als der Triumph TR2 kostete, hielten sich die Verkaufszahlen in Grenzen.

Von Schottland über Kanada in die USA

Zudem übten andere britische Autohersteller Druck auf den TI-Konzern aus, da sie hier Bleche und Rohre für ihre Fahrzeuge kauften. Die Produktion des Doretti empfanden sie daher als unfairen Vorteil seitens TI. Dies führte zum vorzeitigen Produktionsende im Jahr 1956. Bis dahin waren lediglich 275 Doretti Roadster vom Band gelaufen. Dazu kamen als Prototypen ein Coupé und drei weiterentwickelte Fahrzeuge, die nach einer Modellpflege als Sabre präsentiert werden sollten. RM Sotheby’s bietet Nummer 208 am 22. Mai während des Concours d’Elegance in Amelia Island an. Der Wagen wurde in Schottland ausgeliefert und gelangte später nach Kanada. Dort wanderte er mit jedem neuen Besitzer immer weiter von Osten nach Westen und schließlich in die USA. 1999 fand in Post Falls, Idaho, bei Lynn Martin eine umfangreiche Restaurierung statt. Zum Estimate gibt es noch keine Angaben, das Auto wird allerdings ohne Mindestpreis versteigert.

Bilder: RM Sotheby’s, Nathan Deremer