Subaru 360

Wofür kennen Sie die japanische Automarke Subaru? Vermutlich antworten nun die meisten Leser: „Für Fahrzeuge mit Allradantrieb“. Korrekt, aber nicht allumfassend. Immerhin bietet man das gemeinsam mit Toyota entwickelte und produzierte Sportcoupé BRZ (bei Toyota: GT86) ausschließlich mit Hinterradantrieb an. Der Allradantrieb gelangte ab 1972 im Leone in die Modellpalette, die Markengeschichte reicht jedoch weiter zurück. Am 15. Juli 1953 wurde in Japan die Firma Fuji Heavy Industries aus sechs früheren Bestandteilen des nach dem Zweiten Weltkriegs durch die Amerikaner zerschlagenen Flugzeugherstellers Nakajima Hikōki begründet, dessen Firmengeschichte bis ins Jahr 1917 zurückreichte. Durch die sechs früheren Unternehmensteile, die nun wiedervereint waren, kam man auf den neuen Markennamen ‚Subaru‘, der soviel wie ’sich zusammentun‘ oder ‚vereinen‘ bedeutet. Zugleich ist Subaru die Bezeichnung des Sternbildes der Plejaden, von dem man in Japan vor allem die sechs hellsten Sterne sehen kann. So erhielt man auch direkt ein Firmenlogo, in dem die sechs Sterne angedeutet sind. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Fuji Heavy Industries zu einem großen Hersteller von Bussen, Lastwagen, Flugzeugen, Landmaschinen und Autos sowie zu einem Zulieferer anderer Flugzeugbauer wie beispielsweise Boeing in den USA. In den 1990er Jahren war man auch am Bau der japanischen Raumfähre ‚Hope X‘ beteiligt. Seit 2005 hält Toyota eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen, das 2017 zu ‚Subaru Corporation‘ umfirmierte.

Ein erstes Auto entstand bereits 1954 mit dem Prototyp P1 1500. Dabei handelte es sich um eine Limousine der Unteren Mittelklasse mit selbsttragender Karosserie, Einzelradaufhängung vorn und Starrachse hinten. Optisch ähnelte dieses Fahrzeug sehr dem Peugeot 403, was gut zum unter Lizenz verwendeten Vierzylinder-Motor aus dem Peugeot 202 passte. Insgesamt entstanden 20 Exemplare, von denen sechs durch das Taxi-Unternehmen Isesaki Ota Honjo im Alltag getestet wurden. Trotz positiver Rückmeldungen ging der P1 nie in Serie. Stattdessen entwickelte Subaru als erstes Serienfahrzeug einen viersitzigen Kleinwagen, der ab 1958 als 360 in den Verkauf ging. Optisch lassen sich diverse Inspirationsquellen wie der Volkswagen Käfer oder der Fiat 500 entdecken, wobei die Japaner trotzdem eigenständige Details erschufen. Die Türen reichen bis zu den vorderen Radläufen und öffnen nach hinten. Für die Karosserie nutzte man glasfaserverstärkten Kunststoff als Material. In Japan erhielt er den Spitznamen ‚Maikäfer‘. Neben der zweitürigen Limousine mit festem Dach gab es auch ein Cabriolet sowie eine Kombiversion und ab 1961 den Kleintransporter Sambar.

Im Heck des Subaru 360 steckte ein luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 356 Kubikzentimetern. Hierdurch blieb man knapp unter der bis 1975 in Japan gültigen Hubraumgrenze von 360 Kubikzentimetern, die für sogenannte Kei Cars mit besonderen Steuervergünstigungen galt. Die Leistung stieg im Laufe der Produktion von 16 auf 23 PS im später parallel angebotenen Subaru 450 mit 423 Kubikzentimeter-Motor. Dieses größere Triebwerk ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Für die Kraftübertragung zu den Hinterrädern verbaute man anfänglich ein Dreigang- und ab Mitte der 1960er Jahre auf Wunsch ein Viergang-Getriebe, wobei hier der vierte Gang eher als Overdrive ausgelegt war.

Insgesamt entstanden zwischen 1958 und 1970 392.016 Exemplare des Subaru 360, von denen der überwiegende Anteil für den japanischen Markt bestimmt war. Man exportierte jedoch auch einige Fahrzeuge in andere südostasiatische Länder. Zwischen 1968 und 1970 versuchte sich Malcolm Bricklin daran, mit dem 360 auf dem US-Markt Fuß zu fassen, was jedoch misslang. Eines dieser wenigen linksgelenkten Fahrzeuge gelangt im Oktober bei RM Sotheby’s im Rahmen der ‚The Elkhart Collection‘-Auktion in die Öffentlichkeit. Es trägt die Fahrgestellnummer K111L-4407 und gelangte 1969 in die USA. In den zurückliegenden Jahren erfolgte eine Restaurierung mit Neulackierung in hellem Grau und einer Auffrischung des Interieurs in rotem Vinyl. Zum erwarteten Preis machte RM Sotheby’s noch keine Angaben.

Bilder: RM Sotheby’s, Darin Schnabel