Škoda 1000 MB Hajaja

In der heutigen Mittelklasse gehört es zum guten Ton, dass neben einer Limousine auch eine Kombiversion in den Preislisten der Hersteller auftaucht. Entsprechend schwer fällt es manchen jüngeren Lesern vermutlich zu verstehen, dass diese Autos einst als reine Werkzeugtransporter für Handwerker behandelt und daher eher den leichten Nutzfahrzeugen als den Familienautos zugerechnet wurden. Oftmals erfolgten entsprechende Umbauten von einer Limousine in einen Kombi erst nachträglich bei externen Karosseriebauern und nicht ab Werk am Produktionsband. Andere Marken brachten entsprechende Konstruktionen zwar in den Entwicklungsprozess neuer Modelle ein, entschieden sich dann aber aus dem einen oder anderen Grund gegen eine Serienfertigung.

Zu letzteren zählt auch Škoda. In den 1960er Jahren entstand in Mladá Boleslav nicht nur eine neue Fertigungsstätte, sondern auch der neue 1000 MB als Mittelklassefahrzeug mit Heckmotor. Erste Arbeiten hatten sogar bereits 1959 mit dem Projekt Š 999 NOV (nový osobní vůz/neuer Personenwagen) begonnen. Es sollte eines der modernsten Autos in der Klasse bis zu einem Liter Hubraum werden und stellte zudem das erste Škoda-Modell mit selbsttragender Karosserie dar. Dank vier Türen bot die Limousine viel Platz und guten Zugang zu den Sitzplätzen. Im Laufe der Jahre kam der 1000 MBX und 1100 MBX als Coupé-Variante hinzu. Kaum bekannt sind hingegen eine Roadster- und eine Kombi-Version, die bis ins Prototypenstadium hinein entwickelt wurden, jedoch nie den Weg in die Produktion schafften. Kombis hatten bei Škoda bereits eine gewisse Tradition. Aus heutiger Sicht gilt der Laurin & Klement 110 aus der Mitte der 1920er Jahre als erster Vorläufer, dessen hinterer Karosserieteil sich austauschen ließ, um ihn unter der Woche als Transporter und am Wochenende für Familienausflüge zu benutzen. Es folgten leichte Nutzfahrzeugversionen des Popular ab 1934, der 1101 und 1102 Tudor mit Station Wagon (STW) Aufbau, der 1200/1201/1202 STW und schließlich der Octavia Combi, von dem zwischen 1961 und 1971 mehr als 54.000 Exemplare entstanden sind. Davon gingen 72 Prozent in den Export.

Warum gelangte der 1000 MB als Kombi nicht in Produktion, während der Octavia Combi Verkausrekorde brach? Blicken wir auf die Geschichte dieses Prototypen zurück, so erkennen wir, dass seine Existenz eigentlich als Limousine mit der laufenden Nummer 34 begann. Nach 31.000 Testkilometern veränderte Škoda die Karosserie, was schwieriger war, als ursprünglich gedacht. Um einen möglichst tiefen Kofferraumboden zu erreichen, verbaute man den Vierzylindermotor liegend, wodurch der Zylinderkopf in Fahrtrichtung nach links zeigte. Auf die rechte Seite des Motorraums verlagerte man den Wasserkühler. Dieses Layout wirkte so, als habe sich das Triebwerk Schlafen gelegt. Dadurch erhielt der Prototyp schnell den internen Spitznamen ‚Hajaja‘ – seinerzeit der Titel einer beliebten Gute-Nacht-Geschichten-Sendung im tschechoslowakischen Radio. Durch diese Einbaulage gerieten Service- und Wartungs-Arbeiten am Motor deutlich schwieriger als bei der Limousine, während sich zudem die Kühlung als schwierig erwies.

Hajaja erstreckt sich auf 4,15 Meter Länge, 1,62 Meter Breite und 1,40 Meter Höhe bei einem Radstand von 2,40 Metern. Mit umgelegter Rückbank fasst der Kofferraum bis zu 1,60 Meter lange Gegenstände. Hinzu kam der normale Kofferraum über der Vorderachse. Als maximale Zuladung rechnete Škoda 380 Kilogramm aus, was für vier durchschnittliche Erwachsene und ein wenig Gepäck ausreichte. Aus 988 Kubikzentimetern Hubraum schöpft das Vierzylinder-Triebwerk im Heck 31 kW/45 PS. Im Juni 1963 absolvierte der Prototyp rund 7.000 Testkilometer, wobei eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h und ein Durchschnittsverbrauch von 7,6 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometern bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 74 km/h gemessen wurden. Die oben erwähnten Probleme mit der Motorkühlung führten letztlich zur Einstellung des Entwicklungsprogramms. Der Prototyp ist jedoch bis heute erhalten geblieben und gehört zu den Schmuckstücken des Škoda Muzeum in Mladá Boleslav.

Bilder: Škoda