Simca Aronde Plein Ciel

Fahrzeuge der 1935 gegründeten Marke Simca (Société Industrielle de Mécanique et Carrosserie Automobile) gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in Frankreich zum täglichen Straßenbild, sondern waren auch in Deutschland durchaus beliebt. Allerdings verteilte sich diese Beliebtheit ungleich über das damalige Gebiet der Bundesrepublik und war speziell in der ehemaligen französischen Besatzungszone besonders ausgeprägt. 1951 debütierte der Simca 9 Aronde als neues Modell der Mittelklasse. Gleichzeitig handelte es sich um das erste eigenständig entwickelte Fahrzeug, nachdem Simca zuvor ausschließlich Autos von Fiat in Lizenz gebaut hatte. Von den Italienern übernahm man lediglich den 1,2 Liter großen Vierzylindermotor mit dreifach gelagerter Kurbelwelle, seitlicher Nockenwelle und hängenden Ventilen. Dieser brachte es auf 33 kW/45 PS und 85 Newtonmeter Drehmoment, die über ein manuelles Viergang-Getriebe auf die Hinterachse übertragen wurden. Während an der Vorderachse bereits eine moderne Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern, Schraubenfedern und Querstabilisator zum Einsatz kam, rollten die Hinterräder an einer klassischen Starrachse mit Blattfedern. Gebremst wurde der Aronde mit vier hydraulisch betätigten Trommelbremsen.

Die Namensgebung des Wagens mit seiner selbsttragenden und rundlichen Karosserie geht auf das altfranzösische Wort für ‚Schwalbe‘ zurück. Dieser Vogel zierte auch das Simca-Logo. Bis Mitte 1964 entstanden mehr als 1,4 Millionen Exemplare, wodurch der Aufstieg von Simca zum zeitweise zweitgrößten französischen Hersteller begann. Anfänglich gab es neben der viertürigen Limousine auch einen dreitürigen Kombi und ein zweitüriges Coupé, das bei Facel entstand. Später folgte das Coupé Grand Large mit einer an der Limousine orientierten Karosserie. Im Oktober 1955 erfolgte ein umfangreiches Facelift, das im Werksjargon als zweite Modellgeneration bezeichnet wurde. Neben komplett neu gestalteten Bereichen an Front und Heck erhielt die nun nummernlose Aronde auch das auf 1,3 Liter vergrößerte Flash-Triebwerk mit 35 kW/48 PS. Nun bot Simca die Limousine in den luxuriösen Ausstattungsvarianten Elysée und Montlhéry an.

Zwei Jahre später erschienen die Simca Aronde Océane als zweisitziges Cabriolet und das Hardtop-Coupé Plein Ciel, die beide erneut bei Facel karossiert wurden. Diese beiden Varianten blieben mit zusammen rund 11.500 Exemplaren verhältnismäßig selten, wenn man sie im Vergleich zu den direkt bei Simca gefertigten Aronde-Varianten betrachtet. Am 6. September versteigert Bonhams im Automuseum Autoworld in Brüssel eine gut erhaltene Simca Aronde Plein Ciel, die aller Wahrscheinlichkeit nach 1957 über den belgischen Händler Robri erstausgeliefert wurde. Bis Ende der 1990er Jahre ist nichts über die Fahrzeughistorie bekannt. Einzig ein altes Foto zeigt, dass der Simca wohl immer schon dunkles Rot in Kombination mit einem schwarzen Dach trug. Nach einer umfangreichen Restaurierung, die durch ehemalige Mitarbeiter der Busmarke Van Hool durchgeführt wurde, fuhr der inzwischen verstorbene Besitzer den Wagen regelmäßig. Seine Witwe kümmert sich nun um den Verkauf. Nun erwartet Bonhams einen Zuschlagpreis zwischen 25.000 und 35.000 €.

Bilder: Bonhams