Shelby GT350R

Der Name Carroll Shelby begegnet Autofans immer wieder. Als erster Amerikaner, der die 24 Stunden von Le Mans gewinnen konnte, machte er sich international einen Namen. Anschließend war er an diversen Sportwagenentwicklungen direkt oder indirekt beteiligt. Seine eigene Firma Shelby American existiert seit 1962. Hier entstanden die legendären Cobras als Roadster und Daytona Coupé. Der Ford GT40 lernte laufen. Und auch die erste Modellgeneration des Ford Mustang erhielt von Shelby die nötige Schärfe, um im GT-Rennsport erfolgreich zu sein. Tatsächlich war der Mustang ursprünglich nicht viel mehr als ein rasant aussehendes, aber zu schweres und leistungsarmes Auto. Nach einer ordentlichen Diät sowie dem Einbau von neuen Motor- und Fahrwerkskomponenten stand mit dem GT350 ein veritabler Sportwagen bereit. Für Rennfahrer und -teams bot man zudem die davon abgeleitete GT350R als reines Rennfahrzeug an.

Vom Pony Car zum Rennauto

Vom normalen Ford Mustang als Fastback Coupé – heute würden viele von einem ‚Schrägheck‘ sprechen – blieb fast nur die Silhouette übrig. Und obwohl der Wagen massiger und behäbiger wirkte, wenn man ihn neben einer Cobra parkte, hielt er auf der Strecke mit dieser locker mit. Das Shelby-Team verbaute unter der Haube den identisch aufgebauten 289er V8-Motor (4,7 Liter), der auch im Daytona Coupé und dem GT40 eingesetzt wurde. An der Karosserie sorgten ein aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff gefertigter Frontbereich, eine Motorhaube mit Lufthutze, zugenietete hintere Seitenscheiben und eine speziell geformte Plexiglasheckscheibe mit Entlüftung im oberen Bereich für Unterscheidungsmöglichkeiten zum normalen GT350. In den Radhäusern saßen zudem leichte Räder von American Torq Thrust mit Goodyear Blue Dot Bereifung. Innen gab es Schalensitze und einen Überrollbügel. Zudem verlagerte man das Ersatzrad an die Stelle der Rückbank. Von dieser wilden Rennausführung entstanden insgesamt lediglich 34 Exemplare.

Werbewirksame Händlertour

Dass sich die Bemühungen um eine leichtere und stärkere Mustang-Version gelohnt hatten, stellten diverse Rennfahrer unter Beweis. Neben zahlreichen Rennsiegen errang Shelby mit der GT350R dreimal in Folge die B Production Meisterschaft der SCCA. Daneben fanden Einsätze mit dem Daytona Coupé und dem GT40 statt. Diese liefen bekanntlich ebenfalls oftmals siegreich ab. Allerdings ärgerte es den Firmenchef, dass seine großen Erfolge überall auf der Welt kaum Bekanntheit erlangten. Grund dafür war die damals noch übliche Erscheinungsfrequenz von automobiler Fachliteratur, die bei drei Monaten lag. Wenn jedoch ein großer Rennsieg erst ein Vierteljahr später bei der potenziellen Kundschaft ankam, konnte man das kaum noch werbewirksam nutzen. Also ersann der ideenreiche Unternehmer einen neuen Weg, um seine Erfolge publik zu machen.

Der Cobra Caravan

Gemeinsam mit seinem US-Händlernetz setzte Shelby eine vierwöchige Tour durch 12 Städte auf, bei der die erfolgreichen Rennfahrzeuge publikumswirksam zu sehen sein würden. Die Verkaufsstellen sollten dabei lediglich dafür sorgen, dass sie ebenfalls ein paar Shelby-Modelle im Showroom stehen hatten. Einige nutzten die Tour schließlich werbewirksam für sich, um neuen Fahrzeugeigentümern die Schlüssel direkt durch Carroll Shelby überreichen zu lassen. Dieser war auf fast allen Stationen der Tour live vor Ort und wurde dabei von einem speziellen Lastwagen, dem Cobra Caravan, begleitet. Von außen verkündete der Auflieger in schwarz-roten Buchstaben auf weiß-blauem Lack „America’s First International Competition Champion“. Im zweigeschossigen, geschlossenen Aufbau des Anhängers befanden sich immer mindestens vier Fahrzeuge. Neben einer 427er Competition Cobra und einem Daytona Coupé handelte es sich dabei um einen GT40 und einen Shelby GT350R.

Geschichte von 5R213

Bei dem dort präsentierten GT350R handelte es sich um das Fahrzeug mit Fahrgestellnummer 5R213. Dieses hatte Shelby am 10. November 1965 fertiggestellt. Ursprünglich hatte der Händler Tasca Ford in East Providence, Rhode Island, dieses Auto bestellt. Allerdings hielt sich zu diesem Zeitpunkt die Nachfrage nach der GT350R bereits sehr in Grenzen. Also ließ Shelby auf den vorderen Kotflügeln den Hinweis ‚SCCA B Production Champion‘ anbringen und stellte das Auto auf den Cobra Caravan. Nach der Händlertour ging die GT350R doch an Tasca Ford und anschließend nach den Weihnachtsfeiertagen zu drei weiteren Ford-Händlern im Nordosten der USA. Am 28. Juni 1966 exportierte Benito Lores den Wagen und vier Schwesterfahrzeuge nach Peru. Dort hatten fünf Privatfahrer diese Autos bestellt, um sich in Bergrennen und bei Langstreckenrennen zu messen.

Dreimal restauriert

Interessanterweise wurde 5R213 dabei offenbar nicht zu hart herangenommen. 1984 fanden die Autosammler Gary Nufer und Richard Cohen den Wagen und konnten ihn zurück in die USA bringen. Er war komplett und unbeschädigt. Nach zwei weiteren Besitzern ließ Jay Bentley den GT350R 1998 bei Cobra Automotive für historische Rennzwecke restaurieren. Sechs Jahre später sorgten die neuen Besitzer Corey Lawson und Bruce Serene für eine Restaurierung auf Concours-Niveau. Damit errangen sie den ersten Platz in der Publikumswertung beim SAAC Concours im Juli 2005. Zwei weitere Besitzer später sorgte die Werkstatt Thoroughbred Restorations von John Brown für nochmals mehr Perfektion. Anschließend gewann der Wagen Gold beim Concours SAAC 42 in Indianapolis, beim Concours der Mid-America Shelby Nationals in Tulsa sowie beim MCA Grand Nationals in Kansas City 2017. Nun versteigert Mecum Auctions das Fahrzeug in Indianapolis zwischen dem 14. und 22. Mai.

Bilder: Mecum Auctions