Sbarro Super Eight

Beim Schweizer Designhaus Sbarro entstehen immer wieder außergewöhnliche und interessante Konzeptstudien. Unter der Leitung von Franco Sbarro baut die 1971 gegründete Firma in Grandson Serienautos um oder erstellt komplett eigenständige Wagen. Zumeist debütierten die Kreationen auf dem Genfer Autosalon. 1982 stand hier beispielsweise der Super Twelve. Zur damaligen Zeit hatten sportliche Kompaktwagen, sogenannte Hot Hatches, gerade ihren Höhepunkt. Entsprechend hatte Sbarro eine passende Karosserie mit der groben Silhouette von Golf und Renault 5. Als Antrieb arbeitete ein Zwölfzylindermotor, der aus zwei Kawasaki-Motorradmotoren zusammengesetzt war. Dadurch standen rund 250 PS zur Verfügung.

Aus Super Twelve wurde Super Eight

Die Fahrbarkeit dieser Studie erwies sich nach der Messe wohl als äußerst schlecht. Daher entwickelte Sbarro eine neue Variante für den Genfer Salon 1984. Hierfür nahm man das komplette Fahrgestell eines Ferrari 308 GTB inklusive Motor und Getriebe. Zwischen den Achsen kürzte man hingegen den Radstand deutlich. Die aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellte Karosserie entsprach im wesentlichen der des Super Twelve. Ihre Abmessungen wirken ungewöhnlich. Zu 3,15 Meter Länge kommen 1,75 Meter Breite und 1,30 Meter Höhe. Zudem zeigt sie klare Kanten und vor den Hinterrädern gerippte Lufteinlässe im Stil des Ferrari Testarossa. So gesehen könnte es sich auch um einen wild getunten Golf I mit 80er-Jahre-Umbau handeln. Durch den rund 260 PS starken und drei Liter großen Ferrari-V8-Motor lautete der Name nun Super Eight.

Braunes Interieur mit Audioanlage

Während der Wagen außen in knalligem Rot metallic erstrahlt, erhielt er innen eine braune Leder-Velours-Ausstattung. In der Mittelkonsole oberhalb der offenen Schaltkulisse ist eine hochwertige Audioanlage integriert. Derartige Umbauten hatten Anfang der 1980er Hochkonjunktur und fanden sich auch bei Tunern wie BB oder Artz. Im passenden Farbton von Leder und Velours verläuft entlang der oberen Türkante und des Armaturenbretts eine Holzleiste. Die Instrumentierung hinter dem Lenkrad entstammt ebenfalls dem Ferrari 308. Oberhalb des Triebwerks sitzt im mit Stoff ausgeschlagenen Kofferraum ein Ersatzrad. Auch unter der vorderen Haube befindet sich ein kleines Gepäckfach.

Verkauf bei Speed8 Classics

Nach der Messe verkaufte Sbarro den Super Eight an einen Schweizer, der den Wagen zum Straßenverkehr zuließ. Jahre später fand das Einzelstück seinen Weg in die Niederlande und erhielt auch dort erneut eine Zulassung. Seit Anfang 2020 bietet der belgische Oldtimerhändler Speed8 Classics den Sbarro-Eigenbau zum Verkauf an. Mit knapp 27.000 Kilometern Laufleistung soll er 155.000 € bringen.

Bilder: Speed8 Classics