Retromobile Paris 2020

Für Oldtimer- und allgemein alle Automobilfans lohnt sich definitiv eine Reise zur Retromobile in Paris. Diese große Messe in der französischen Hauptstadt genießt einen hervorragenden Ruf und sorgt bei Besuchern für das dringende Verlangen, wieder anreisen zu wollen. In der riesigen Halle 1 sowie den daneben liegenden Hallen 2 und 3 versammelt sich alles, was im Automobilsektor Rang und Namen hat. Die 2020er Ausgabe fand bis zum gestrigen Sonntag statt und wurde ihrem Renommee vollkommen gerecht. Im Rahmenprogramm fanden erneut drei große Autoauktionen von Artcurial, Bonhams und RM Sotheby’s statt, auf die wir später noch eingehen werden.

Mit unserem virtuellen Messerundgang starten wir derweil in Halle 1. Dort stehen nicht nur Hersteller wie Renault, Citroën, Porsche, Bugatti und Lamborghini, sondern vor allem diverse Händler hochwertiger Old- und Youngtimer sowie seltener Exoten. Im Gegensatz zu anderen Klassikermessen fällt in Paris immer wieder die Vielzahl von Rennfahrzeugen aus vielen Jahrzehnten auf, die hier angeboten werden. Dabei ist es unerheblich, ob potenzielle Kunden auf Formel 1, Rennsportwagen oder Prototypen scharf sind. Ebenso verhält es sich beim Angebot straßenzugelassener Sportwagen, der so gut wie alle Jahrzehnte seit der Patentierung des Automobils umfasst. Natürlich standen auch hier seltene Exponate wie der BMW 507, der Alfa Romeo TZ oder die Supersportwagenreihe von Ferrari im Rampenlicht. Bei Lukas Hüni konzentrierte man sich diesmal fast ausschließlich auf Fahrzeuge von Alfa Romeo, wobei auch hier Seltenheiten von Zagato, ein 2000 Sportiva, ein Bimotore mit zwei Achtzylinder-Reihenmotoren oder ein Tipo 33 für große Augen und offene Münder sorgten.

Kidston SA zeigte Seltenheiten aus den 1950er und 60er Jahren und Movendi diverse Exoten vom Mercedes-Benz SSK über einen Iso Grifo bis hin zu einem Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse. Passend zur Nation stehen natürlich auch Autos von Peugeot, Renault, Citroën sowie Kleinserienmarken wie Venturi, Alpine oder Matra auf der Retromobile. Ein Stand beschäftigte sich dabei mit Modellen, die in irgendeiner Weise mit dem Citroën SM zu tun haben. Da wäre zum einen das von Pietro Frua gezeichnete 2+2-Coupé, zum anderen aber auch ein Autotransporter mit fünf Achsen sowie der seltene Ligier JS2. In der Nähe stellte das Buchprojekt ‚110%‘ die beiden einzigen in den 1990er Jahren gebauten Rennfahrzeuge des Bugatti EB110 vor. Porsche France zeigte den Nachbau des elektrisch betriebenen Semper Vivus.

In den hinteren Hallen gab es erneut einen Bereich für den privaten Verkauf von Klassikern. Auf dem Weg dorthin kam man an zwei Sonderausstellungen vorbei. Zum einen zeigten die Messeorganisatoren die Historie der großen tschechoslowakischen Automarke Tatra anhand von diversen schönen Fahrzeugen. Zum anderen hatte man die neu begründete Bertone-Sammlung des italienischen Klassikerverbandes ASI eingeladen. Nach der Insolvenz des traditionellen Karosseriebau- und Designhauses hatte der ASI die hauseigene Kollektion von Prototypen und Einzelstücken aufgekauft, um sie als Gesamtbild zu erhalten. Einige Vorkriegsklassiker und sogar Panzer konnten derweil auf dem Freigelände vor Halle 1 in Bewegung erlebt werden.

Artcurial versteigerte diverse Fahrzeuge, wobei sich das Feld von Scheunenfunden und Restaurierungsprojekten bis hin zu relativ modernen Sportwagen erstreckte. Zum zweiten Mal in Folge stand ein seltener Serenissima zur Auktion bereit. Insgesamt zeigte sich das Pariser Auktionshaus recht zufrieden. Rund 70 Prozent der angebotenen Autos fanden einen neuen Besitzer. Dabei erzielte man einen Gesamterlös von rund 23 Millionen Euro. Mehr als ein Zehntel davon entfielen auf einen Ferrari 275 GTB. Mit 1,73 Millionen Euro belegte der von uns kürzlich beschriebene Porsche 906 Carrera 6 den zweiten Platz in der Rangliste.

Bonhams nutzte wie in den Vorjahren jene Räumlichkeiten, die einst dem Pariser Autosalon als Ausstellungsfläche dienten: der Grand Palais. Unter den verkauften Highlights findet sich das Frua-BMW 3000 V8 Coupé, über das wir kürzlich berichteten. Es erzielte inklusive Aufgeld 209.300 €. Für einen Hispano-Suiza H6B Convertible Phaeton von 1926 zahlte der Höchstbieter am Ende 333.500 €, während ein Mercedes-Benz 500 K Cabriolet A auf 1.610.000 € kam. Den Höchstpreis erzielte ein Bugatti Typ 55 mit 4,6 Millionen Euro. Bei den moderneren Sportwagen sticht ein MAT New Stratos auf Basis eines Ferrari 430 Scuderia mit einem Zuschlagspreis (inkl. Aufgeld) von 690.000 € hervor. Dagegen wirken die 82.800 €, die für einen Toyota Formel-1-Rennwagen von 2008 bezahlt wurden, beinahe wie ein Schnäppchen.

Bei RM Sotheby’s erstreckte sich das Ergebnis über ein Spektrum von 12.650 € für einen Land Rover Defender bis hin zu 1,9 Millionen Euro für einen BMW 507 und einen Porsche 904 Carrera GTS. Weitere Highlights waren ein Mercedes-Benz 300 SL Roadster für rund 765.000 €, ein Bugatti Veyron Super Sport für 1,5 Millionen Euro oder ein Aston Martin DB5 für 623.750 €. Trotz eines durchaus aufsehenerregenden Höchstgebotes von 3,9 Millionen Euro erfolgte indes kein Zuschlag für einen von nur neun gebauten Lamborghini Veneno Roadster. Möglicherweise hatte der Besitzer auf ein ähnliches Ergebnis spekuliert, wie es im letzten September von einem Schwesterfahrzeug in Genf mit rund 6,9 Millionen Euro aufgestellt wurde.

Die nächste Ausgabe der Retromobile findet im Februar 2021 in Paris statt. Falls Ihnen unsere Bildergalerien gefallen haben, könnten Sie also bereits jetzt eine Reise in die französische Hauptstadt einplanen.

Bilder: Marcus Keller