Retro Classics Stuttgart 2020

Noch bis Sonntag Abend besteht für interessierte Autofans die Gelegenheit, die Retro Classics in Stuttgart zu besuchen. Vor 20 Jahren ging die Geschichte dieser Klassikermesse los. Das runde Jubiläum begeht man erneut mit einer bunten Mischung aus Oldtimern aller Jahrzehnte, feinen Youngtimern sowie Exoten aus diversen Ländern. Hinzu gesellen sich Motorräder, Nutzfahrzeuge und eine handvoll Traktoren in insgesamt neun Hallen und dem Bereich rund um das Atrium, wobei eine Halle ausschließlich dem Verkauf von Automobilia und Ersatzteilen vorbehalten ist. Bereits im Atrium sowie im Foyer vor den Kassen stehen insgesamt 27 Exponate aus der ROFGO Collection, die als Hauptthema Rennfahrzeuge mit Gulf-Sponsoring haben. Wir widmen uns dieser Sonderausstellung in den letzten beiden Bildergalerien in diesem Artikel.

Die riesige Halle 1 bietet traditionell viel Platz für Händler hochwertiger Fahrzeuge. Diese boten in diesem Jahr neben wahren Raritäten wie einem Lamborghini Miura, einem BMW 328 mit Karosserie von Beutler, einem Veritas Meteor Rennwagen oder gleich zwei BMW 507 auch modernere Autos an. So fanden sich hier ein Lamborghini Centenario Roadster, ein Ferrari LaFerrari, ein Mercedes-Benz SLR Stirling Moss, ein Alfa Romeo 8C Spider oder ein Bugatti Chiron. Wie immer lohnte sich der Gang durch alle Zwischengänge, um nichts zu verpassen. So kam man auch an einem mitten im Restaurierungsprozess befindlichen BMW 503 oder einem Porsche 911 R vorbei. Apropos Porsche; ebenso wie die ebenfalls in Stuttgart beheimatete Marke Mercedes-Benz stellte die Sportwagenmarke den Großteil der ausgestellten Autos auf der Messe. Zudem hatten beide Hersteller jeweils einen großen Stand in Halle 1, wo auf die Klassikaktivitäten und die beiden großen Museen innerhalb der Stadt hingewiesen wurde. Mercedes-Benz unterhielt zudem einen zweiten Stand in Halle 10, wo auch die inzwischen 20 anerkannten Markenclubs zu finden waren.

Auch in den anderen Hallen zeigten verschiedene Händler und Clubs ein buntes Feld von Fahrzeugen. Manchmal dienten diese lediglich als Blickfänger, anderenfalls zeigte man die Marken- oder Modellhistorie bestmöglich auf. Dazwischen standen einige wenige getunte Autos sowie Backdate-Fahrzeuge, sogenannte Restomods. Dabei handelt es sich um Wagen, die nachträglich auf eine ältere Optik der gleichen Baureihe zurückgerüstet wurden. Am häufigsten kennt man dieses Vorgehen bei Porsche 911ern. Somit verwundert es nicht, dass nach der letztjährigen Präsentation des damals noch Interieur-losen Kaege Retro Turbo dieses Fahrzeug nun komplettiert zu sehen war. Hinzu kam mit dem Everytimer jedoch auch ein BMW 1er, der optisch auf die 02er Reihe der 1960er Jahre zurückgerüstet wurde. Bei den Mercedes-Clubs fanden sich unter anderem ein SLR McLaren 722 GT sowie ein bereits in den 1980er Jahren bei AMG umgebautes G-Modell mit Scheinwerfern der damaligen S-Klasse.

Als zweite Sonderausstellung neben den ROFGO-Fahrzeugen hatte die Retro Classics bereits im Vorfeld Autos der französischen Marke Avions Voisin angekündigt. In Deutschland ist dieser Hersteller annähernd unbekannt. Begründet wurde er durch die Brüder Gabriel und Charles Voisin, die vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Flugzeugbau begannen. 1912 starb Charles, woraufhin sein Bruder erst mit der Fertigung von Luftfahrzeugen fortfuhr und schließlich ab 1918 auch Automobile produzierte. Diese verfügten stets über außergewöhnliche Fertigungstechniken mit Aluminiumkarosserien, ungewöhnliche Details, wie das vom Art Déco inspirierte Design, und ventillose Motoren mit 4, 6 oder sogar 12 Zylindern. Bis 1938 entstanden rund 10.000 Fahrzeuge in 30 unterschiedlichen Modellreihen. Neun davon inklusive einem nach dem Krieg entwickelten Biscooter standen nun in Stuttgart.

Kommen wir zurück ins Atrium am Ost-Eingang. Die dort versammelte ROFGO Collection vereint die Rennsportgeschichte der zurückliegenden rund 60 Jahre. Besonderes Augenmerk legte der Besitzer Roald Goethe dabei auf jene Rennwagen, die von der amerikanischen Ölgesellschaft Gulf Oil gesponsert wurden. Während dies anfänglich auf mehr oder weniger kleine Aufkleber irgendwo am Fahrzeug beschränkt war, folgten bald komplette Lackierungen. Dabei legte man sich auf die Farben Hellblau und Orange fest und erschuf damit eine der legendärsten Renn-Liveries neben denen von Martini, Marlboro oder Jägermeister. In den letzten Jahren trat Roald Goethe selbst mit in Gulf-Farben lackierten Autos bei verschiedenen Rennen bis hin zu den 24 Stunden von Le Mans an. Seine Sammlung umfasst inzwischen 43 Fahrzeuge inklusive einem originalen Renntransporter, der in den 1970er Jahren die Autos zu Veranstaltungen und zurück brachte. 27 davon standen in Stuttgart bereit.

Die frühesten Exemplare der ROFGO Collection stammen von McLaren und traten in Formel 1 oder Can-Am-Serie an. Erstmalig im typischen Farbkleid zeigt sich dann der Ford GT40, von dem bei Mirage in Großbritannien der M1 mit deutlich schmalerer Dachsilhouette entwickelt wurde. Ebenso aus dem Hause Mirage brachte man den M6, den GR7 und den GR8 mit. Auch bei Porsche gab es Zeiten in Gulf-Farben. So starteten der 917 und der 908/03 in Hellblau und Orange. Im Foyer stand zudem ein 911 Carrera RS 2.7 Lightweight, der die Gulf-Farben auf die Rallyepiste gebracht hat. Nach einer längeren Pause kehrte Gulf Oil Ende der 1990er Jahre auf die Karosserien von Rennwagen zurück. Am bekanntesten waren dabei die McLaren F1 GTR der Jahre 1996 bis 1998. Doch auch andere Marken zeigten sich in dieser Livery. Beispielsweise schickte Audi zeitweise einen entsprechend lackierten R8 auf die Pisten und Aston Martin startete sowohl mit dem DBR9 als auch mit dem Lola DBR1-2 und dem Vantage GTE in dieser Optik. Letzteren wie auch den ausgestellten Lamborghini Gallardo und den Mercedes-AMG GT GT3 bewegte Roald Goethe persönlich.

Die kommende Retro Classics findet im Februar 2021 erneut in Stuttgart statt. Wir freuen uns bereits darauf und hoffen, dass Sie als Leser Freude an unserem kleinen Rundgang und den dazugehörigen Bildern hatten.

Bilder: Matthias Kierse