Prince Skyline Sport

Die japanische Automarke Prince Motor Company (Prince Jidōsha Kōgyō K.K.) ist nur wenigen Europäern ein Begriff. Eigentlich wohl nur jenen, die sich schon einmal intensiver mit der Markengeschichte von Nissan auseinandergesetzt haben. Das 1936 begründete Unternehmen Tachikawa Hikōki richtete sich nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Fabrikhalle in Chōfu in der japanischen Präfektur Tokio ein und wechselte das Produktionsprogramm von Flugzeugen neu auf Elektroautos aus. Nachdem 1946 erste Prototypen leichter Nutzfahrzeuge entstanden waren, begann ab 1947 die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs Tama und die Gründung der eigenständigen Firma Tokyo Electric Car Company (Tōkyō Denki Jidōsh), aus der 1949 ‚Tama Denki Jidōsha‘ und schließlich nach der Ernennung von Prinz Akihito zum offiziellen Thronfolger des japanischen Kaisers die Marke ‚Prince Jidōsha Kōgyō K.K.‘ wurde. Inzwischen konzentrierte man sich hauptsächlich auf die Herstellung von Luxusautos und leichten Nutzfahrzeugen. Im August 1966 übernahm Nissan die Firma und integrierte die Modellreihen Gloria und Skyline ins eigene Portfolio, während die anderen Fahrzeuge aus dem Programm fielen.

Der Prince Skyline debütierte 1957 auf dem japanischen Markt als viertürige Limousine. Unter der Motorhaube arbeitete ein 1,5 Liter großes Vierzylindertriebwerk mit 60 PS. Diese Leistung steigerte man im Oktober 1958 auf 70 PS. Im Laufe der Zeit leitete Prince den 83 PS starken Gloria sowie die Kombi- und Pickup-Versionen unter dem Modellnamen Skyway vom Skyline ab. Das klassische Design erhielt in der Deluxe-Ausstattung ab Februar 1959 runde Doppelscheinwerfer, die im Herbst des gleichen Jahres auch der Basisausstattung zugute kamen. Gleichzeitig debütierte ein vom italienischen Designer Giovanni Michelotti gestaltetes Coupé unter dem Namen Skyline Sport. Bis zur Serienumsetzung vergingen allerdings noch zwei Jahre. Dadurch konnte man für dieses eher sportliche Fahrzeug den ab Herbst 1961 zusätzlich angebotenen 1,9-Liter-Motor nutzen, der in der Limousine mit 84 oder 96 PS erhältlich war. Im Skyline Sport stieg die Leistung auf 100 PS. Insgesamt entstanden bis 1963 33.759 Exemplare des allerersten Skyline, wobei vom Sport als Coupé und Cabriolet aufgrund des höheren Preises nur sehr wenige Fahrzeuge von Hand gebaut wurden.

Für den Skyline Sport als Coupé rief Prince damals 185.000 Yen auf, während die Limousine bei 120.000 Yen lag. Umgerechnet auf die heutige Zeit wären das inflationsbereinigt rund 20 Millionen Yen oder etwa 170.000 €. Dafür erhielt man einen rund 150 km/h schnellen Sportwagen, der für die damalige Zeit sowohl optisch als auch technisch überzeugen konnte. Ein manuelles Viergang-Getriebe überträgt die Kräfte auf die hinten untergebrachte DeDion-Achse mit halbelliptischen Blattfedern. Vorn sitzen an jedem Rad zwei unterschiedlich lange Querlenker mit Schraubenfedern. Für die Verzögerung sorgten rundum Trommelbremsen, was zu dieser Zeit im Automobilbau noch üblich war. Insgesamt fertigten die Prince-Mitarbeiter wohl lediglich 35 Coupés und 25 Cabriolets überwiegend in Handarbeit an.

Eines dieser Coupés mit einer überraschend niedrigen Laufleistung von nicht einmal 1.200 Kilometern verkauft das japanische Auktionshaus BH Auction aktuell auf seiner Webseite. Genau dieses Fahrzeug stand 2009 auf dem Concours d’Elegance an der Villa d’Este, wo die cremefarbene Karosserie für Aufsehen sorgte. Es war immerhin das erste japanische Auto, das jemals bei diesem Wettbewerb antrat. Speziell die schräg nebeneinander angeordneten ‚Chinese Eyes‘-Doppelscheinwerfer sind ein Detail, das von diversen anderen Herstellern aufgegriffen wurde. Den Preis für den Prince Skyline Sport gibt BH Auction nur auf Anfrage bekannt.

Bilder: BH Auction