Ein Tag in den Bergen mit dem Porsche Boxster

Die Temperaturen steigen, die Tage werden länger, es ist Sommer. Zeit, das Verdeck zu öffnen, sich eine schöne Straße rauszusuchen und wieder genussvoll Auto zu fahren – mit allen Sinnen. Der fahrbare Untersatz für die heutige Tour, ein Porsche, welcher sich noch zwischen den Welten befindet, der noch unter dem Radar vieler herumschwirrt. Die Rede ist von der ersten Generation des Porsche Boxster, mit einem Boxer-6 Zylinder-Motor hinter den Ohren und einem Schaltknauf in der Hand. Klingt doch nach den genau richtigen Zutaten für eine spaßige Fahrt in den Alpen, oder? 

Einsteigen, los geht’s. Direkt fällt auf, dass das Interieur dem Fahrer gehört, keine Ablenkungen – nur das Fahren zählt. Ein Radio ist zwar vorhanden, doch sobald man den Schlüssel umdreht und den Boxer Motor zum Leben erweckt, merkt man, woher heute die Musik kommt – und zwar aus der goldenen Mitte. Das merkt man auch, nachdem man die paar Autobahnkilometer zurückgelegt hat, das Dach öffnet und die ersten kurvigen Straßen bestreitet. Die Straßenlage ist einfach perfekt. Bremsen – einlenken – wieder aufs Gas gehen, der Mittelmotor hilft einem richtig dabei, dreht das Auto ein, sorgt für genügend Traktion beim Herausbeschleunigen. In Zusammenspiel mit der präzisen und leichtgängigen Lenkung, welche einen das Auto millimetergenau platzieren lässt, ist es direkt schade, als die Geraden wieder überhandnehmen. Doch das gibt einem Zeit, den Puls etwas sinken zu lassen und die andere Seite des Boxster kennenzulernen. Entspanntes Dahingleiten ist nämlich ebenso ein Genuss mit dem Einstiegs-Porsche. Eine Brise weht einem durch die Haare, im Hintergrund grummelt unterschwellig der Saugmotor vor sich hin, was braucht man mehr? Und genau das ist auch die Frage, die mir da immer wieder durch den Kopf schwirrt…braucht es mehr für so ein pures Fahrerlebnis als einen Boxster? Der 911 ist Kult, keine Frage, doch der kleine Bruder in Form des Boxster, gerade in der ersten Generation, bietet einem Emotionen, genug Leistung, durch das Mittelmotor Konzept viel Stauraum und das Wichtigste, das unverwechselbare Gefühl eines echten Porsche.

„…braucht es mehr für so ein pures Fahrerlebnis als einen Boxster?“

Mittlerweile haben wir den Abschnitt des öden Geradeausfahrens wieder hinter uns gelassen und biegen ein in das Risstal in Richtung Ahornboden (Eng). Mit dem uns begleitenden Rissbach neben uns beginnt sich die Straße nun zu winden. Also zwei Gänge runter schalten und Kurve für Kurve genießen. Der Motor bellt einen richtig an und will, dass man ihn auch ja bis 7.000 Umdrehungen hochjubelt, um dann den nächsten Gang einzulegen, was durch die kurzen Schaltwege und das mechanische Einrasten zum Hochgenuss aller Sinne wird. Bremsen, runterschalten mit Zwischengas, was hier kein Computer übernimmt, sondern noch echte Arbeit ist, dem Kurvenverlauf folgend einlenken, bis man spürt, wie der Mittelmotor das Auto um die Hochachse dreht, und wieder aufs Gas, wobei das Heck schnell mal zeigt, wo die Reise hingeht, wenn man nicht voll bei der Sache ist. – Was für ein Erlebnis!

Und das für einen günstigen Preis (für Porsche-Verhältnisse), denn schon für 15.000€ kann man einen Boxster der Generation 986 erwerben, weniger als halb soviel wie für einen aus der gleichen Zeit gebauten 911. Erwähnenswert ist dabei vor allem, dass der 911 Carrera der Generation 996 und der erste Boxster bis zu den Türen identisch sind, und der Boxster somit durchaus eine wesentlich günstigere Alternative darstellt, wobei im Fahrspaß keine Kompromisse gemacht wurden.

Gerade auf Straßen wie diesen hier in den Alpen, wo sich eine Kurve an die nächste reiht und man ganz bei der Sache sein muss, um das ganze Potential zu erfahren, fühlt sich der Porsche Boxster am wohlsten und lädt einen geradezu ein, zum puren Autofahren. 

Fotos: Andi Griesbeck | Instagram