OPAC Più

Früher waren Automessen wie die IAA, der Autosalon in Genf oder auch der Autosalon in Paris dafür bekannt, dass hier einmalige Konzeptstudien neben den Neuwagen im Rampenlicht standen. Diese kamen nicht nur von den großen Herstellern, sondern auch immer wieder von kleineren Zulieferern. Sie stellten damit ihre Kompetenzen unter Beweis und suchten nach neuen Kunden. 1996 zeigte beispielsweise der Stoffverdeck- und Hardtop-Hersteller OPAC aus Italien eine solche Studie auf dem Turiner Salon. Diese trug den Modellnamen Più, was übersetzt „mehr“ bedeutet. Als Basis wählte man den Peugeot 106 XSi, wobei davon eigentlich nur ein „XSi“-Schriftzug auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts kündet. Bei genauerer Betrachtung finden sich auch die Armaturen und die Bedieneinheit aus der Mittelkonsole des 106 wieder. Letztere erhielt jedoch einige Carbon-Auflagen. Auch Teile der Türverkleidungen stammten vom Basisauto.

Blau-gelbe Innenausstattung

Mittig auf dem Armaturenbrett befindet sich ein damals hochmoderner Blaupunkt-Bildschirm für das Navigationssystem. Dieses lässt sich durch unterhalb der Mittelkonsole angebrachte Schalter bedienen. Rechts und links von den Instrumenten befinden sich Zusatzinstrumente. Durch eine blau-gelbe Alcantara-Ausstattung nahm OPAC dem Armaturenbrett ein wenig den Look einer Eigenkonstruktion. Zugleich wertet sie die Türverkleidungen und die Sitze auf. Hinten sind zwar zwei Sitzflächen angedeutet, spätestens mit geschlossenem Dach möchte man dort aber niemand hinsetzen. Von außen sorgte eine in hellem Gelb metallic lackierte Kunststoff-Karosserie für schöne Anblicke. Die vier runden Scheinwerfer wirken so, als wären sie in die Motorhaube integriert. Tatsächlich sind sie jedoch vor dem Triebwerk fest verbaut und schwenken nicht mit nach oben. Im Kontrast zur Karosserie zeigt sich das Stoffverdeck in blau.

Nie zugelassen, trotzdem gefahren

Für die Zeit war der OPAC Più hervorragend ausgestattet. Neben einem damals hochaktuellen 10-fach-CD-Wechsler befindet sich im Kofferraum zudem ein Abspielgerät für VHS-Videokassetten. Ihr Bild erscheint im Stand auf dem bereits erwähnten Blaupunkt-Monitor am Armaturenbrett. Als Antriebsquelle fungiert ein 1,4-Liter-Vierzylindermotor mit 69 kW/94 PS. Nach der Premiere in Turin nutzte die Frau von OPAC-Chef Luca Sacco das kleine Cabriolet gern für Schönwetterfahrten. Hierfür montierte man einfach das firmeneigene Kurzzeitkennzeichen am Auto. Eine vollwertige Zulassung erhielt der Più nie. Nach rund 6.800 Kilometern Gesamtlaufleistung stellte sie den Wagen in einer Ecke der Tiefgarage vom OPAC-Werk ab. Dort fand ihn 2015 der heutige Besitzer. Eigentlich hatte er die Firma nur besucht, um Informationen für ein geplantes Buch über den Lancia Hyena zu bekommen. Für diesen hatte OPAC einige Karosserieteile hergestellt.

Einzelstück wird versteigert

Das kleine Fahrzeug fand sein Gefallen und man wurde sich handelseinig. Allerdings ließ er vor seiner Abholung noch einige Macken beseitigen. So waren alle vier Reifen platt, die Karosserie hatte ein paar Kratzer erlitten und der Motor lief nicht mehr. Inzwischen sieht die Konzeptstudie wieder fast aus wie neu. Bonhams sucht nun im Rahmen der Auktion „Les Grandes Marques du Monde à Paris“ einen neuen Besitzer für den Più. Noch ist allerdings nicht klar, ob diese Versteigerung am bisher geplanten Termin Anfang Februar stattfindet oder gemeinsam mit der Oldtimermesse Retromobile in den März zieht. Klar ist hingegen, dass für den einmaligen OPAC ein Zuschlagspreis zwischen 40.000 und 60.000 € erwartet wird. Relativ wenig Geld für ein absolutes Unikat. Zum Auto gibt es eine umfangreiche Dokumentation inklusive Kostenanalyse für eine damals theoretisch angedachte Kleinserie.

Bilder: Bonhams