Mohs Safarikar

Einzigartige und sogar hässliche Automobile gab es in der Vergangenheit immer wieder. Gute Beispiele hierfür erstellte ab Ende der 1960er ein gewisser Bruce Baldwin Mohs aus Madison/Wisconsin – einem Ururenkel des schwedischen Königs Karl-Johann (1763 bis 1844). Seine versammelten Errungenschaften und Erfindungen hätten für drei bis vier normale Menschenleben nicht ausgereicht. Im Jahr 1948 begann er in seiner eigenen Firma ‚Mohs Seaplane Corporation‘ mit der Konstruktion, Entwicklung und Verbesserung von Wasserflugzeugen. Zehn Jahre später erweiterte er mit einer Cessna 120, einem Wasserflugzeug, die Firma um einen Charterflugdienst. Dabei flog er höchstpersönlich seine Gäste und Waren über den Lake Mendota in Wisconsin. Aus seiner Pilotenzeit stammt auch ein überdeutliches Gefühl, Sicherheit in andere Verkehrsmittel bringen zu müssen. So schraubte er bereits in den 1950er Jahren Flugzeuggurte in seinen privaten Pickup und erfand zudem reflektierende Streifen für Barrieren auf den Highways. Ganz nebenbei erfand er den Instant-Milchshake und konstruierte einen gigantischen Motorroller.

Vom Milchshake zu eigenen Autos

Die aufregendsten Errungenschaften des „The Amazing Mr. Mohs“, wie seine Autobiografie heißt, sind jedoch jene vier Automobile, die ab 1968 in seinen Werkshallen entstanden. Den Anfang machte dabei der Ostentatienne Opera Sedan, der prunkvollen Luxus mit möglichst viel passiver Sicherheit verbinden sollte. Aus diesem Grund gibt es beispielsweise keine klassischen Türen, sondern nur einen zentral im Heck verbauten Öffnungsmechanismus, der bis ins Dach reicht. Trotz oder vermutlich gerade wegen seiner außergewöhnlichen Optik in Kombination mit erst goldenem und später knallblauem Lack fanden sich keine Käufer. Daher machte sich Bruce Mohs 1973 an ein neues Fahrzeugkonzept, dessen Verbreitung sich schon durch die Grundidee in Grenzen hielt: Das Safarikar (nein, hier liegt kein Schreibfehler vor). Immerhin erhielt dieser Wagen nun eine gefälligere Limousinen-Silhouette und eine schwarze Farbgebung, wodurch seine schiere Größe nicht ganz so stark auffiel.

Wie bereits beim Ostentatienne Opera Sedan diente auch hier das Fahrgestell eines International Harvester Travelall als Grundbasis. Damit stand auch die Antriebsquelle in Form eines 6,4 Liter großen V8-Triebwerks fest. Da das Safarikar höchstmöglichen Komfort und luxuriöse Details auf dem Level von Rolls-Royce bieten sollte, während man sich an Bord gerade auf die nächste (damals noch legale) Großwildjagd vorbereitete, orientierte sich Mohs bei der Leistungsangabe ebenfalls beim britischen Mitbewerber. In Unterlagen und auf Messen sprach er nur von „adäquat“. Tatsächlich waren es 133 kW/181 PS. Tatsächlich sah Bruce Mohs den Haupteinsatzzweck für dieses Auto als luxuriösen Begleiter auf Safaris in Afrika.

Keine Türen, kein glänzender Lack

Hierfür sah er lediglich drei Sitze vorn vor, während im Fond Gewehrhalterungen und eine einfache Sitzbank warten. Letztere lässt sich in Kombination mit weiteren in einem schrankartigen Einbau verborgenen Polstern zu einer gigantischen Liegefläche umwandeln. So haben es Scharfschützen besonders bequem, während sie auf ihre Chance bei der Jagd warten. Alternativ kann alles zur Seite gefaltet werden, um im Stehen zu schießen. Über den Köpfen der Passagiere lässt sich hierfür das Stahldach nach hinten klappen. Anstelle von klassischen Türen fährt an jeder Fahrzeugseite eine breite Fläche an hydraulischen Stempeln auf Schienen nach außen. Ebenso sucht man klassische Metalloberflächen an der Aluminiumkarosserie fast vergebens. Bruce Mohs entschied sich für einen Bezug aus Naugahyde-Kunstleder, wodurch er Reflektionen verringern wollte.

Hyman Ltd. bietet ein Safarikar an

Derweil wollte er jedoch nicht auf den massiven Kühlergrill mit eigener Kühlerfigur verzichten, den er für den Ostentatienne Opera Sedan gestaltet hatte. Ebenso hatte er für sein Erstlingswerk spezielle Räder mit stickstoffgefüllten Reifen entwickelt, die nun in etwas kleinerer Ausführung auch für das Safarikar genutzt wurden. Tatsächlich entstanden drei Exemplare des Mohs Safarikar, wovon heute noch zwei bekannt sind. Während eines in einem Museum als Ausstellungsstück dient, stand das zweite Fahrzeuge jahrelang unbeachtet auf einem Parkplatz im US-Bundesstaat Georgia. 2009 nahm sich der aktuelle Besitzer dem Wrack an und ließ es umfassend restaurieren, wofür allein rund 36,5 Quadratmeter Naugahyde und 7.000 Edelstahl-Heftklammern nötig waren. Nun steht der Wagen bei Hyman Ltd. für US$ 349.500 zum Verkauf. Einen so hohen Preis hätte wohl nicht einmal Bruce Mohs jemals erwartet.

Bilder: Hyman Ltd.