Neoklassiker auf Fiero-Basis

Zimmer Quicksilver

Auto 13.01.2020
Zimmer Quicksilver

Fahrzeuge aus US-amerikanischer Produktion unterscheiden sich in den allermeisten Fällen stark von europäischen oder asiatischen Mitbewerbern. Hauptsächlich macht sich dies in der Größe bemerkbar. Aufgrund der riesigen Highways und den endlosen Weiten einiger Bundesstaaten denken Amerikaner gern in anderen Dimensionen als urbane Europäer oder gar die auf einem beengten Inselstaat lebenden Japaner. Somit verwundert es auch nicht, dass ausgerechnet aus den USA der Trend sogenannter Neoklassiker aufkam, bei dem bereits in den 1970er Jahren auf Basis jeweils aktueller Modelle optisch auf Elemente von deutlich zurückliegenden Jahrzehnten zurückgegriffen wurde. Eines der bekanntesten Produkte war dabei der am Mercedes SSK angelehnte Excalibur. Dieser Trend hält sich zum Teil bis heute, ist aber deutlich abgeflacht. Neben einer Verschiebung des Geschmacks ist dies auch auf veränderte Sicherheits- und Zulassungsregularien zurückzuführen, die einen Umbau heutiger Autos deutlich komplizierter gestalten.

Eine der diversen Firmen, die Neoklassiker entstehen ließen, war die 1978 von Paul Zimmer und seinem Sohn Bob Zimmer gegründete Zimmer Motorcars Corporation aus Syracuse im Bundesstaat New York. Alles begann mit der Zeichnung eines neoklassisch gezeichneten Fahrzeugs auf einer Serviette, die Paul seinem Sohn während eines Abendessens herüberschob. Der Entschluss, diese Autos in Kleinserie zu bauen, war schnell gefasst. Das erste Modell wurde der Golden Spirit auf Basis des damals aktuellen Mustang-Fahrgestells, das direkt von Ford zugeliefert und anschließend verlängert wurde. Zwischen 1978 und 1988 entstanden laut Firmenangaben über 1.500 Exemplare für Kunden in aller Welt, einige davon als Stretchlimousine. Diesen Erfolg hatte man anfänglich natürlich nicht geplant. Die Fertigung in Pompano Beach, Florida, wuchs rasant und kam Mitte der 1980er Jahre auf 175 Angestellte und einen Jahresumsatz von 25 Millionen US-Dollar. Ab 1984 ergänzte man das Angebot um den Zimmer Quicksilver, der auf dem Mittelmotorcoupé Pontiac Fiero aufbaute.

Während das Interieur durch den Einbau von Ledersitzen und etwas Holzdekor nur aufgehübscht wurde, legte Zimmer an den Karosserien deutlich Hand an und behielt lediglich die Türen und die Windschutzscheibe vom Spenderfahrzeug. Ebenso blieb die werksseitige Fahrgestellnummer erhalten, wodurch die Zulassung deutlich erleichtert wurde. Obwohl der Quicksilver den Sechszylinder-Mittelmotor des Fiero behielt, erhielt er eine riesige Frontpartie, die rein optisch Platz für mindestens acht Zylinder bieten könnte. Vorn integrierte man einen relativ großen Kühlergrill in einen verchromten Bereich, der auch die schmalen Zusatzscheinwerfer einfasst. Die Hauptscheinwerfer klappen oben aus der Haube heraus. Über die Schweller zieht sich das Chrom einmal rund ums Fahrzeug bis zum unteren Bereich der Heckpartie, in die auch die Rückleuchten und die Kennzeichenmulde integriert wurden. Darüber mündet das neu gestaltete Dach in einem klassischen Stufenheck. RM Sotheby's bietet am Freitag im Rahmen der jährlichen Autoauktion in Scottsdale, Arizona, einen Zimmer Quicksilver aus erster Hand an, der weniger als 500 Meilen Laufleistung aufweist. Als Zuschlagspreis werden US$ 40.000 bis 50.000 erwartet.

1988 schlitterte die Zimmer Motorcars Corporation in eine Krise, nachdem Bob Zimmer seine Firmenanteile verkauft hatte und kurz danach sein Vater einen Herzanfall erlitt. Zwar versuchten einige Angestellte und Abteilungsleiter noch, die Fertigung aufrecht zu erhalten und die Firma zu leiten, dies misslang jedoch. Neben dem Wegfall der beiden wichtigsten Personen war auch die generelle Finanz- und Absatzkrise im Automobilmarkt ein Faktor, der letztlich zum Bankrott führte. Acht Jahre später erfuhr ein weiterer Amerikaner mit dem Nachnamen Zimmer, jedoch keinerlei verwandschaftlichen Beziehungen zur Gründerfamilie, davon, dass es eine Automarke mit seinem Namen gegeben hatte: Art Zimmer. Er kaufte die Markenrechte der Zimmer Motorcars Corporation sowie diverse Unterlagen aus dem Unternehmensarchiv, begründete den Zimmer Motor Car Club für Besitzer der alten Fahrzeuge und eröffnete zudem einen neuen Firmensitz in Jamesville, New York sowie eine neue Fertigung in Cambridge, Maryland. Hier entstehen seither neue Zimmer auf Basis alter Lincoln Town Cars und Ford Mustangs. Zudem verfeinert man jährlich zwischen 10 und 20 Chevrolet Silverado Pickups.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: RM Sotheby's