Schnellster Brite seiner Zeit

Vauxhall 30-98

Auto 08.04.2020
Vauxhall 30-98

Vauxhall ist vielen europäischen Lesern vermutlich allenfalls als britische Schwestermarke von Opel bekannt, die gemeinsam mit den Rüsselsheimern 2017 von General Motors zum PSA-Konzern weitergereicht wurde. Dass die Briten einst ein völlig eigenständiges Modellprogramm hatte, zeigt man aktuell durch eine Serie von Presseberichten auf, die wir gern aufgreifen. Auf das 5hp Light Car und den C-10 Prince Henry folgt an dieser Stelle der 30-98 von 1919. Vor 101 Jahren stellte dieser Oberklassewagen die Speerspitze im Modellprogramm dar. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es eine Kleinserie von 13 Exemplaren für ausgesuchte VIP-Kunden auf Basis des C-10 Prince Henry mit verändertem Kühlergrill als Unterscheidungsmerkmal. Die Benennung 30-98 deutete ursprünglich darauf hin, dass das 4,5 Liter große Vierzylindertriebwerk bei 1.000 U/min 30 und bei 3.000 U/min 98 BHP leistete.

In der Serienausführung, die ab 1919 produziert wurde, sank die Motorleistung des 'E' genannten Motors minimal auf 90 BHP. Im Vergleich zum Prince Henry erhielten die Triebwerke nun fünffach gelagerte Kurbelwellen, einen einzelnen Zenith-Vergaser und eine Druckölschmierung. Nach 274 Exemplaren stellte Vauxhall im November 1922 die Produktion auf ein auf 4,2 Liter verkleinertes Triebwerk namens 'OE' mit hängenden Ventilen um. Gezielte Feinarbeiten führten zu einer Leistungssteigerung auf 115 BHP. Diese Version entstand 313-mal. Ein elektrischer Anlasser kostete £ 50 Aufpreis, während elektrische Beleuchtung, Tachometer, Reserverad, Borduhr und Werkzeug zur Serienausstattung zählten. Bei der Motorhaube hatte man die Wahl zwischen einer Lackierung in Wagenfarbe oder einer Ausführung in poliertem Aluminium. Ab Werk gab es die zweisitzige Tourenwagen-Version Velox und den als Zwei- oder Dreisitzer ausgeführten Wensum mit einem bootsförmigen Heck. Alternativ konnten nackte Fahrgestelle zum Karosseriebauer der eigenen Wahl geschickt werden.

1919 kostete ein nacktes Chassis des Vauxhall 30-98 noch £ 1.125, während Fahrzeuge mit dem Velox-Aufbau £ 1.475 kosteten. Bis 1924 konnte man durch Verbesserungen im Produktionsprozess die Preise auf £ 950 für das Chassis und £ 1.220 für den Velox senken. Bereits mit der frühen Version konnten Privatfahrer im Motorsport einige Erfolge erringen. Eine werksseitige Rennabteilung unterhielt Vauxhall nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr. Mit dem OE-Motor garantierte Vauxhall auch für die Straßenversion eine Höchstgeschwindigkeit von 100 mph (161 km/h) - erstmalig für einen britischen Hersteller. Letzte Exemplare des 30-98 entstanden 1927 mit einer besser ausgewuchteten Kurbelwelle und 120 BHP.

In der Vauxhall Collection steht ein 30-98 mit Velox-Karosserie im Farbton 'Primrose Yellow'. Dieser Wagen stammt aus der zweiten Bauserie mit dem OE-Motor. Allein in den letzten 12 Jahren legte dieser Oldtimer im Rahmen von Presseveranstaltungen mehr als 25.000 Meilen zurück. Weltweit existieren vermutlich noch rund 170 Fahrzeuge des Typs 30-98.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Vauxhall