Ein Simca aus der Ford-Entwicklung

Simca Vedette Regence

Auto 23.03.2020
Simca Vedette Regence

Von 1916 bis 1954 fertigte Ford mit einer eigenen Tochterfirma Autos in Frankreich. Zuletzt firmierte man dabei unter dem Kürzel Ford SAF (Société Anonyme Française). Was erfolgreich mit Model T und Model A begann entwickelte sich spätestens durch den Zweiten Weltkrieg zu einem Verlustgeschäft für den amerikanischen Mutterkonzern und so begann man ab Anfang der 1950er Jahre nach einem Käufer für diese Tochtermarke zu suchen. Zeitgleich dachte der französische Autobauer Simca darüber nach, seine Fertigungsstätten zu erweitern. So führte eins zum anderen und 1954 erfolgte die Übernahme der Produktionshallen in Poissy bei Paris. Zusätzlich erhielt man Zugriff auf die von Ford neu entwickelte zweite Modellgeneration der Ford Vedette, die nun als Simca Vedette auf den Markt kam. In einigen Exportländern wie den Niederlanden oder Deutschland blieb es aus vertraglichen Gründen vorübergehend beim Ford-Logo und auch die Weltpremiere fand auf dem Stand von Ford Frankreich während des Pariser Autosalons 1954 statt. Da die Übergabe der Firma für den 1. Dezember des gleichen Jahres anvisiert war, trugen die während der Automesse ausgegebenen Prospekte nur auf der Rückseite in kleiner Schrift den Namen 'Ford' und blieben sonst ohne Logos und Markennamen. Auf dem Brüsseler Autosalon 1955 stand die Vedette als Ausstellungsstück beim belgischen Ford-Importeur. Simca erhöhte derweil die tägliche Produktion von 150 auf bis zu 250 Autos.

Mit der Oberklasselimousine Vedette erfüllte sich Simca nicht nur den Wunsch nach mehr Produktionskapazitäten, sondern zugleich auch den nach einem größeren Modell oberhalb der erfolgreichen Aronde. Designtechnisch übernahm der Viertürer viele Details von amerikanischen Straßenkreuzern der gleichen Ära. Noch war dort zwar nicht die Zeit gigantischer Heckflossen angebrochen, doch Chromschmuck und eher barocke Formen gab es zur Genüge. Kunden konnten zwischen ein- oder zweifarbigen Lackierungen wählen. Zudem gab es unterschiedliche Ausstattungsvarianten, die wie beim Aronde Zusatznamen erhielten. Den Einstieg bildete die Vedette Trianon, darüber kam die Vedette Versailles und das Topmodell Vedette Regence (je nach Quelle auch 'Régence' geschrieben). Gegen Aufpreis gab es für alle Versionen ein großes Glasschiebedach namens 'Vistadome'. Ab 1956 bot Simca zusätzlich die Vedette als Kombiversion namens Marly an.

Unter der langen Motorhaube des Simca Vedette saß ein V8-Triebwerk mit 2.351 Kubikzentimetern Hubraum. Dieser stammte direkt vom Ford-Flathead-Seitenventil-Triebwerk ab und fiel in Frankreich in die Steuerklasse '13 CV'. Mit 56 kW/76 PS gehörte dieser Antrieb nicht zu den leistungsstärksten auf dem Markt. Entsprechend reichten die Trommelbremsen rundherum für gute Verzögerungswerte aus. Für die Kraftübertragung auf die Hinterachse sorgte ein manuelles Dreigang-Getriebe mit Schalthebel an der Lenksäule. Ab 1957 bot Simca alternativ die automatisierte Gravina-Kupplung an. Zudem erhielten die Fahrzeuge verbesserte Bremsen und eine direktere Lenkung. Während hinten eine Starrachse arbeitete, saßen die Vorderräder an MacPherson-Federbeinen. Bevor es 1958 zu einem umfangreichen Facelift kam, das von Simca selbst als zweite Modellgeneration bezeichnet wurde, liefen insgesamt 105.150 Exemplare der Vedette vom Band.

Eine 1956er Vedette Regence kommt bei Artcurial voraussichtlich am 2. Mai unter den Hammer. Sie stammt aus der Autosammlung von André Trigano und hatte vor ihm erst zwei Vorbesitzer. 1983 kaufte er diese zweifarbige Limousine, nachdem der Zweitbesitzer sie seit 1958 gehegt und gepflegt hatte. Das private Museumsteam von André Trigano führte eine vorsichtige Restaurierung inklusive Neulackierung durch. Auch das V8-Triebwerk erhielt eine technische Auffrischung. Nach den durchgeführten Arbeiten stand die Vedette in der Privatsammlung und wurde nur wenig bewegt. Daher sind vor einer neuerlichen Inbetriebnahme diverse kleinere Arbeiten notwendig. Artcurial erwartet einen Zuschlagspreis zwischen 10.000 und 15.000 €, bietet den Simca allerdings ohne Mindestpreis an. Eine gute Möglichkeit, ein Oberklasseauto zum Schnäppchenpreis zu ergattern.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Artcurial, Peter Singhof