Bei RM Sotheby's in Hershey

Rolls-Royce 40/50 hp Silver Ghost

Auto 04.10.2019
Rolls-Royce 40/50 hp Silver Ghost

Rolls-Royce steht für hochwertigste Luxusfahrzeuge. Diesen Ruf erarbeitete man sich bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit Modellen wie dem 40/50 hp. Dieser entstand ab 1906 in verschiedenen Ausführungen und mit unterschiedlichen Radständen. Das sechstgebaute Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 60551 erhielt vom Karosseriebauer Barker & Co. in London eine spezielle Karosserie im 'Semi-Roi des Belges'-Stil auf Kundenwunsch. Dabei handelte es sich um einen offenen Tourenwagenaufbau mit leicht erhöht angebrachtem Fond. Neben einer komplett silbernen Lackierung erhielt dieses Auto zusätzlich versilberte Lampengehäuse und Beschläge anstelle der üblichen Messingbauteile. Dies und der seidenweiche, ruhige Lauf des sieben Liter großen Reihensechszylindertriebwerks mit anfänglich 35 kW/48 PS führten für dieses Fahrzeug sehr schnell zum Spitznamen 'Silver Ghost', der sowohl von Besitzern als auch von Auto-Enthusiasten schnell als Name für die gesamte Baureihe aufgenommen wurde und schließlich auch von Rolls-Royce selbst Akzeptanz fand. Mehr noch, begründete dieser Spitzname doch letztlich die Bezeichnungen diverser Nachkriegsmodelle wie Silver Spirit, Silver Spur oder Silver Dawn.

Neben dem Beinamen Silver Ghost gab es innerhalb der Baureihe 40/50 hp auch noch den Alpine Eagle. Diesen fertigte Rolls-Royce ursprünglich als Einzelstück mit deutlich verlängerten hinteren Blattfedern und einem von 120 auf 121 Millimeter erhöhten Hub pro Zylinder für den Einsatz bei einem Bergrennen in den Alpen. Hierfür nahm man auch die Motorleistung von 48 kW/65 PS auf 40 kW/55 PS zurück. Durch die erfolgreiche Überquerung diverser Alpenpässe wurde der britische Wagen bald bekannt, woraufhin einige Kunden weitere Exemplare des Alpine Eagle bestellten. Im Laufe der Baujahre steigerte man die Motorleistung der normalen Modelle auf bis zu 55 kW/75 PS. 1913 ersetzte ein manuelles Viergang-Getriebe die vorherige Dreigang-Schaltung, ein Jahr später gab es erstmals elektrische Scheinwerfer als kostenpflichtiges Extra. Erst 1919 nahm Rolls-Royce sie in die Serienausstattung auf. Für das britische Militär entstanden auf der Basis des 40/50 hp Silver Ghost einige gepanzerte 'Armoured Cars', die zum Teil auch noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurden. Während der Silver Ghost vor dem Krieg eines der fortschrittlichsten Fahrzeuge war, lag man nach Kriegsende hinter neueren Konstruktionen deutlich zurück und entwickelte daher für 1925 als Nachfolgemodell den Phantom I.

RM Sotheby's bietet am 10. und 11. Oktober in Hershey neben diversen anderen Fahrzeugen auch einen Rolls-Royce 40/50 hp Silver Ghost an. Dieses Exemplar entstand 1911 mit einer Landaulet-Karosserie von Thrupp & Maberly und stand als Ausstellungsstück auf dem Stand der Firma bei der Olympia Motor Show. Im Anschluss kaufte Joseph Martin, besser bekannt als 'Fighting Joe', ein kanadischer Politiker und 13. Premier von British Columbia, der nach seiner aktiven Zeit nach Großbritannien ausgewandert war, diesen Wagen. 1920 erfolgte bei Barker & Co. eine Überarbeitung des Wagens mit einem neuen Karosserieaufbau im Stil eines zweisitzigen Drophead Coupé mit herausnehmbaren Türpfosten, einer umklappbaren Windschutzscheibe und einer Motorhaube aus poliertem Edelstahl. Anschließend nahm 'Fighting Joe' den Wagen zurück mit nach British Columbia und verkaufte ihn schließlich an R.V. Winch in Vancouver. Als weitere Besitzer folgten Colonel Victor Spencer (Vancouver, 1933), Robert Wilton (Washington State, 1949), John P. Wallerich (Tacoma, 1959) und schließlich 1989 jener Sammler, der den Wagen jetzt zur Versteigerung anbietet.

Im Gegensatz zu diversen anderen Silver Ghost behielt dieser Wagen seinen Aufbau ab diesem Zeitpunkt bis heute und trägt bis heute seinen originalen Motor. Durch eine umfangreiche Restaurierung in den 1990ern erhielten Karosserie, Kotflügel und Räder eine Umlackierung von Schwarz auf Hellelfenbein, während das Interieur neu rot beledert wurde. Seither hat das Fahrzeug einige Meilen und ein wenig Patina gesammelt. Dennoch präsentiert es sich in einem sehr guten Zustand. RM Sotheby's erwartet einen Zuschlagspreis zwischen US$ 500.000 und US$ 700.000. Ein zweiter Silver Ghost, der in der gleichen Auktion unter den Hammer kommen wird, soll sogar US$ 750.000 und US$ 850.000 einspielen.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: RM Sotheby's, Jonathan Sierakowski, Fahrzeugbesitzer