Wiederbelebung missglückt

Duesenberg Model D Concept

Auto 23.08.2019
Duesenberg Model D Concept

Kennen Sie Lemgo im Kreis Lippe? Diese Stadt hat den Ortsteil Matorf-Kirchheide, den vermutlich nur Anwohner kennen dürften. Dass jedoch aus genau diesem Dorf rund 25 Kilometer östlich von Bielefeld ein Brüderpaar stammte, das Automobilgeschichte geschrieben hat, ist wirklich nur eingefleischten Autofans bekannt - und jetzt auch unseren Lesern. Friedrich und August Düsenberg wanderten 1885 mit ihrer verwitweten Mutter und vier Geschwistern in die USA nach Iowa aus. Dort tauschte man recht bald den Umlaut im Nachnamen für die englische Schreibweise in ein 'ue' ein. Aus Friedrich wurde Frederick, Fred oder Fritz, August ließ sich vereinfacht Augie rufen. Ab 1897 stellten die Brüder Fahrräder her und machten dabei auch erste Erfahrungen mit motorisierten Zweirädern und dem Tuning von Automobilen. Nach der Insolvenz des eigenen Unternehmens arbeiteten die beiden einige Jahre für die Mason Motor Company und gründeten schließlich 1913 in St. Paul/Minnesota die Duesenberg Motor Company. Vor und während des Ersten Weltkrieges konstruierte und produzierte diese Firma ausschließlich Motoren, unter anderem für Flugzeuge und Boote. Erst danach entstanden eigenständige Automobile, die man auch im Motorsport einsetzte. Bei den Indy 500 1920 erzielte ein Duesenberg einen neuen Weltrekord mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 251 km/h über eine Runde und im Jahr darauf gewann ein weiteres Fahrzeug den Großen Preis von Frankreich in Le Mans.

Ab 1926 gehörte Duesenberg dem Unternehmenskonzern von Errett Lobban Cord, dem zusätzlich auch die Automarken Cord und Auburn angehörten. Duesenberg wurde dabei gezielt an der Spitze dieses Trios platziert und entsprechend luxuriöse Automobile entwickelt. Der Model J mit einem 6,9 Liter großen Reihenachtzylindermotor und 265 PS ab 1929 sowie der drei Jahre danach präsentierte Nachfolger Model SJ mit Kompressoraufladung und 320 PS fanden schnell Einzug in die Garagen von Musikern, Schauspielern, Monarchen und anderen VIPs. Dabei war jedes Fahrzeug ein individuelles Unikat, da die Aufbauten bei Karosseriebauern nach Kundenwünschen entstanden. Erst ab 1930 gab es unter dem fiktiven Firmennamen LaGrande auch Karosserien ab Werk. Nach dem Tod von Fred Duesenberg 1932 fehlte dem Unternehmen der geniale Konstrukteur, wodurch der Ruf ebenso schlechter wurde, wie durch den allgemein einsetzenden Trend zu selbsttragenden Karosserien aus eigener Fertigung, den das Unternehmen Cord schlicht verschlief. 1937 schlitterte der Konzern in die Insolvenz und riss damit auch Auburn und Duesenberg ins Aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg probierte sich Augie Duesenberg 1947 an einer Wiederbelebung der Automarke, die aber aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung nie zustande kam. Stattdessen gründete sein Sohn Fred Duesenberg (Neffe von Friedrich 'Fred' Duesenberg, dem Gründer der ursprünglichen Firma) 1964 zusammen mit einigen amerikanischen Geldgebern die Duesenberg Corporation. Vom bekannten Automobildesigner Virgil Exner ließ man eine luxuriöse Limousine gestalten, die letztlich nicht in Serie ging, da auch diesem Unternehmen das Geld ausging. 1976 versuchten die Großneffen von Fred und Augie, Harlan und Kenneth Duesenberg mit ihrer Firma 'New Duesenberg Brothers Company' mit Sitz in Chicago erneut einen Ausflug in die Welt der Automobilfabrikanten. Allerdings stellten sie lediglich einige wenige Exemplare ihres Model E auf Basis eines nur mäßig modifizierten Cadillac Fleetwood her.

Die gerade erwähnte Limousine der Duesenberg Corporation, die 1966 als Duesenberg Model D debütierte und ihr Design keinem geringeren als Virgil Exner zu verdanken hat, ist an dieser Stelle unser Thema. Exner hatte dieses Repräsentationsfahrzeug bereits 1964 gezeichnet und im Magazin Esquire veröffentlich, wo er zuvor bereits moderne Entwürfe zur Wiederbelebung von Mercer, Pierce-Arrow und Packhard gezeigt hatte. Er wählte bewusst das damals aktuelle 'Revival'-Styling, bei dem Gestaltungsmerkmale der Vorkriegszeit aufgegriffen wurden. So zeigt der Model D weit nach hinten ausgeschnittene Radhäuser, deren Form an die ausladenden Kotflügel der 20er und 30er Jahre erinnert. 1965 kaufte die Duesenberg Corporation die Pläne des Model D von Exner und ließ bei Ghia in Italien einen fahrbaren Prototypen anfertigen. Dieser stand im Frühjahr 1966 auf seinen Rädern und wurde in ganzseitigen Anzeigekampagnen in den USA beworben, um möglichst viel Interesse zu generieren. Dabei wies man darauf hin, dass im Kaufpreis von 19.500 US-Dollar (dem damals höchsten Preis für ein Auto auf dem amerikanischen Markt) bereits jedes erdenkliche Extra an Bord verbaut seie und es daher keine Optionsliste geben würde. Tatsächlich erhielt der Prototyp eine Klimaanlage, ein AM-/FM-Autoradio, ausklappbare Tische und eine zusätzliche Instrumentierung im Fond. Trotz eingehender Bestellungen von Stars wie Jerry Lewis und Elvis Presley kam es jedoch nie zu einer Serienfertigung, da dem Unternehmen das Geld ausging. Nicht einmal die je 500 Dollar Händlerprovision pro unterschriebenem Kaufvertrag konnte man auszahlen, weshalb schließlich ein derart verprellter Händler den einzig existierenden Prototypen pfänden und versteigern ließ.

So gelangte der Model D, der technisch auf der Plattform eines 1966er Imperial mit einem 7,2 Liter großen V8-Motor basiert, erstmals in Privatbesitz. Zu einem späteren Zeitpunkt gelangte der Wagen ins Auburn Cord Duesenberg Museum, wo er für fast 30 Jahre ausgestellt war. Anschließend wechselte er in die Sammlung von Concept Cars, die in der Bortz Auto Collection zu finden ist. Bis heute stehen lediglich rund 800 Meilen Laufleistung auf den funktionierenden Instrumenten. Außen trägt der Model D seinen originalen Lack im Farbton Kastanienbraun, abgesehen von einem nachlackierten Kotflügel vorne rechts, und innen das von Ghia verbaute Leder- und Kaschmir-Interieur. Nun bietet RM Sotheby's dieses Einzelstück bei einer Auktion in Auburn Fall an und erwartet dabei einen Zuschlagspreis zwischen US$ 300.000 und US$ 350.000 (zwischen 270.900,- und 316.050,- €).

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: RM Sotheby's, Keith Treder