Buntes Programm am Wasserschloss

Classic Days Schloss Dyck 2019

Veranstaltungen & Events 05.08.2019
Classic Days Schloss Dyck 2019

Bereits seit 2006 finden rund um das Schloss Dyck im Rheinkreis Neuss bei Düsseldorf in jährlichem Turnus die Classic Days statt. Aufgrund des bunten Programms inklusive fahrender Rennwagen, Motorräder und Oldtimer auf einem eigenen Rundkurs gilt diese Veranstaltung unter Autofans längst als das 'deutsche Goodwood'. Nicht ohne Grund läuft man auf dem Weg zum Eingang bereits an einem eigens aufgestellten Ortsschild vorbei, auf dem die Classic Days beginnen und der Alltag ('Real World') endet. Auf den weitläufigen Arealen des Wasserschlosses findet sich für so gut wie jede Interessensgruppe mindestens ein passendes Auto. Zudem stellen inzwischen auch zahlreiche Hersteller Fahrzeuge aus ihren Klassikerabteilungen aus. Zu den Vertretern der ersten Stunde zählt dabei der Volkswagen Konzern, der inzwischen seine Ausstellungsstände komplett auf der sogenannten 'Pflaumenwiese' gebündelt hat. Dort fanden die Besucher diesmal das Thema Rekorde, repräsentiert durch den W12 Nardo, das Thema 'Volkswagen do Brasil' beim Stand der Autostadt mit drei VWs aus brasilianischer Produktion sowie dem Gurgel Xavante X-12 TR auf Basis eines Käfer-Fahrgestells und zudem diverse Klassiker der weiteren Konzernmarken bis hin zu einem kaum gefahrenen und dennoch bereits als Gebrauchtwagen angebotenen Bugatti Chiron.

Nur wenige Schritte entfernt zeigte Jaguar Land Rover neben diversen Limousinen des nun 60 Jahre alten Mark II auch Vertreter des seit 30 Jahren gefertigten Land Rover Discovery inklusive eines für den TV-Koch Jamie Oliver umgebauten Fahrzeugs mit Grill- und Garzubehör. Mercedes-Benz konzentrierte sich auf 125 Jahre Motorsporthistorie und präsentierte hierzu neben einem 190 SLR, einem 500 SL aus der Rallye-Weltmeisterschaft und einem 190 E Evo II Tourenwagen auch einen CLK GTR aus der FIA-GT-Meisterschaft von 1998. Auf dem zentralen Bereich der 'Apfelwiese' standen historische Transporter mit ihren aufgemalten Werbungen und klassische Renntransporter im Mittelpunkt. Zudem dienen die Randbereiche von 'Pflaumenwiese' und 'Apfelwiese' sowie der gegenüberliegende Außenbereich der 'Cherry Lane' privaten Oldtimerbesitzern als Picknickzone. Auf mitgebrachten Campingstühlen, Decken oder den vom Veranstalter verteilten Strohballen werden allerlei Leckereien verspeist, während man dem bunten Treiben zusieht.

Über eine extra für die Classic Days errichtete Fußgängerbrücke können die Zuschauer den Rundkurs überqueren und die eben bereits erwähnte 'Cherry Lane' im Infield erreichen. Dort hat in den vergangenen Jahren vor allem Ford einen guten Platz gefunden, um die zahlreichen Fahrzeuge zu zeigen, mit denen Journalisten am Samstag und Sonntag vom Werk in Köln zu den Classic Days fahren dürfen. In diesem Jahr konzentrierte man sich auf das fünfzigste Jubiläum des legendären Capri und zeigte diesen gemeinsam mit dem entsprechenden Modellclub in ungewohnter Vielfalt. Vom Basismotor bis zum RS oder May-Turbo war alles vorhanden - selbst zwei nachträglich zum Cabrio umgebaute Autos. Zusätzlich diente die 'Cherry Lane' als Basis für die Blues Brothers, den SLS Club, den deutschen Maserati Club, den Aston Martin Owner's Club aus Großbritannien und das Auktionshaus Coys of Kensington. Coys veranstaltet im Rahmen der Classic Days eine große Auktion. In diesem Jahr kamen unter anderem diverse Alltagsklassiker unter den Hammer. Aber auch besondere Exoten wie das Projekt Beradino von Johannes P. Paulussen oder ein Maserati Quattroporte mit Umbau zum Löschfahrzeug wurden versteigert. Am oberen Ende der Preisskala lagen im Vorfeld Fahrzeuge wie ein von Sbarro umgebauter Ferrari, ein von Sbarro umgebauter Isdera Imperator 108i und zwei Jaguar XJ220. Ergebnisse standen zum Zeitpunkt unseres Artikels noch nicht fest.

Zurück auf der Außenseite der Rundstrecke kann man zu Fuß ins 'Neue Fahrerlager' gehen, um die verschiedenen Rennwagen und Motorräder näher in Augenschein zu nehmen, die den Kurs in regelmäßigen Abständen entsprechend des Zeitplans unter die Räder nehmen. Die Teilnehmer parken vor und nach den Fahrten in großen Zelten. Neben klassischen Tourenwagen und zwei Exemplaren des nun 50 Jahre alten Porsche 917 sorgte vor allem der Stand der AutoStadt aus Wolfsburg für Menschenaufläufe. Unter dem Motto 'Past, Present & Future' zeigte man den Bugatti Chiron Sport (mit seinem Verbrennungsmotor angeblich Teil der Vergangenheit), Porsche 918 Spyder (Hybrid = Gegenwart) und den von Dieter Depping gesteuerten Volkswagen ID.R (Elektroantrieb = Zukunft?) in Bewegung. Ob man sich mit dieser Darstellung wirklich einen Gefallen getan hat, bleibt in den kommenden Jahren abzuwarten. Wohltuende Motorenmusik kam auf der Strecke auch vom V12-Triebwerk des Alfa Romeo Tipo 33 TT12 oder dem vom siebenmaligen Deutschen Rallyemeister Matthias Kahle kunstvoll bewegten Škoda 130 RS.

Auch Formel-Rennfahrzeuge und klassische Motorräder begeisterten die Fans entlang der Strecke. In den diversen Autos saßen dabei mitunter auch sehr bekannte Fahrer. So holte Alfa Romeo erneut Arturo Merzario nach Dyck, jenen Rennfahrer, der einst Niki Lauda am Nürburgring aus dem brennenden Ferrari zog und der heute vor allem durch seinen riesigen Hut auffällt. Hans-Joachim Stuck ließ es sich nicht nehmen und nahm unter anderem hinter dem Lenkrad des Bugatti Chiron Sport Platz. Farbenfroh, wenn auch nicht bunt, zeigte sich der Sonderlauf '72Stagpower', hinter dem sich klassische Rennfahrzeuge im Sponsorenkleid der Spiritousenmarke Jägermeister verbergen.

Im Bereich des 'Japan Garten' und der 'Gartenpraxis' von Schloss Dyck fühlen sich seit einigen Jahren historische Campingmobile im Rahmen der Classic Days heimisch. Dabei ist es unerheblich, ob es alte Wohnwagen oder zum Camper umgebaute Nutzfahrzeuge sind. Nur wenige Meter weiter fanden sich weitere klassische Werbemobile ein, die einst von verschiedensten Firmen in ihren Hausfarben lackiert und mit Schriftzügen versehen wurden. Auch Aston Martin stellte hier einige Sportwagen aus, wobei speziell der DBS Superleggera in der OHMSS Edition (On Her Majesty's Secret Service) ins Auge fiel. Mit diesem Sondermodell erinnert man an jenen DBS, den der Film-Agent James Bond 1969 im gleichnamigen Kinofilm (deutsch: 'Im Geheimdienst Ihrer Majestät') fuhr.

Derweil stand die 'Orangerie-Halbinsel' wie stets im Mittelpunkt der hochwertigsten Autos, die bei diesem Event gezeigt werden. Unter dem Titel 'Masterpieces' fand an dieser Stelle früher ein Concours d'Elegance der FIVA statt. Inzwischen ist dieser eine eigenständige Veranstaltung, der einige Wochen vor den Classic Days stattfindet. Stattdessen zeigt man nun gemeinsam mit der Uhrenmarke A. Lange & Söhne diverse weitere Klassiker aus diversen Jahrzehnten. Dazu zählten diesmal unter anderem ein Mercedes-Benz 320 mit Wendler-Karosserie, der einmalige Alfa Romeo 6C 2300 Aerospider mit Mittelmotor und zentralem Sitzplatz oder gleich zwei sehr frühe Porsche 356 aus der Pre-A-Serie.

Ein Fiat 2300 S mit Coupé-Karosserie von Michelotti sorgte für weiteres Aufsehen. Dieses Einzelstück entstand für den Genfer Autosalon 1966, um die Serienchancen abzuklopfen. Letztlich gab es keine und Michelotti verkaufte den Wagen an einen Sammler. Weitere interessante Fahrzeuge von Ferrari, Facel Vega, Lancia, Aston Martin, Lamborghini, Lea Francis und Maserati füllten die Wiesen der Halbinsel bestens aus. Hinzu kamen seltene Alfa Romeo mit Karosserien von Pinin Farina und Zagato.

Das benachbarte Schloss mit seinen beiden Innenhöfen diente wie immer als 'Altes Fahrerlager', in dem hauptsächlich, aber nicht ausschließlich Vorkriegsautos untergebracht sind. Hier fanden sich der schwarze Amilcar CGGS, der passend zur auflackierten Nummer 6 auch bei den Schloss Dyck Classic Days die Startnummer 6 erhielt, ein dunkelgrünes Mercedes-Benz 290 Cabriolet B oder der riesige Protos Typ C von 1920. Als besonderen Programmpunkt luden die Organisatoren die Truppe 'Mystery Motion Steam Punk' ein, die mit eigens konstruierten Hochrädern im Stil klassischer Fahrzeuge des 19. Jahrhunderts und entsprechend fantasievollen Outfits Begeisterung auslösten.

Bleibt noch der Bereich für Clubs und private Besucher mit ihren Oldtimern, das sogenannte 'Dycker Feld'. Hier bieten die Classic Days Parkplätze für bis zu 7.500 Oldtimer und Exoten, die Jahr für Jahr gut genutzt werden. Von Marken- und Modellclubs für Fahrzeuge von Austin, Jaguar, Fiat, Mercedes-Benz, Morgan, Porsche, Wiesmann, Ford, Lotus, BMW, MG, Volkswagen, Alpina, Bentley oder Corvette geht es hier bis zu diversen selten gesehenen Raritäten. So fanden sich am Samstag beispielsweise zwei Lancia Stratos, zwei Alfa Romeo RZ oder ein Lamborghini Espada auf dem 'Dycker Feld'. Weniger Wert aber nicht weniger selten ist der Toyota Crown aus der Serie S60 von 1971 bis 1974. Wie bereits beschrieben fand sich also für jeden Autofan mindestens ein Fahrzeug nach Wunsch, das man näher sich näher beschauen und mit ein wenig Glück auch mit dem Besitzer ins Gespräch kommen konnte. Umso schwerer fiel es dann natürlich, anschließend auf dem Weg zurück zum eigenen Auto wieder in die 'Real World' zurückzukehren. Wir freuen uns schon auf die Classic Days im kommenden Jahr.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Katrin Pitsch, Matthias Kierse