Einer von fünf mit Franay-Karosserie

Bentley R-Type Continental Fastback

Auto 06.09.2019
Bentley R-Type Continental Fastback

Anfang der 1950er Jahre begann bei Bentley die Entwicklung der stärkeren und schnelleren Continental-Variante auf Basis des R-Type. Diese Modellreihe war das finale eigenständige Modell nach der Übernahme durch Rolls-Royce. Alle Nachfolger bis zur Trennung beider Marken Ende der 1990er Jahre waren baugleiche Varianten der entsprechenden RR-Modelle. Nach nur sieben Monaten Entwicklungszeit stellte man den ersten fahrfähigen Prototyp auf die Räder, der intern aufgrund seiner britischen Nummernschilder 'OLG490' den Spitznamen 'OLGA' erhielt. Olga diente für diverse Fahrversuche, unter anderem auch auf dem Autodrome de Linas-Montlhéry in Frankreich, wo eine Spitzengeschwindigkeit von 192 km/h auf Rennreifen von Dunlop erreicht wurde. Diese nutzte Bentley trotzdem gern für Werbezwecke. In der Serienversion konnte der anfänglich 4,5 Liter große Reihensechszylindermotor diese Angaben jedoch nicht ganz erfüllen. Ab Mitte 1954 erhöhte man den Hubraum auf 4,9 Liter, wodurch die stets auf Anfrage nur mit 'ausreichend' angegebene Leistung auf rund 170 PS anstieg. Zusätzlich führte man mit diesem größeren Triebwerk optional eine Automatik anstelle des serienmäßigen Viergang-Schaltgetriebes ein.

Vom normalen R-Type übernahm der Continental den klassischen Leiterrahmen, erhielt dann jedoch eine Karosserie mit Stahlstruktur und Aluminiumbeplankung, die üblicherweise beim damals noch eigenständigen Betrieb von H.J. Mulliner entstand. Mit ihrer Pontonform und der Fließheckform unterschied sie sich deutlich vom R-Type. Optisch orientierte man sich dabei an Konkurrenten wie dem Cadillac 62 Coupé oder dem bei Facel in Frankreich 17-mal umgebauten und von Pininfarina gestalteten Bentley Mark VI Cresta. Die hinteren Räder in den rundlich betonten Kotflügeln erhielten je nach Kundenwunsch Abdeckungen, um die Aerodynamik zu verbessern. Erst ab 1954 konnten die Kunden den R-Type Continental auch als reines Fahrgestell ordern und zum Karosseriebauer nach Wahl schicken lassen. So entstanden fünf Coupés und ein Cabriolet bei Park Ward, drei Fahrzeuge bei Graber in der Schweiz und je ein Unikat bei Pininfarina und James Young. Hinzu kamen fünf Autos des Karosseriebauunternehmens Franay aus Paris. Insgesamt entstanden lediglich 207 Exemplare des Bentley R-Type Continental, bevor es in Crewe mit dem S-Type weiterging.

Der Schweizer Klassikerhändler Kidston SA unter Leitung von Simon Kidston bietet aktuell eines der fünf Franay-Exemplare zum Verkauf an. Fahrgestellnummer BC51LC wurde am 21. Dezember 1953 auf der SS Deal in Richtung Frankreich verschifft und dort nach Paris zu Franay transportiert. Der Aufbau der Karosserie inklusive der bestellten Sonderausstattung (Autoradio, Lenkrad links und Verlegung des Schalthebels vom Lenkstock auf den Mitteltunnel) dauerte rund fünf Monate. Optisch gleicht das Fastback-Coupé deutlich den Mulliner-Entwürfen, wobei die hinteren Kotflügel weiter ausgestellt sind und  entstand lediglich dreimal, davon zweimal mit Linkslenkung. Anschließend konnte der Bentley durch den französischen Importeur Franco Britannic Automobiles Ltd., an den Erstbesitzer, Textilmagnat Edouard Vandendriessche aus St. Quentin, geliefert werden. Er behielt den Continental neun Jahre lang und verkaufte ihn dann über Franco Britannic an den Pariser Oberschullehrer Farnham Rehfisch. Nach nur drei Monaten verkaufte er das Auto an den Mediziner Pierre Mauranges im Pariser Vorort St. Cloud. 1965 exportierte der Bentley-Fan D.J. Smith das Fahrzeug in die USA und behielt es für die folgenden 12 Jahre.

Es folgten der Profigolfer Gene 'The Machine' Littler und weitere Besitzer entlang der US-Westküste und in Illinois, bevor das Auto vor wenigen Jahren beim Expertenbetrieb Vantage Motorworks eine Restaurierung der Mechanik erhielt. Getriebe, Motorblock, Achsen und Kupplung wurden dabei überholt. Zudem verbaute man einen größeren Zylinderkopf von einem späten Bentley S1 und SU-Doppelvergaser. Nach den durchgeführten Arbeiten stellte man den Continental Fastback 2012 beim Amelia Island Concours d'Elegance aus. Der heutige Besitzer, der den Wagen nun über Kidston SA zum Verkauf anbietet, kaufte ihn seinerseits 2017. Zum Auto gehören alle originalen Bordbücher, das Werkzeug, eine Dokumentation über die Mechanik-Restaurierung, alle zurückliegenden Werkstattrechnungen und der seltene 'Continental Overseas Touring Spares Kit', eine Kiste voller Ersatz- und Verschleißteile. Den Kaufpreis verrät der Händler interessierten Kunden auf Anfrage.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Kidston SA