Designaspekte von Bill Pack

Automotive Art 6 - Fiat Dino Spider

Lifestyle 28.06.2019
Automotive Art 6 - Fiat Dino Spider

Mit dem offenen Fiat Dino Spider heißen wir Sie herzlich willkommen zu einem neuen Teil unserer monatlichen Automotive Art Sektion mit Fotograf und Lichtkünstler Bill Pack. Er rückt das Design von Oldtimern in besonderem Maße in Szene und erklärt seine Interpretation der Styling-Ideen mit einigen interessanten Bildern, die er in seinem eigenen Stil aufgenommen hat.

In den Kopf des Designers - von Bill Pack
Es ist einfach, viele Fakten und Informationen über jeden Automobil-Designer zu erfahren. So lässt sich schnell herausfinden, für welche Firmen sie im Laufe der Zeit gearbeitet haben, welche Automodelle sie entworfen haben und welche Innovationen sie in die Branche gebracht haben. Wir wissen also viel von ihnen, aber wir kennen sie nicht. Mit meinen Bildern versuche ich, in die Seele und den Geist des jeweiligen Designers zu gelangen. Ich konzentriere mich auf bestimmte Teile des Autos und verwende meine Beleuchtungstechnik, um die emotionalen Linienführungen des Designers hervorzuheben.

Fiat Dino Spider - Gezeichnet von Sergio Pininfarina
Dynastie - Eine Dynastie ist eine Familie mit wichtigen Mitgliedern über zwei oder mehr Generationen, die in einem bestimmten Feld aktiv sind, beispielsweise in einem Unternehmen oder in der Politik. Der Name Pininfarina verkörpert all das und mehr.

Sergio Farina wurde am 8. September 1926 in Turin, Italien, geboren. Sein Vater Battista 'Pinin' Farina begründete 1930 seine kleine Firma die später zu Weltruhm gelangte und in Pininfarina umbenannt wurde. Es gibt zwei Versionen der Geschichte, wie es zum Namen Pininfarina kam. Die erste spielt im Jahr 1961 und besagt, dass der damalige italienische Präsident Giovanni Gronchi per Dekret verkündete, dass der Firmen- und Familienname offiziell auf Pininfarina geändert würde. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma bereits weltberühmt und der Bruder von Pinin führte ebenfalls ein Unternehmen namens Farina. Die Politik wollte also Verwechselungen ausschließen.

Die zweite Version der Geschichte beginnt damit, dass Pinin begann, Autos für Ferrari zu gestalten und dabei seinen Spitznamen 'Pinin Farina' als Schriftzug auf der Seite der Fahrzeuge anbrachte. Als Perfektionist konnte Pinin es nicht mit ansehen, wie die Mitarbeiter am Produktionsband die beiden Namen of nicht auf gleicher Höhe oder schief nebeneinander anbrachten. Daher entschied er sich, beide Namen zu einem zu kombinieren. Kurz darauf wurden Sergio und seine Geschwister nach Rom beordert, ohne zu wissen warum. Dort mussten sie sich neu registrieren lassen und ihren Nachnamen von Farina auf Pininfarina ändern. Wäre dies nicht passiert, würde man ihn bis heute als Sergio Farina kennen.

Egal, wie es wirklich abgelaufen ist, Sergio's Design übersteht die Zeit unbeeindruckt. Wenn eine Dynastie auf Kunst und Design aufbaut, nicht zuletzt aber auch auf Geschäftstüchtigkeit, ist es selten, dass die zweite Generation die Last der Verantwortung so begnadet übernimmt wie Sergio es tat. Seine Entwürfe reflektieren seine Begabund und sein Auge für Details.

1986 sagte Sergio über sein Automobildesign: "Die wichtigsten Elemente von klassischem Autodesign sind eine pure Linienführung und die Harmonie der Proportionen. Das sind Elemente, die erhalten bleiben, und die, wenn sie gut gemacht sind, gut für alle Zeiten sind." Ein Auge für gutes Design hat man oder eben nicht. Man kann es nicht erlernen. Unabhängig vom berühmten Namen und dem ikonischen Vater hatte Sergio eine besondere Begabung, die den Test der Zeit mühelos bestanden hat.

Als Sergio am 3. Juli 2012 verstarb, schrieb Ed Welburn, Global Vice President der GM Designabteilung, über ihn: "Das Werk von Sergio Pininfarina war die Reflektion seiner Persönlichkeit: frisch, zeitgemäß und raffiniert. Nur Sergio konnte ein Auto so zeichnen, dass zugleich mutig, kraftvoll und elegant wirkte. Seine Entwürfe haben uns alle beeinflusst und ich danke ihm dafür."

Nun können Sie, liebe Leser, die Bilder eines 1967er Fiat Dino Spider in Augenschein nehmen. Dieses Auto wurde genutzt, um einen ganz besonderen Ferrari zu homologieren. Sein Styling lässt uns die Persönlichkeit Sergio PininFarina erkennen.

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Bilder von Bill Pack

Fiat Dino Spider - Details - von Matthias Kierse
Vielen Autofans ist der Name Dino heute nur von den Sechszylinder-Sportwagen aus dem Hause Ferrari bekannt. Allerdings übersehen sie dabei nicht nur die späteren 308 GT4 mit V8-Triebwerken und die Formel-Rennwagen, deretwegen der V6 ursprünglich entwickelt wurde, sondern auch die weitere Verwendung dieser Motoren. Einige wissen noch, dass der V6-Saugmotor seinen Weg auch ins Heck des Lancia Stratos fand und dort zu Rallye-Ehren kam. Komischerweise sind der Fiat Dino Spider und das parallel angebotene Coupé jedoch aus dem kollektiven Gedächtnis beinahe verschwunden. Das wird beiden Modellen nicht gerecht.

Trotz der vergleichsweise geringen Bekanntheit erfreut sich der Fiat Dino Spider speziell in den letzten fünf Jahren einer größer werdenden Beliebtheit. Dies kann man in Deutschland ohne Probleme an den Preisen ablesen, die für gute Exemplare aufgerufen und auch bezahlt werden. Konnte man 2013 noch für etwa 45.000,- € ein gutes Auto erwerben, wird für den gleichen Zustand heute bereits eine Summe von rund 140.000,- € fällig. Da es insgesamt nur 1.583 Spider gab, verwundert der Preis weniger als der rasante Anstieg. 1.163 davon erhielten das zwei Liter große Triebwerk mit 160 PS und wurden bei Fiat in Turin gefertigt. Ab 1969 entschied man sich dazu, den Wagen auf den 2,4 Liter großen Motor mit 180 PS aufzurüsten - und direkt in Maranello zu bauen. Gleichzeitig erfolgte der Wechsel auf eine Hinterachse mit Einzelradaufhängung anstelle der vorherigen Starrachse sowie eine optische Modifikation von Leuchten und Kühlergrill. Gegenüber dem offenen Zweisitzer ist das von Bertone eingekleidete Coupé mit 6.070 gefertigten Exemplaren beinahe Massenware, was sich auch im deutlich günstigeren Preis ausdrückt.

Autor: Matthias Kierse, Bill Pack

Bilder: © Bill Pack

Unsere Artikel von und mit Bill Pack

Falls Sie gern weitere Teile der Automotive Art Sektion oder das Interview, das wir mit Bill Pack geführt haben lesen möchten, folgen Sie bitte dem angefügten Link.