Oberklasse mit Achtzylindermotor

90 Jahre Renault Nervastella

Auto 24.03.2020
90 Jahre Renault Nervastella

Ein Jahr nach dem Reinastella debütierte bei Renault der etwas kleinere Nervastella. Anstelle des mächtigen 7,1-Liter-Triebwerks entwickelten die Franzosen einen neuen Reihenachtzylindermotor mit nur 4,2 Litern Hubraum, aber annähernd gleicher Leistung in Höhe von 100 PS. Bei der Entwicklung dieses Motorblocks wendete man zudem modernere Erkenntnisse an. Während beim Reinastella an einen Vierzylinderblock vorn und hinten je zwei weitere Zylinder angefügt wurden und der Block somit aus mehreren Teilen bestand, ist der Nervastella-Motor mit einem einteiligen, gegossenen Block ausgestattet. Zylinderkopf und Kolben fertigte man ab Ende 1934 aus Aluminium. Bei den Bohrungs- und Hubmaßen verwendete Renault identische Vorgaben, wie bei den zur gleichen Zeit entwickelten Vier- und Sechszylindertriebwerken: 75 mal 120 Millimeter. Im Laufe der Produktion erhöhte man den Hubraum auf 4,8 und schließlich sogar auf 5,4 Liter. Ebenfalls ein Novum war das Viergang-Schaltgetriebe, dessen beiden höchsten Gangstufen bereits über Synchronringe verfügten.

Doch genug zu den technischen Innereien, die diesem Oberklasse-Automobil zugrunde liegen. Auf den anfänglich ausschließlich in einer Länge von 4,8 Metern erhältlichen Fahrgestellen entstanden diverse interessante Aufbauten. Darunter befanden sich Limousinen, deren hintere Türen je nach Kundenwunsch gegenläufig oder in gleicher Richtung wie die vorderen Türen angeschlagen waren. Hinzu kamen Cabriolets, Coupés, Roadster und Pullman-Limousinen. Ab Oktober 1930 gab es zusätzlich eine Radstandverlängerung um 20 Zentimeter. Einige Exemplare traten sogar im Motorsport an, wie die Bilder aus dem Renault-Archiv in unserer Bildergalerie beweisen. Innen bot der Nervastella dabei stets den damals möglichen automobilen Luxus in Form von edlen Stoff- oder Lederbezügen, einem Zigarettenanzünder sowie einem Parfümbehältnis am Armaturenbrett. Über die Fertigungszeit hinweg ließ Renault diverse Modifikationen einfließen, die von außen vor allem an unterschiedliche geformten Stoßstangen, der veränderten Form des Kühlergrills sowie unterschiedlichen Anzahlen der seitlichen Lüftungsöffnungen in der Motorhaube je nach Modelljahr erkennbar waren. 1937 endete die Produktion.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Renault