Drei Karosserievarianten

60 Jahre Taunus 17M P3

Auto 08.06.2020
60 Jahre Taunus 17M P3

Ford Deutschland mit Sitz in Köln ist heutzutage jedem Autofan in Europa ein fester Begriff. Begonnen hatte die Ford Motor Company 1925 in Berlin, dann den Firmensitz jedoch fünf Jahre später nach Köln verlegt, nachdem der dortige Oberbürgermeister Konrad Adenauer sehr für den Standort geworben hatte. 1939 erfolgte die Umbenennung der Ford Motor Company AG in die Ford-Werke AG. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Automobilen ursprünglich von den Alliierten Siegermächten untersagt. Erst 1948 rollten wieder einige Exemplare des 'Buckel'-Taunus aus der Vorkriegszeit vom Band. Als erste Nachkriegskonstruktion debütierte 1952 als Nachfolgemodell der Taunus 12M, der im Volksmund den Spitznamen 'Weltkugel-Taunus' erhielt. Was weniger bekannt ist, ist der Markenname, den alle Modelle aus Kölner Produktion von 1948 bis 1967 nutzten. Anstelle der blauen Ford-Pflaume stand der ausgeschriebene Name 'Taunus' an der Fahrzeugfront, kombiniert mit einem Logo, das sich am Kölner Stadtwappen anlehnte. Selbst den ersten Kleintransporter verkaufte man von 1961 bis 1965 offiziell als Taunus Transit.

Bei den Limousinen stand das 'M' hinter der Zahl für 'Meisterstück' und machte damit den hohen Anspruch deutlich, den die Ford-Mitarbeiter an diese Autos hatten. Aufgrund dieses veränderten Markennamens lassen sich die Modelle nicht miteinander vergleichen. Während das Vorkriegsmodell 'Buckel-Taunus' wie auch sein Nachfolger 'Weltkugel-Taunus', dessen Facelift ('Seitenstreifen-Taunus') und der Taunus 12M P4 zur Mittelklasse zählten, gab es darüber ab 1957 den Taunus 17M, erst als P2, dann als P3 und schließlich als P5. Diese Modelle zählten aufgrund ihrer Größe und Ausstattung eindeutig zur Oberen Mittelklasse. Beide Modellreihen gab es bis 1967. Anschließend liefen die jeweiligen Nachfolger wieder als Ford, das kleinere Modell hieß Taunus 12M und Taunus 15M (P6) und das größere schlicht 17M und 20M (P7a) ohne zusätzlichen Modellnamen. Von 1970 bis 1982 gab es schließlich den Taunus TC als letzten Vertreter dieses Namens bis heute.

Vor exakt 60 Jahren präsentierte die Ford-Werke AG den Taunus 17M der Baureihe P3 und verabschiedete sich damit von den barocken Formen mit Heckflossen und Chromschmuck im US-Stil der 50er Jahre. Chefdesigner Uwe Bahnsen zeichnete ein bewusst sachliches Auto unter dem Motto 'Linie der Vernunft'. Besonders auffällig waren die ovalen Scheinwerfer, deren Lichtausbeute deutlich besser ausfiel als bei runden Lampen. Diese Form sorgte zwar im Volksmund schnell zum Spitznamen 'Badewanne', konnte jedoch parallel den Benzinverbrauch im Vergleich zum Vorgänger um rund 20 Prozent verringern. Auch die Höchstgeschwindigkeit konnte gesteigert werden, während die Beschleunigungszeit sank. Zur Auswahl standen ein 1,5 Liter großer Vierzylindermotor mit 55 PS und 111 Newtonmetern Drehmoment sowie ein 1,7-Liter-Motor mit anfänglich 60 PS und 129 Newtonmetern, die ab September 1963 auf 65 PS und 139 Newtonmeter gesteigert wurden. Als Topmodell gab es den 17M 1750, dessen Zusatzbezeichnung auf den Hubraum hinwies. Dank 70 PS waren bis zu 148 km/h Höchstgeschwindigkeit möglich. Dieser Wert kletterte durch 75 PS ab September 1963 auf 154 km/h. Die Kraftübertragung übernahm ab Werk ein Dreigang-Getriebe (optional mit automatisiertem 'Saxomat') oder gegen Aufpreis eines mit vier Vorwärtsgängen.

Neben der typischen Limousine, die als Zwei- oder Viertürer angeboten wurde, gab es den Kombi 'Turnier' mit drei Türen. In den ersten Baujahren hatten Kunden die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Heckklappenkonfigurationen. Neben der klassisch oben an der Dachkante angeschlagenen Klappe gab es auch eine, die unten am Wagenboden knapp oberhalb der Stoßstange herunterklappte, nachdem man die Heckscheibe heruntergekurbelt hatte. Als dritte Option gab es eine seitlich montierte Tür. Die Rückleuchten saßen erst oberhalb der Heckklappe, dann auf den hinteren Kotflügeln und schließlich eingesetzt in die Kotflügelspitzen. Die Karosseriebaufirma Deutsch fertigte zudem ein bildschönes Cabriolet sowie ein Coupé auf Basis der dreitürigen Limousine an, von denen insgesamt wohl nur rund 150 Stück entstanden sind. In Südafrika und Griechenland gab es lokale Betriebe, die Pickup-Umbauten vornahmen. Vom Taunus 17M P3 liefen bis 1964 insgesamt 669.731 Exemplare vom Band.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Ford