40 Jahre nach der Firmengründung

60 Jahre Mazda R360

Auto 28.01.2020
60 Jahre Mazda R360

Kennen Sie die Firma 東洋コルク工業株式会社? Ins lateinische Alphabet übersetzt heißt sie Tōyō Koruku Kōgyō kabushiki-gaisha, was soviel wie Toyo Cork Kogyo Ltd. oder Toyo Kork Kogyo AG bedeutet. 1920 wurde sie durch Jujiro Matsuda begründet, um den damals noch sehr wichtigen Werkstoff Kork zu veredeln und zu verarbeiten. Sieben Jahre später benannte er die Firma in Tōyō Kōgyō K.K. (Toyo Kogyo Ltd.) um und beschäftigte sich zusätzlich auch mit der Entwicklung und Herstellung von Maschinenbauteilen. Ab 1930 gehörten schließlich auch Motorräder zum Produktportfolio. Als Markenname setzte sich nun langsam der verkürzte Nachname des Firmengründers durch, der auch international gut verständlich war: Mazda. Zudem gibt es die höchste zoroastrische Gottheit Ahura Mazda. Ab Mitte des gleichen Jahrzehnts entstanden unter dem Modellnamen Mazdago dreirädrige Lieferwagen und kleine Lastwagen.

Erst 40 Jahre nach der Firmengründung entstand mit dem R360 erstmals ein Automobil. Es erschien am 28. Mai 1960 auf dem japanischen Markt und traf dort genau den Nerv der Zeit, da die japanische Wirtschaft sich 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erholt hatte und durch höhere Einkommen auch der Bedarf an Automobilen stieg. Bereits 1954 hatte Japans Ministerium für internationalen Handel und Industrie im Rahmen der All Japan Motor Show, aus der später die Tokio Motor Show wurde, einen Plan für ein japanisches Nationalauto verkündet. Dieses durfte nicht zu teuer sein, damit die breite Masse es sich leisten könnte. Mazda schaffte es tatsächlich, den R360 für einen Einstandspreis von nur 300.000 Yen anzubieten. Für 320.000 Yen gab es alternativ zum normalen Wagen mit manuellem Viergang-Getriebe eine Version mit Zweistufen-Automatikgetriebe. Auf diese Weise erhielt die Marke bereits im Vorfeld mehr als 4.500 Vorbestellungen. Auch nach der Händlerpremiere blieb es beim Ansturm auf den Kleinstwagen. Ab August verkaufte man mindestens 2.000 Exemplare pro Monat und im Dezember sogar 4.090. Insgesamt erreichte die Produktion im Jahr 1960 eine Anzahl von 28.417 Stück. Damit hielt Mazda in Japan 64,8 Prozent Marktanteil im Bereich der Micro Cars.

Mazda T360

Mazda T600

Mazda B360

Mazda Carol P360

Mazda Carol P600

Im Gegensatz zu diversen europäischen Konkurrenten, beispielsweise aus Deutschland, vertraute der Mazda R360 auf einen Zweizylinder-Viertaktmotor, der im Heck untergebracht wurde. Für den Motorblock kamen Aluminium und Magnesium zum Einsatz. Aus 0,36 Litern Hubraum holten die Techniker 12 kW/16 PS. Da bei der Entwicklung des Wagens konsequent auf Leichtbau gesetzt worden war und damit ein Leergewicht von lediglich 380 Kilogramm erreicht wurde, reichte diese relativ geringe Leistungsausbeute für ordentliche Fahrleistungen aus. Als größten Nachteil des Konzeptes sahen viele Kunden jedoch schon bald, dass der R360 nur Platz für zwei Personen bot. Ein Jahr nach der Premiere erschien der Kleintransporter B360, 1962 zusätzlich der viersitzige Mazda Carol P360 sowie der Carol P600 mit größerem Triebwerk, beide wahlweise mit drei oder fünf Türen. Die Produktion des R360 endete 1969 nach insgesamt 65.737 Exemplaren, die zuletzt vor allem mit Automatikgetriebe an behinderte Fahrer ausgeliefert worden waren.

Bereits im Oktober 1960 unterschrieb Tsuneji Matsuda, Adoptivsohn des Firmengründers und zu diesem Zeitpunkt Präsident der Marke, einen Lizenzvertrag über die Entwicklung und die Fertigung von Rotationskolbenmotoren nach dem Prinzip von Felix Wankel mit dem deutschen Autobauer NSU, der im Juni 1961 durch die japanische Regierung genehmigt wurde. Sechs Jahre darauf erschien mit dem Mazda Cosmo Sport 110S der erste Sportwagen mit einem Zweischeiben-Wankelmotor unter der Haube. Im gleichen Jahr begann die japanische Marke mit offiziellen Verkäufen in Europa. Auf der IAA 1969 präsentierte sich Mazda erstmals in Deutschland. Allerdings dauerten die Vorbereitungen der Markteinführung sowie der Aufbau einer Deutschlandzentrale noch bis 1972. Bereits zwei Jahre eher landeten erste Mazda PKW auf dem US-amerikanischen Markt. Seither ist der japanische Hersteller weder in Europa noch in Amerika von den Straßen wegzudenken, auch wenn es größere Autobauer in Japan gibt.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Mazda, RM Sotheby's, Darin Schnabel