Wunderschöne Luxuslimousine

60 Jahre Bentley S2 Flying Spur

Auto 08.04.2019
60 Jahre Bentley S2 Flying Spur

Seit 1931 gehörte die einst eigenständige Marke Bentley zu Rolls-Royce und fertigte oftmals nur noch das, was man heute als Badge-Engineering bezeichnet: Gleiche Autos mit eigenem Logo. Allerdings war das den stolzen Ingenieuren in Crewe recht bald nicht mehr genug. Bereits von der Baureihe S1 entstanden daher nackte Chassis unter dem Beinamen Continental, die man an verschiedene Karosseriebauer schickte. Beim Nachfolger S2 behielt man diese Praxis bei. Neben Coupés und Cabrios von James Young oder Park Ward entstanden bei H.J. Mulliner sportliche Luxuslimousinen für Selbstfahrer. Im Gegensatz zum typischen Rolls-Royce-Kunden, wollten Bentley-Besitzer nämlich häufig lieber selbst ins Lenkrad greifen. Mit dem S2 Flying Spur griff man ein Design auf, das von Herbert Nye schon für den S1 entworfen worden, jedoch nicht in Serienfertigung umgesetzt wurde.

Unter der Motorhaube des Bentley S2 zog ein neu entwickeltes V8-Triebwerk aus Aluminium mit 6,2 Litern Hubraum ein. Zu den technischen Daten machten die Briten weder damals noch heute genauere Angaben. Kunden, die mehr zur Motorleistung wissen wollten, wurden wie bei Rolls-Royce mit einem vielsagenden "sufficient" (ausreichend) abgespeist. Einzig die Tatsache, dass man im Vergleich zum vorher im S1 verwendeten Reihensechszylindermotor 14 Kilogramm Gewicht eingespart hatte, wurde gern angepriesen. Der V8 blieb in diversen Weiterentwicklungen bis zum Modell Arnage im Programm. In Kombination mit der serienmäßigen Viergang-Automatik, der Servolenkung und der gern bestellten Klimaanlage, blieb noch weniger Kraft übrig. Kundenbeschwerden gab es hingegen wohl nicht. Zum Serienumfang zählten eine Niveauregulierung, eine beheizbare Heckscheibe und elektrisch betätigte Fensterheber rundum.

Bis 1962 entstanden insgesamt 2.388 Bentley S2. Davon erhielten 57 einen langen Radstand und weitere 388 entfielen auf den S2 Continental. Von diesen 388 Exemplaren erhielten 128 die Flying Spur Karosserie von H.J. Mulliner. Heute sind diese Fahrzeuge gesuchte Sammlerstücke. Seit 2005 bietet Bentley erneut einen Flying Spur an, der diesmal auf der Continental-Baureihe basiert und noch in diesem Jahr in seine dritte Modellgeneration gehen wird.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Bentley