Sportcoupé mit Witzfaktor

50 Jahre Opel Manta

Auto 17.03.2020
50 Jahre Opel Manta

Wie wird ein Auto zu urbanen Legende einer ganzen Generation? Es erzielt entweder Erfolge im Motorsport, fährt riesige Verkaufszahlen ein oder es ist ein Manta. Letzterer geriet durch die Tuningexzesse der 1980er und 90er Jahre (Breitbauten, Tieferlegungen, Fuchsschwanz an der Antenne und Plüschpolster innen) in schweren Verruf. Dazu trug auch der stellenweise eher geringere Bildungsstand einiger Manta-Fahrer bei, wodurch der Wagen speziell im deutschsprachigen Raum Ziel diverser plumper Witze wurde. Spätestens die beiden Manta-Spielfilme schlugen in den Köpfen der Bevölkerung den Sargnagel endgültig ein. Entsprechend verwundert es auch nur Wenige, dass Opel nach zwei Modellgenerationen zum frontgetriebenen Calibra wechselte und den Modellnamen Manta seither ruhen lässt. Zurecht? Dieser Frage muss jeder Leser für sich nachgehen, wobei wir mit grundlegenden Informationen zu Manta A und Manta B an dieser Stelle gern bei der Meinungsfindung helfen.

Die Entwicklungsarbeiten für den Manta begannen bereits Ende der 1960er Jahre unter dem Titel 'Projekt 1450'. Ziel von General Motors war es dabei, dem von Ford entwickelten Capri einen würdigen Gegner auf europäischen Straßen entgegen zu stellen. Dabei behandelte man das Sportcoupé jedoch ganz bewusst als Ableger einer zeitgleich ebenfalls in der Entwicklung befindlichen neuen Mittelklasse-Baureihe, die schließlich als Ascona debütieren sollte. Ähnlich wie Ford legte man hohen Wert auf gute Optik, ohne dabei ausschließlich leistungsstarke Triebwerke vorzusehen. George Gallion beauftragte man mit der Erschaffung eines 'longnose coupé', also einem Zweitürer mit langer Motorhaube, niedriger Gürtellinie und kurzem Heck. Gerüchteweise ließ sich George Gallion beim Designprozess von damals relativ neuen Unterwasseraufnahmen von Mantarochen inspirieren, die von Jacques Costeau im Roten Meer aufgenommen worden waren. Auf diese Weise kam es auch zur Namensgebung für das Modell inklusive stilisiertem Rochen an den vorderen Kotflügeln. Auch die Broschüren, Pressetexte und Werbeplakate enthielten diverse Hinweise auf den Rochen und machten diese Tierart in der europäischen Bevölkerung bekannter. Im September 1970 debütierte der Opel Manta schließlich bei einem eigenen Event in Timmendorfer Strand. Schnell kommen viele Vorbestellungen zusammen. Innerhalb des ersten Verkaufsjahres fertigte man über 56.200 Exemplare an.

Da Fahrgestell, Federung und Motorisierungen fast unverändert auch im Ascona bereitstanden, wurde das Modellprogramm entsprechend weit aufgefächert. Die Leistungstabelle reichte von 60 PS bis hinauf zu 105 PS im Manta GT/E. Neben den normalen Ausstattungsvarianten wie L und SR betrieb Opel bereits damals ein breites Programm von Sondermodellen, um die Attraktivität des Manta aufrecht zu halten. Sie hörten auf klangvolle Namen wie 'Plus', 'Holiday', 'Sommer-Bazar' oder 'Swinger'. 1975, kurz vor dem Modellwechsel zur zweiten Modellgeneration, dem Manta B, gab es als Abschluss noch das Sondermodell 'Black Magic' auf Basis des Manta GT/E mit einer schwarzen Außenlackierung und Akzenten in rot und orange. Nicht nur auf dem deutschen Markt, sondern auch im Rest von Europa sowie den USA fuhr der Wagen große Verkaufserfolge ein. Auf dem US-Markt hieß er jedoch in den ersten Modelljahren schlicht Opel 1900 Sport-Coupé. Vom britischen Dealer Opel Team (D.O.T.) wurde 1974 der Turbo Manta entwickelt, von dem jedoch aufgrund der Pleite des Turboladerherstellers nur 28 Stück entstanden sind. Rund zehn weitere Manta A mit Turbomotoren entstanden direkt bei Opel zu Testzwecken. Das unberechenbare Ansprechverhalten mit großem Turboloch verhinderte jedoch jegliche Serienchancen. Dafür baute man von den normalen Manta-A-Varianten zwischen 1970 und 1975 insgesamt 498.553 Exemplare.

Im Sommer 1975 erfolgte die Produktionsumstellung vom Manta A auf den Manta B. Erneut diente die Plattform des Ascona (auch in der zweiten Generation angekommen) als Basis. Dabei handelte es sich weiterhin um die für die Vorgängermodelle entwickelte H-Bodengruppe von General Motors, die lediglich weiterentwickelt worden war. So verlängerte man den Radstand um 90 Millimeter, um eine gestrecktere Form zu ermöglichen. Zeitgemäß wechselte man auf eckige Scheinwerfer und klare, flächige Seitenpartien. Die Motorenpalette startete nun bereits bei 55 PS und reichte weiterhin bis zu 105 PS im GT/E mit Sportfahrwerk und mattschwarzen Details. Zumindest bis zum Modelljahr 1978, als der neue 2.0 S mit 110 PS debütierte. Zudem erweiterte Opel die Palette um den Manta CC mit Schrägheck und einer großen, an der Dachkante angeschlagenen Heckklappe im Stil des größeren Opel Monza. Der Aufpreis im Vergleich zum normalen Stufenheckmodell betrug bei allen Motorisierungen 450 DM. 1981 zeigte man schließlich auf dem Genfer Autosalon die absolute Topversion in Form des Manta 400 mit 144 PS als Basisfahrzeug für den Rallyesport. Man wollte den bis dahin recht erfolgreichen Ascona 400 ersetzen, mit dem Walter Röhrl 1982 Fahrer-Weltmeister wurde. Im Gegensatz zum Ascona richtete man den Manta dabei auf das neue Gruppe-B-Reglement aus, weshalb nur 200 Homologationsfahrzeuge für Privatkunden entstehen mussten. Diese hatten die Auswahl zwischen der normalen schmalen Karosserie oder einer Breitbauversion mit GfK-Verbreiterungen an den Kotflügeln. Allerdings verfügte der Wagen in Wettbewerbsausführung zwar über bis zu 272 PS, aber weiterhin nur über den klassischen Hinterradantrieb, wodurch man gegen den parallel entwickelten Audi quattro keine Chance hatte. Es blieb bei wenigen Ausnahmeerfolgen, hauptsächlich bei nationalen Rallyeläufen. Dafür dienten aber einige optische Details des Manta 400 als Inspirationen für das letzte große Facelift des normalen Manta im Jahr 1982. Erst im August 1988 lief das finale Fahrzeug vom Band. Insgesamt waren es 557.883 Stück. In Deutschland ging die Anzahl zugelassener Opel Manta beider Generationen von mehr als 120.000 Stück im Jahr 1992 auf weniger als 3.750 im Jahr 2015 zurück. Gut gepflegte Fahrzeuge gehen heute eher als liebenswerte Klassiker denn als Witzmobile durch - und das ist auch gut so.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Opel