12 Rennklassen und unzählige Rennwagen

47. Oldtimer Grand Prix 2019

Veranstaltungen & Events 12.08.2019
47. Oldtimer Grand Prix 2019

Bereits seit 1972 treffen die Freunde gepflegter, schnell bewegter Oldtimer einmal im Jahr am Nürburgring in der Eifel. Unter der Flagge des AvD fand dort auch am vergangenen Wochenende erneut der Oldtimer Grand Prix (OGP) statt, der diesmal 12 Rennklassen, eine Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP) für Vorkriegsfahrzeuge, drei Demoläufe und den freitäglichen Trackday auf der legendären Nordschleife beinhaltete. Zudem wurden die umliegenden Parkplätze und der Innenbereich der Mercedes-Arena wie immer für Clubtreffen genutzt. Während im Infield genug Platz für Gäste von Porsche, den Ferrari Club Deutschland und den Alfa Romeo Club geboten wurde, standen rund um die Strecke zahlreiche weitere Marken- und Modellclubs. Alle seltenen Fahrzeuge an nur einem Tag zu sehen grenzt daher tatsächlich an ein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch haben wir uns daran versucht und den vergangenen Samstag an der wohl berühmtesten deutschen Rennstrecke verbracht.

Bereits der Gang durch das Alte Fahrerlager, wo bis heute die legendären Wellblechgaragen aus der Frühzeit dieser Rennstrecke erhalten geblieben sind, verschafft Autofans einen wohligen Schauer über den Rücken. Die besagten Garagen sind beim OGP das Zuhause für die Vorkriegsklassiker, während im nahezu quadratischen Innenhof dazwischen unter anderem die Teilnehmer des Demolaufes der 'Slowly Sideways' ihren Platz finden. Fleißige Leser von Secret Classics erinnern sich an diese Gruppierung vom Eifel Rallye Festival: Es sind Enthusiasten, die klassische Rallyefahrzeuge regelmäßig zu Showzwecken bewegen und damit in Erinnerung halten - und neue Fans für die wilden Zeiten dieser Motorsportart begeistern können. Doch auch das neue Fahrerlager des Nürburgrings kann mit einer Vielfältigkeit von Autos aufwarten, die keinen Traum offenlassen. Egal, ob man nach klassischen Tourenwagen, Sportwagen oder Formel-Autos suchte, man wurde zweifelsfrei fündig. Hinzu kamen Stände von Händlern sowie Herstellern wie Volvo und Isdera. Auffallend war lediglich der erstmals seit langer Zeit fehlende Bereich von Jaguar Land Rover direkt hinter dem Tunnel zwischen Altem Fahrerlager und Infield.

Während man als normaler Besucher üblicherweise nicht in die Boxengaragen hineinkommt, kann man beim Oldtimer Grand Prix in zahlreichen Zelten und Pavillons dennoch den Mechanikern über die Schulter schauen, wenn sie die Fahrzeuge auf die jeweiligen Trainings- und Rennläufe vorbereiten. Wie bereits weiter oben beschrieben gab es in diesem Jahr 12 verschiedene Rennläufe mit dazu gehörenden Trainingssitzungen. In der Zeit zwischen den jeweiligen Einsätzen zeigten die Teams ihre Autos natürlich gern. Zudem rollten immer wieder Teilnehmer zum Tanken oder vom Parc Fermé zurück ins eigene Zelt, wodurch im Fahrerlager immer genug Motorensound zu hören war. Bei Motor Klassik fanden sich einige Rennwagen von Abarth, die diesmal rein zu Showzwecken in der Eifel weilten und nicht auf die Rundstrecke rollten. Audi präsentierte den neuen R8 LMS GT2, mit dem man ab der kommenden Saison ein neues Kundensportfahrzeug für die neue GT2-Kategorie anbietet. Deutlich klassischer und damit zum Grundkonzept der Veranstaltung passender waren ein Bentley 4.5 Liter Blower, ein BMW 507 oder der sehr seltene Rochdale GT.

Im Innenbereich der Mercedes-Arena zeigte Ferrari, vertreten durch den deutschen Club, erstmals seit vielen Jahren wirklich wieder ein größeres Feld von Fahrzeugen, das im Gegensatz zu jenem der Ferrari Racing Days auch eine erfreulich große Anzahl von Autos mit einem Baujahr vor 1995 enthielt. Nebenan bei Porsche hat man diese Sorgen noch nie gehabt. Traditionell kommen hier Kunden mit ihren alltäglich genutzten Cayenne, Boxster, Cayman, 911 und Panamera ebenso gerne vorbei, wie jene mit seltenen Supersportwagen (959, Carrera GT und 918 Spyder) oder den klassischen Modellreihen 356, 924, 928, 944 und dem in diesem Jahr aufgrund seines runden Geburtstags in den Mittelpunkt gerückten 914. Auch der Alfa Romeo Club kann sich über fehlenden Zulauf nicht beklagen. Nicht nur die neuesten Ableger der italienischen Marke, sondern vor allem Klassiker vom Schlage GTV, Junior Zagato, Guilia, Giulietta und Alfasud füllen hier die Parkplätze aus.

Auf der Rennstrecke sorgen derweil die verschiedenen Fahrzeugkonzepte in ihren jeweiligen Klassen für Kurzweil. Speziell die historischen Tourenwagen aus DTM, STW, BTCC, ETCC, WTCC und co. sowie die GTs und Sportwagen der unterschiedlichen Jahrzehnte erfreuen sich großer Beliebtheit. Dazu kommen klassische Formel-1-Rennwagen, die Klasse der Formel Junior sowie, seit dem vergangenen Jahr, die Endurance Legends mit Autos, die vor wenigen Jahren noch in Le Mans oder der Sportwagen-Weltmeisterschaft unterwegs waren. Auch die GLP-Runden der Vorkriegswagen waren durchaus interessant anzusehen - wann haben Sie zuletzt einen Mercedes-Benz SSK unter Volllast gehört? Ein Fragezeichen hängt für uns lediglich über der Klasse 'FCD Racingseries', hinter der sich moderne Challenge-Autos von Ferrari verbergen. Ähnlich wie vor rund zehn Jahren die Mini Challenge hat auch dieser Markenpokal aus unserer Sicht wenig beim Oldtimer Grand Prix verloren.

Dennoch empfehlen wir einen Besuch dieser Veranstaltung uneingeschränkt. Egal ob als Eintagesreise oder über das gesamte Wochenende, am Nürburgring erlebt man in dieser Zeit auf jeden Fall höchsten Autogenuss. Falls Ihnen bis zu dieser Stelle der nötige Funke Elektrizität fehlte: Die Organisatoren des 47. Oldtimer Grand Prix erinnerten mit einer kleinen Demofahrt daran, dass Elektromobilität keine neue Erfindung der letzten paar Jahre ist, sondern bereits in den 1880er Jahren aufkam und in der Anfangszeit des Automobils parallel angeboten wurde. Einzig die geringe Reichweite, die hohen Kosten und das hohe Gewicht setzten schließlich der weiteren Verbreitung einen Riegel vor.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Katrin Pitsch, Matthias Kierse