Nachfolgemodell der göttlichen DS

45 Jahre Citroën CX

Auto 28.11.2019
45 Jahre Citroën CX

Zum 100-jährigen Markenjubiläum zeigt uns Citroën in diesem Jahr diverse Schätze aus der großen Historie. Nachdem im Oktober ein Blick auf den für uns eher uninteressanten Dyane erfolgte, kommen wir jetzt im November zu einem wichtigen Modell, das vor 45 Jahren in große Reifenspuren rollen musste. Die Rede ist vom CX, der die legendäre, sprichwörtlich 'göttliche' DS beerben sollte. Mit den Arbeiten an diesem Auto begann man bereits 1969, wobei man den Charme des Vorgängers übertragen wollte, während gleichzeitig vor allem die Fertigungskosten sinken sollten. Während für das Fahrwerk eine Weiterentwicklung der hydropneumatischen Federung eingesetzt wurde, kümmerte sich die hauseigene Designabteilung unter der Leitung von Robert Opron um eine möglichst elegante Karosserie. Deren Grundstyling stammt aus der Feder von Jean Giret, der zuvor bereits beim SM mit Hand angelegt hatte. Er entschied sich bei der Limousine erneut für ein Fließheck und ließ eine konkav nach innen gewölbte Heckscheibe einfließen, die den Regen zentral zur Mitte ablaufen lässt und dadurch einen hinteren Scheibenwischer überflüssig macht. Vom DS übernahm man nur ein Detail: Die Spur der Hinterachse ist schmaler als die der vorderen. Für die Interieurgestaltung mit sehr futuristischem Armaturenbrett inklusive beleuchteten Walzen für Tacho und Drehzahlmesse in einem kanzelartigen Gebilde sorgte Michel Harmand. Anstelle von Lenkstockschaltern gab es auf beiden Seiten des einspeichigen Lenkrads erstmalig sogenannte Bediensatelliten für Licht, Blinker, Scheibenwischer und ähnliches. Aufgrund des für die damaligen Verhältnisse sehr ordentlichen cW-Wertes von 0,39 (Limousine) benannte man den Wagen nach der französischen Übersetzung: CX.

Auf dem Pariser Autosalon 1974 debütierte der Neuling als Berline, wie bei Citroën die Limousinenversion genannt wird. Dank vorn quer eingebauter Motor-Getriebe-Einheit, Einzelradaufhängung rundum sowie Scheibenbremsen mit Servo-Bremsanlage verfügte der Citroën CX über ein hervorragendes Fahrverhalten. Einige Jahre später kam noch die geschwindigkeitsabhängige und selbstrückstellende Servolenkung 'Diravi' (Direction a RAppel asserVI) hinzu. Derweil verhinderte die Ölkrise den ursprünglichen Plan von Wankelmotoren als Antriebsquelle, obwohl Citroën bereits sehr laufruhige Triebwerke mit 170 bis 180 PS in diversen Prototypen testen konnte. Anfänglich gab es daher mit dem CX 2000 mit 75 kW/102 PS und dem CX 2200 mit 82 kW/112 PS zwei konventionelle Benzinmotorisierungen. Später erweiterte Citroën das Angebot sukzessive und bot erstmals auch Dieseltriebwerke an. In der Zwischenzeit erhielt der CX die Auszeichnung 'Auto des Jahres 1975' und wurde im gleichen Jahr noch um die Kombi-Karosserieversion namens Break mit einem um 25 Zentimeter verlängerten Radstand ergänzt. Diesen bot man auch als achtsitzigen Familiale mit versenkbarer Sitzbank im Kofferraum an. Hinzu kam der CX Prestige (später Limousine) auf dem Fahrgestell des Break, der den Fondpassagieren mehr Beinfreiheit bot und von außen gegenüber der Berline hauptsächlich durch die längeren hinteren Türen erkennbar ist.

Produktionsseitig überbot der CX bereits im ersten vollen Fertigungsjahr die jährlichen Zahlen des Vorgängermodells DS, das nur 1967 in mehr als 100.000 Exemplaren entstanden war. Diese Anzahl erreichte der CX ab 1975 bis zur Produktionseinstellung fast in jedem Jahr. 1978 übertraf man sogar die Hürde von 150.000 Fahrzeugen im Jahr. Nach zahlreichen Detailmodifikationen über die Jahre, die unter anderem die Stoßfänger und die Größe des Kühlergrills betrafen, führte Citroën 1985 eine umfangreiche Modellpflege durch. Diese verpasste dem CX an die Karosserie anschmiegende Kunststoff-Stoßfänger anstelle der zuvor verbauten Edelstahlteile, klassische Rundinstrumente im Innenraum und diverse weitere Modifikationen. Motorenseitig wuchs das Angebot letztlich bis zum Topmodell GTi Turbo 2 mit 168 PS ohne Kat (mit Kat 156 PS), während das stärkste Dieseltriebwerk dank Turboaufladung und Ladeluftkühlung 120 PS leistete.

Im Mai 1989 erfolgte die Premiere des Nachfolgemodells XM als Limousine, mit dem Citroën jedoch nicht an die Verkaufserfolge anknüpfen konnte. Der CX Break blieb noch bis 1991 im Programm, da er beim Karosseriebauer Heuliez entstand und dort die Vorbereitungen für den XM Break noch andauerten. Insgesamt entstanden 1.170.645 CX in allen Varianten inklusive der Fahrgestelle, die von externen Firmen zu Krankenwagen, dreiachsige Lieferwagen, Autotransporter, Abschleppwagen, Kühltransporter oder spezielle Fahrzeuge für Filmaufnahmen umgebaut wurden. Zudem entstand im Werksauftrag beim Karosseriewerk Guy Deslandes ein CX Cabriolet mit zwei Türen, von dem vermutlich nur wenige Exemplare entstanden sind. Im Staatsfuhrpark der DDR gab es mehrere Exemplare des CX Prestige, die nochmals verlängert Platz für eine dritte gegen die Fahrtrichtung angeordnete Sitzreihe boten und gern von Erich Honecker und anderen Politgrößen für Paraden genutzt wurden. Auch in anderen Staaten fanden sich einige Citroën CX Prestige im offiziellen Fuhrpark.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Citroën