Kleinstes Papamobil

40 Jahre Seat Panda

Auto 10.06.2020
40 Jahre Seat Panda

Als 1980 der Fiat Panda in Turin erstmals vom Band lief, begannen sich kurz darauf auch die Produktionsmaschinen in Barcelona zu bewegen. Beim dortigen Lizenznehmer Seat entstanden vom Panda sogar Sonderversionen, die Fiat nie im Angebot hatte. Mit seiner aufs Wesentliche reduzierten Technik und Ausstattung konnte sich der Panda in Spanien schnell als gutes Angebot für die Massenmotorisierung durchsetzen. Als Antriebsquellen gab es zwei Vierzylindermotoren mit 25 kW/34 PS oder 33 kW/45 PS. Da es in einigen Gegenden Spaniens zeitweise nur sehr schlechtes Benzin gab, bot Seat dort eine leistungsreduzierte Variante mit 29 kW/40 PS an.

Als Ausstattungsvarianten gab es den Panda Bavaria mit Grundausstattung, den Panda Practicable mit großem Stoffschiebedach oder den Panda Montaña mit höhergelegtem Fahrwerk, Unterfahrschutz und Gittern vor den Scheinwerfern. Als Sonderversionen kamen der Panda Terra als Pickup mit Segeltuchverdeck und der Panda Comercial mit verblechten hinteren Seitenfenstern hinzu. 1985 debütierte der Panda Trans als leichtes Nutzfahrzeug mit einem kastenförmigen hinteren Aufbau, der wahlweise verglast oder verblecht bis zu 2,5 Kubikmeter Fassungsvermögen bot. Das Topmodell war der Panda Marbella mit komfortableren Sitzen, Drehzahlmesser, breiteren Rädern und Nebelscheinwerfern. Nach der Trennung zwischen Fiat und Seat überarbeitete Seat den Panda 1986 auf eigene Faust und nannte das Ergebnis fortan Seat Marbella.

Bereits im November 1982 präsentierte der spanische Autohersteller das wohl am besten bekannte Exemplar der Panda-Baureihe. Papst Johannes Paul II. hatte sich zum Besuch in Spanien angesagt und sollte in den Fußballstadien von Real Madrid und dem FC Barcelona große Messen abhalten. Allerdings war sein damaliges Papamobil, basierend auf dem Mercedes-Benz G-Modell, für die Einfahrten in die Stadien zu hoch. Wie es zum Umbau eines Seat Panda Marbella in das einzigartige Papamobil kam, ist nicht überliefert. Es dauerte jedoch lediglich 15 Tage, bis der Wagen fertiggestellt wurde. Hierfür entfernte man Dach, Seitenfenster und Heckscheibe, legte die Windschutzscheibe umfaltbar aus und verbaute rund um die begehbare Plattform am Heck einen Handlauf. Vorn auf den Kotflügeln sorgen Standarten der spanischen und vatikanischen Flagge ebenso für Aufsehen wie das päpstliche Wappen von Johannes Paul II. auf der Fahrertür mit dem Motto 'Totus tuus' (ganz Dein/ganz der Deine). Das deutlich flachere Auto passte problemlos durch die Gänge bis zum Spielfeld und ermöglichte dem Papst damit einen würdevollen Auftritt.

Fiats Meistertuner Abarth kümmerte sich tatsächlich auch um den Panda. Die entsprechenden Bauteile für eine Leistungssteigerung auf 44 kW/60 PS konnten auch über die Seat-Händler bestellt werden. Hauptsächlich nutzte sie jedoch das Werk selbst in der hauseigenen Motorsportabteilung als Basis für eine Rallyeversion. Diese kam durch größere Vergaser, einen Rennauspuff und einen offenen Luftfilter auf eine Leistung von 48 kW/65 PS, die über ein mechanisches Sperrdifferenzial auf die Vorderachse gelangten. Mit der 'Copa Panda' veranstaltete Seat einige Jahre lang einen Markenpokal im nationalen Rallyesport, den 1981 und 1982 ein gewisser Carlos Sainz für sich entscheiden konnte. In späteren Jahren errang 'El Matador', wie ihn seine Fans nennen, zwei Rallye-Weltmeisterschaften und drei Gesamtsiege bei der Rallye Dakar.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Seat