Japanischer Allradsportwagen

30 Jahre Mitsubishi 3000 GT

Auto 04.02.2020
30 Jahre Mitsubishi 3000 GT

Japanische Sportwagen kennt man heutzutage hauptsächlich von Nissan (GT-R), Toyota (Supra) und Honda (NSX). In den 1990ern gab es ein deutlich bunteres Feld, da neben den Vorgängern der heutigen Modelle auch der Nissan 300ZX sowie Fahrzeuge von Mazda (RX-7) und Mitsubishi das Angebot bereicherten. Heute ist Mitsubishi eher für SUVs und Kleinwagen bekannt, während man in den 90ern eine volle Modellpalette mit Limousinen, Vans, Geländewagen und den beiden Sportwagen Eclipse und 3000 GT vorweisen konnte. Speziell der größere 3000 GT ist dabei mehr als nur einen kurzen Blick wert. Nach einer relativ kurzen Entwicklungszeit debütierte dieser Sportwagen auf dem Genfer Autosalon 1990 und erschien bald darauf zuerst in Japan und den USA auf dem Markt, wobei er in der Heimat von Mitsubishi Motors den Modellnamen GTO erhielt. In den USA gab es derweil ein Joint Venture mit Dodge, wodurch der Wagen mit nur leichten optischen Änderungen dort auch als Dodge Stealth angeboten wurde. Mit seiner klassisch gestalteten Karosserie mit langer Motorhaube, knapp geschnittenem Passagierabteil, großflächig verglaster Heckklappe und Klappscheinwerfern traf der 3000 GT durchaus den Zeitgeschmack.

Trotz der Weltpremiere in Genf dauerte die Markteinführung in Europa noch bis 1992. Zuvor veränderte Mitsubishi für diese Version ein wenig die Optik indem die sonst unterhalb der Klappscheinwerfer verbauten Standlichter ein Stück weit darunter in die Kunststoffleiste wanderten, in der auch außen die seitlichen Blinkleuchten (in den USA als Begrenzungsleuchten genutzt) untergebracht waren. Der Freiraum unter den Hauptscheinwerfern wurde von einer serienmäßigen Scheinwerferreinigungsanlage mit Spritzdüsen eingenommen. Zudem verbesserte man Motor- und Getriebekühlung, die Auslassventile, die Turbolader und das Bremssystem im Hinblick auf die möglichen hohen Geschwindigkeiten auf deutschen Autobahnen. Unterhalb der Frontschürze befindet sich eine elektrisch ausfahrbare Venturischürze, die in Kombination mit dem elektrisch verstellbaren Heckflügel je nach Fahrmanöver für mehr oder weniger Abtrieb sorgt.

Als Antrieb wählte Mitsubishi den bereits aus dem Sigma, einer damaligen Limousine der Oberen Mittelklasse, bekannten V6-Motor mit drei Litern Hubraum. In Asien, den USA, Kanada und einigen weiteren Märkten gab es dieses Triebwerk in insgesamt vier verschiedenen Leistungsstufen mit und ohne Turboaufladung sowie mit Front- oder Allradantrieb. Derweil entschied man sich für Europa ausschließlich das Topmodell (in anderen Ländern VR4 genannt) mit der größten Leistungsstufe und permanentem Allradantrieb anzubieten. Da es bis in die späten 1990er hinein in Japan eine freiwillige Abmachung der Autohersteller gab, keine Fahrzeuge mit mehr als 286 PS anzubieten, liegt die Leistungsausbeute des europäischen 3000 GT sowie weltweit vom 3000 GT VR4, dem GTO twin turbo oder dem Dodge Stealth R/T twin turbo bei diesem Wert. Allerdings hielten sich viele Hersteller wohl nur auf dem Papier an diese Einschränkung, lieferten aber tatsächlich kräftigere Autos aus. Die europäische Variante kam mit einem maximalen Drehmoment in Höhe von 407 Newtonmetern, hat eine eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h und beschleunigt in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

1994 erfolgte eine größere Modifikation des Mitsubishi 3000 GT, durch die er seine Klappscheinwerfer zugunsten klassischer Ellipsoidleuchten verlor. Zudem erhielten Front- und Heckschürze, Motorhaube, Schwellerverkleidungen und Rückleuchten optische Retuschen. Technisch blieb es beim Dreiliter-Triebwerk, nun jedoch mit offiziellen 320 PS und 427 Newtonmetern Drehmoment in Kombination mit einem Sechsgang-Getriebe von Getrag. An den Fahrleistungen änderte sich dadurch nichts. Gemeinsam mit Chrysler arbeitete man daran, den 3000 GT und den Eagle Stealth bei ASC (American Sunroof Corporation) in ein Cabriolet mit Metallklappdach im Stil des Mercedes-Benz SLK umbauen zu lassen. Da der Eagle jedoch 1996 aufgrund schlechter Verkaufszahlen eingestellt wurde, kam es nur beim Mitsubishi zu einer kleinen Serienfertigung von rund 1.600 Fahrzeugen, die ausschließlich in den USA erhältlich war. Derweil bot man in Deutschland die auf 50 Exemplare limitierte Beckenbauer Edition an. Lackiert in einem Gelb-Farbton von Lamborghini waren diese Fahrzeuge mit OZ Futura Leichtmetallrädern, einer Remus Sportabgasanlage, einem C-Netz-Mobiltelefon und einer durchnummerierten Plakette ausgestattet. 1996 entfielen die aktiven Aerodynamikelemente, um den 3000 GT zu erleichtern und damit noch fahraktiver zu gestalten. Ende 2000 endete die Fertigung des bis heute letzten größeren Sportwagens von Mitsubishi.

Autor: Matthias Kierse - Secret Classics

Bilder: Mitsubishi Motors, Dodge