Sportlimousine made by Porsche

30 Jahre Mercedes-Benz 500 E

Auto 07.08.2020
30 Jahre Mercedes-Benz 500 E

Beim Stichwort 'Familien-Porsche' denkt man heutzutage sicherlich sofort an Porsche Cayenne, Panamera und Taycan. Es ist aber noch gar nicht lange her, da waren diese Autos in weiter Ferne und Porsche ging es alles Andere als gut. In dieser Zeit war man glücklich über Fremdaufträge, um das Stammwerk in Zuffenhausen auszulasten. Und so entstanden, vor 30 Jahren, jene 'Familien-Porsche', die heute schon Legenden sind. Den Anfang machte der Mercedes-Benz 500 E, kurz darauf folgte der Audi RS2 Avant. Im Jahr 1990, genau genommen im Oktober diesen Jahres, stellte Mercedes-Benz auf dem Pariser Automobilsalon eine Sportlimousine auf den Stand. Gegenüber seinen 'braven' Brüdern der Baureihe W124 unterschied sich dieser Benz von außen vor allem durch die ausgestellten Kotflügel und den neuen Frontspoiler mit eingelassenen Nebelscheinwerfern von seinen Artgenossen.


Die größte Neuerung war aber unter der Motorhaube zu finden. Dort wurde erstmals in der Geschichte der Mittelklassebaureihe von Mercedes-Benz ein V8-Motor verbaut. Es handelte sich dabei um das Aggregat mit der Bezeichnung M119 E50, das erstmals im Roadster 500 SL der Baureihe R129 seine Verwendung fand. Der Motor leistete anfangs 240 kW/326 PS, ab dem Modelljahr 1993 dann nur noch 235 kW/320 PS, da man auf die schwere Volllastanreicherung verzichtete. Diese war dazu gedacht, den Motor bei Vollast sparsamer zu machen. Da jedoch der überwiegende Nutzer zu selten Vollgas fuhr, konnte man getrost darauf verzichten und sparte zudem noch einige Kilogramm ein. Es gab den Mercedes 500 E – ab Modelljahr 1993 umbenannt auf E 500 – nur in Kombination mit einem Automatikgetriebe. Nicht, dass die Stuttgarter es nicht besser konnten, aber die Philosophie war klar. Bei dieser Leistung sollte sich der Fahrer auf das Fahren konzentrieren und nicht auf das Schalten. Zudem wollte man selbstverständlich auch den hauseigenen Ansprüchen hinsichtlich Komfort genüge tun.


Was aber hat das ganze nun mit Porsche zu tun? Das Fahrzeug wurde im Auftrag von Mercedes-Benz bei Porsche in Weissach entwickelt. Doch damit nicht genug. Nicht nur die Erprobung fand dort statt, sondern das Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen diente als Fertigungsstätte, wo der 500 E von Hand montiert wurde. Das Automatikgetriebe des Mercedes-Benz 500 E fand übrigens im Gegenzug auch im Porsche 928 GT, S4 und GTS einen Sparringpartner in Form eines V8. Die Porsche-Aura bot keines der damals verfügbaren Vergleichsfahrzeug, von denen es zur damaligen Zeit zudem recht Wenige gab. Abgesehen vom BMW M5 mit seinem 232 kW/315 PS starken 6-Zylinder-Reihenmotor gab es keine Serienlimousine, die es mit dem 500 E aufnehmen konnte. 6,1 Sekunden von 0-100 km/h und abgeriegelte 250 km/h Spitzengeschwindigkeit sind auch heute noch ein Wort.
Zusätzlich gab es noch die in minimaler Stückzahl entstandenen BMW Alpina B10 Bi-Turbo- und Opel Lotus Omega-Modelle. Wenn wir uns aber an den Stückzahlen orientieren, war der einzig wahre Wettbewerber sicherlich der M5, der klar um einiges sportlicher als der E500 war, aber eine völlig verschiedene Philosophie verfolgte. Dennoch rüttelte der 500 E die Münchner wach, wollten sie doch leistungsmäßig nicht zurückbleiben. Daher schob man dort 1992 eine 250 kW/340 PS starke Variante nach. Der V8-Antrieb bleib jedoch Alleinstellungsmerkmal der Stuttgarter Sportlimousine.

Natürlich wurde im Mercedes-Benz 500 E seinerzeit alles verbaut, was den Stuttgartern gut und teuer war. Neben dem bereits erwähnten V8 waren dies unter anderem die Vorder- und Hinterachsbremsen des Mercedes-Benz 500 SL, vorn mit einem Durchmesser von 300 Millimetern, hinten immerhin noch mit stattlichen 278 Millimetern Durchmesser. Erstaunlicherweise war hingegen die Lederausstattung nur eine aufpreispflichtige Option, was dem Gebrauchtwagenmarkt tatsächlich Modelle mit Stoffsitzen brachte. Der Neupreis dieses edlen Geschosses lag bei Markteinführung bei 134.520 DM. Zum Produktionsende waren es bereits 145.590 DM, die man auf das Konto der Stuttgarter überweisen musste. Im Laufe seiner vierjährigen Bauzeit wurden 10.678 (manche Quellen sprechen auch von 10.359) Fahrzeuge gebaut. Aus diesen Modellen stechen dennoch einige besonders hervor: So wurde die Nummer 10.000 extra für den ehemaligen Werksfahrer Hans Herrmann angefertigt und am 10. Oktober 1994 im Porsche-Werk in Zuffenhausen an ihn übergeben.


Die letzten 500 Fahrzeuge des 500 E, beziehungsweise zu diesem Zeitpunkt bereits umbenannt zum E 500, wurden als Sondermodell 'Limited' gefertigt, die es nur in zwei Außenfarben, nämlich Saphirschwarz und Brilliantsilber gab. Im Innenraum boten sich vier Farboptionen für das Leder: schwarz/schwarz, schwarz/hellgrau, schwarz/rot oder schwarz/grün. Zudem konnte man zwischen Vogelaugenahorn und Zebranoholz für die Dekorleisten wählen. Als weitere Möglichkeit konnte man den Wagen entweder mit den bekannten 8-Loch-Felgen oder mit den Felgen des 190 E Evolution II ausrüsten lassen. Die Limited-Modelle sind heute die gesuchtesten Fahrzeuge des E 500 abseits der noch selteneren AMG-Ableger. Bereits von Anfang an hatte der damals noch unabhängige Tuner den 500 E als 6.0 mit Hubraumvergrößerung und Mehrleistung angeboten. Später folgten einige wenige Exemplare des E 500 Limited als E 60 AMG. All jenen, denen 320 PS nicht reichten, offerierte man hier den gewünschten Nachschlag mit nunmehr 280 kW/381 PS. Aufgrund des damals sagenhaften Preises von mehr als 178.000 DM entstanden jedoch nur wenige Fahrzeuge. Noch geringere Stückzahlen gibt es übrigens vom E 500 T-Modell, das den meisten Lesern sicherlich unbekannt ist. Während man den 500 E und E 500 als Limousine noch ab und zu auf der Straße erblickt sind die E 60 AMG und E 500 T-Modelle nahezu vollständig aus dem Straßenbild verschwunden.


Heute altern die meisten W124 500 E und E 500 in Würde. Viele sind mittlerweile zu Sammlerfahrzeugen geworden, die nur noch bei schönem Wetter bewegt werden. Der geschätze Bestand von Fahrzeugen in Originalzustand liegt in Deutschland bei rund 1.200. Ab und zu tauchen mal Exemplare rund 10.000 € auf, von denen man aber besser die Finger lässt. Denn was man am Anfang spart, kommt gerade beim 500 E hinterher in drei- bis vierfacher Höhe an Kosten zurück. Wer sich nach der Lektüre dieses Textes einen 500 E oder E 500 zulegen möchte, dem sei gesagt, dass er zum einen viel Freude an diesem Fahrzeug haben wird, zum anderen aber auch von steigenden Preisen profitieren kann. Die Nachfrage nach guten Exemplaren steigt deutlich an, ebenso wie demnach auch der Preis. Natürlich gilt diese Aussage nur für Fahrzeuge im Originalzustand. Jene Exemplare, die leider bei der Fraktion 'Tiefer, Breiter, Härter' landeten, sollte man besser meiden, ebenso wie der Teufel das Weihwasser.


Autor: Oliver Kühlein

Bilder: Mercedes-Benz