Laurin & Klement Slavia B

Mit der Laurin & Klement Slavia B begann vor 120 Jahren die Motorsportgeschichte der heutigen Automarke Škoda. Die Vorgängermarke Laurin & Klement fertigte ursprünglich ab 1895 Fahrräder. Vier Jahre später folgten Motorräder und erst ab 1905 erste Autos. Zwanzig Jahre später ging das Unternehmen an den Škoda-Konzern und wurde auf Škoda Auto umbenannt. Die Slavia B nimmt eine besondere Stellung in der Firmengeschichte ein. Erstmalig ging die Firma aus Mladá Boleslav 1901 bei einer internationalen Motorsportveranstaltung an den Start. Es handelte sich um den Langstreckenmarathon von Paris nach Berlin. Damals eines der härtesten Rennen weltweit.

Erstmalig mit Motor unten im Rahmen

Unter dem Namen Slavia bot Laurin & Klement erst Fahrräder an. 1899 kamen die Motorräder Slavia A und Slavia B hinzu. Die Motoren verbaute Václav Laurin möglichst tief am Rahmen, um ein gutes und stabiles Fahrverhalten zu gewährleisten. Diese Bauform kennen Motorradfans heute von allen Marken. Damals war der Gedanke revolutionär. Bei der Slavia B kam ein luftgekühlter Einzylindermotor mit 240 Kubikzentimetern Hubraum und 1,75 PS Spitzenleistung zum Einsatz. Anstelle von einem Getriebe übertrug ein Lederriemen die Kraft direkt auf das Hinterrad. Dies ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. Durch die hohe Zuverlässigkeit und das geschäftliche Geschick von Václav Klement erreichte die junge Marke auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen größere Bekanntheit. Langstreckenrennen auf öffentlichen Straßen sorgten für Medieninteresse und damit gute Werbung. Entsprechend sahen Laurin und Klement hier gute Chancen zur Verkaufsförderung.

Vom Werkzeugbauer zum Rennfahrer

Als geeignete Bühne sah man das Rennen zwischen Paris und Berlin. Die Route führte dabei über Aachen und Hannover über insgesamt 1.196 Kilometer. Im Gegensatz zur heutigen Zeit gab es weder Autobahnen, noch gut asphaltierte Straßen. Stattdessen ging es über unbefestigte Wege und Kopfsteinpflaster. Entsprechend groß war die Herausforderung an Mensch und Maschine. Laurin & Klement verpflichtete Narcis Podsedníček als ersten Werksrennfahrer der Firmengeschichte. Er war schon einige Jahre als Werkzeugbauer und Vertriebsbeauftragter im Unternehmen. Später übernahm er die Produktionsleitung in Mladá Boleslav. 1901 entsandte man ihn mit einer Slavia B nach Paris. Dort ging er als einer von zehn Teilnehmern in der Klasse für Zwei- und Dreiräder an den Start. Insgesamt starteten 110 Fahrzeuge, von denen nur 48 die Ziellinie in Berlin erreichten.

Klassensieg wurde nicht anerkannt

Podsedníček auf der Laurin & Klement Slavia B gehörte zu den angekommenen Teams. Tatsächlich hatte kaum jemand diesem Motorrad Chancen eingeräumt. Als er nach drei Tagen Fahrt morgens um drei Uhr am Ziel ankam, rechnete niemand mit einem Teilnehmer. Das Zeitnahmebüro war geschlossen, alle Rennkommissare lagen im Bett. Aus diesem Grunde ließ sich Podsedníček die Ankunft von einem lokalen Polizist schriftlich bestätigen. Am Ende stand ein Klassensieg zu Buche, da er vor seinen Gegnern angekommen war. Der Veranstalter erkannte die polizeiliche Bestätigung allerdings nicht an und erklärte stattdessen das Team von De Dion-Bouton mit ihren Dreirädern zum Sieger. Dennoch konnte Laurin & Klement allein die Ankunft werbewirksam nutzen. Insgesamt verkaufte man bis 1904 von der Slavia B 540 Exemplare. Auf den Bildern ist eine Slavia B aus dem Škoda Muzeum zu sehen, die 1902 am Rennen von Paris nach Wien teilnahm.

Bilder: Škoda