Laurin & Klement FC

Nachdem Laurin & Klement mit Motorrädern gute Verkaufszahlen und erste Rennerfolge eingefahren hatte, wandte sich das Unternehmen ab 1905 auch Automobilen zu. Natürlich interessierten sich die Firmengründer Václav Laurin und Václav Klement auch für den Einsatz ihrer Neuentwicklungen im Motorsport. Direkt nachdem das Erstlingswerk Voiturette A auf seinen Rädern stand, begannen Arbeiten an einem reinrassigen Rennfahrzeug. Diesen 9 PS starken Voiturette B setzte man 1906 beim Semmering-Rennen in Österreich ein. Trotz einer aus heutiger Sicht niedrigen Höchstgeschwindigkeit von nur 45 km/h belegte L&K den ersten, zweiten und vierten Platz.

Otto Hieronimus entwickelte den FC

Weitere Rennerfolge im In- und Ausland machten Laurin & Klement über die tschechischen Grenzen hinaus bekannt. Auf Basis der Baureihe F entstand der besonders sportliche FC, von dem zwischen 1907 und 1909 exakt 19 Exemplare gebaut wurden. Durch konstante Weiterentwicklungen unter Leitung des Chefingenieurs und Konstrukteurs Otto Hieronimus unterschieden sie sich alle in mehr oder weniger Details voneinander. Selbst die Reihenvierzylindermotoren waren unterschiedlich, da sie je nach geplanter Rennveranstaltung zwischen zwei und 2,5 Litern Hubraum aufwiesen. Ihre Leistung verteilte ein Dreigang-Getriebe auf die Hinterräder.

Erfolgreiches Rennfahrzeug

Im März 1908 entsandte L&K mehrere FC in verschiedenen Hubraumklassen zum Bergrennen Zbraslav–Jíloviště. Mit insgesamt sechs Klassensiegen, fünf zweiten und einem dritten Platz kehrte das Werksteam zurück. Es folgten ein Doppelsieg in der Zwei-Liter-Klasse in Ries bei Graz sowie ein Klassensieg durch Otto Hieronimus bei der Fernfahrt von St. Petersburg nach Moskau über insgesamt 686 Kilometer. Weitere Siege im gleichen Jahr umfassten die Prinz-Heinrich-Fahrt in Deutschland. Hier führte der Streckenverlauf von Berlin über Kiel, Hamburg, Hannover, Köln und Trier nach Frankfurt am Main – insgesamt 2.200 Kilometer!

Vom FC zum FCS und FCR

Die Entwicklungsmannschaft rund um Otto Hieronimus entwickelte den FC zum FCS weiter. Hierfür vergrößerte man den Motor auf 3,5 Liter Hubraum und verbaute obenliegende Ventile. Beim Semmering-Rennen gelang damit erneut ein Dreifachsieg in der Klasse. Hieronimus fuhr im Herbst 1908 einen Wagen auf dem Ovalkurs von Brooklands zu einer Höchstgeschwindigkeit von 118,72 km/h, was ein neuer Rekord für diese Hubraumklasse war. Als radikalste Ausbaustufe debütierte 1909 der FCR mit schlankerer Karosserie, pfeilförmigen Kühler und einem 5,6 Liter großen Triebwerk. Damit standen nun 74 kW/100 PS bereit, was für 140 km/h Maximaltempo ausreichte. Am Semmering gelang ein weiterer Klassensieg, bei den Bergrennen Zbraslav–Jíloviště sowie Trieste–Opicina waren es 1911 sogar Gesamtsiege.

Graf Kolowrat-Krakowsky und der Typ F

Eine Anekdote aus der Frühzeit der tschechischen Markengeschichte umfasst den in Amerika aufgewachsenen Alexander Graf Kolowrat-Krakowsky. Eigentlich sollte er auf Wunsch seines Vaters ein Agrarstudium in der Schweiz absolvieren. Stattdessen schraubte er jedoch an Autos herum und fuhr unter falschem Namen Rennen. Seine Freunde nannten ihn „Graf Kilowatt“. Am 10. Oktober 1908 wollte er unter dem Pseudonym Doconald am Bergrennen im französischen Gaillon teilnehmen. Hierfür hatte er das L&K-Werk beauftragt, seinen FC per Eisenbahn als Kistenfracht transportieren zu lassen. Allerdings verspätete sich der Zug. Anstatt unverrichteter Dinge wieder abzureisen, bereitete der Graf seinen privaten Laurin & Klement Typ F über Nacht für das Rennen vor. Dieser hatte bereits 18.000 Kilometer zurückgelegt, was für die damals sehr viel Laufleistung war. Durch Abschrauben aller Anbauteile verringerte er das Gewicht des Typ F soweit, dass er konkurrenzfähig war. Er gewann seine Klasse – konnte dadurch jedoch seine Rennsportaktivitäten nicht mehr vor seinem Vater geheimhalten.

Bilder: Škoda