Koenigsegg CCR

Als Koenigsegg Anfang des aktuellen Jahrtausends erstmals auf großen Automessen auftauchte, hielten sich die Erwartungen in Grenzen. Zuviele neue Hersteller hatten sich zuvor bereits daran versucht, mit einem Sportwagen auf dem Automarkt Fuß zu fassen. Was in den folgenden 20 Jahren geschehen würde, konnte niemand erahnen. Tatsächlich schaffte es der umtriebige Unternehmer Christian von Koenigsegg nicht nur, erste Kunden für sein Auto zu finden. Er erweiterte zudem stetig seine Produktionskapazitäten und beeindruckt bis heute durch immer neue Innovationen. Vom im Jahr 2000 in Paris präsentierten CC 8S entstanden bis 2003 lediglich sechs Exemplare. Im Hintergrund arbeitete die Koenigsegg-Mannschaft bereits an einer Weiterentwicklung.

Schnellstes Serienauto für drei Monate

Bereits der CC 8S erhielt aufgrund seines 655 PS starken V8-Kompressormotors einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde als damals leistungsstärkstes Serienauto. Diesen Wert überbot der 2004 auf dem Genfer Autosalon präsentierte Nachfolger CCR mühelos. Mit dem gleichen Hubraum von 4,7 Litern erzielte Koenigsegg nun bereits 593 kW/806 PS und ein maximales Drehmoment von 920 Newtonmetern. In Kombination mit dem manuellen Sechsgang-Getriebe spurtete der Supersportwagen in 3,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erreichte laut Werksangaben mehr als 395 km/h. Auf der Kreisbahn von Nardó in Italien reichte es durch den welligen Asphalt am 28. Februar 2005 für 387,87 km/h. Rund drei Monate später durchbrach Bugatti mit dem Veyron die 400.km/h-Schallmauer. Indirekt begann damit die immer noch andauernde Fehde um das schnellste Serienauto der Welt, die Koenigsegg bald mit dem Jesko Absolut abschließen möchte.

Modifikationen im Vergleich zum CC 8S

Neben der Mehrleistung erhielt der CCR im Vergleich zum CC 8S ein neues Fahrwerk, bessere Bremsen, einen Titanauspuff und eine modifizierte Karosserie. Die Grundabmessungen veränderte Koenigsegg dabei in keinem Millimeter. Feinarbeit an der Form sorgte jedoch für mehr Anpressdruck. Auf Wunsch gab es zusätzlich einen Heckflügel, der an den meisten der letztlich 14 gebauten CCR-Exemplare verbaut wurde. Nicht verändert wurden hingegen die Dihedral-Synchro-Helix-Türen, die nur leicht nach außen und dann nach vorn und oben öffnen. Unterhalb der aus Carbon gefertigten Karosserie mit den riesigen Hauben blieb es beim Kohlefaser-Monocoque. Dadurch war der Wagen nicht nur besonders verwindungssteif, sondern auch einer der sichersten Supersportwagen im Falle eines Unfalls. Neu war ein besonderer Aufkleber auf der riesigen Motorhaube.

Wie kam es zum Geist?

Dieser Sticker zeigt einen Geist, der ursprünglich auf den Flugzeugen der schwedischen Fliegerstaffel „Johan Röd“ zu sehen war. Koenigsegg hatte ursprünglich auf einem alten Bauernhof außerhalb von Ängelholm seine Autos produziert, der Anfang 2003 einem Brand zum Opfer fiel. Als Ersatzproduktionsstätte fand er nach einiger Suche den Hangar der bereits erwähnten Flugstaffel am Flughafen von Ängelholm. Zudem konnte er ein daneben liegendes Bürogebäude und den nicht mehr genutzten Militär-Runway erwerben. Letzterer dient seither als Einfahr- und Teststrecke für neue Sportwagen. Da Mitglieder der ehemaligen Staffel die neue Nutzung ihres Hangars für den Bau von Supersportwagen guthießen, baten sie Christian von Koenigsegg ihr ehemaliges Maskottchen, den Geist, auf seinen Autos anzubringen. Alle Neuwagen, die seither dort entstanden sind zeigen daher dieses zusätzliche Logo.

Lava Orange als beliebte Lackfarbe

Als am häufigsten bestellte Lackfarbe erwies sich beim Koenigsegg CCR wieder einmal die Präsentationsfarbe. Als der Wagen auf dem Genfer Automobilsalon 2004 erstmals öffentlich gezeigt wurde, trug er den Farbton ‚Lava Orange‘. Letztlich wählten sechs weitere Kunden ihr Fahrzeug so. Allerdings weichen die Farbschattierungen minimal voneinander ab, da alle Autos von Hand lackiert wurden und man jeweils zuvor den Farbton anmischte. Das Genfer Präsentationsauto trägt die Fahrgestellnummer 011 und diente nach der Messe für diverse Pressefotos. Innen zeigt sich dieser CCR mit schwarzem Leder und Alcantara, vernäht durch orangefarbene Nähte. Erst am 23. Mai 2006 wechselte 011 in die Hände eines norwegischen Autosammlers, der seine Sportwagen in einem französischen Chateau einlagerte.

011 kommt bei RM Sotheby’s unter den Hammer

Bis ins Jahr 2010 kamen lediglich knapp über 1.100 Kilometer Laufleistung insgesamt zusammen. Nachdem der CCR kurz beim Auto Salon Singen zum Verkauf stand, tauchte er anschließend beim Oldtimerhändler Bratke in Düsseldorf und schließlich bei Michael Fröhlich auf. Nach einigen Jahren im Stillstand wechselte der Supersportwagen zu Esser Automotive, dem offiziellen Koenigsegg-Händler in Alsdorf bei Aachen. Dort erfolgten dringend notwendige Service-Arbeiten sowie ein Upgrade auf die Elf-Speichen-Räder des Nachfolgemodells CCX. Nach einer kurzen Weile bei einem neuen Besitzer steht 011 nun bei RM Sotheby’s im Rahmen der Milan 2021 Auktion zur Versteigerung bereit. Dabei erwarten Experten einen Zuschlagspreis zwischen 720.000 und 760.000 €.

Bilder: RM Sotheby’s, Keno Zache