Honda S500

Kennen Sie das erste Serienautomobil von Honda? Es war tatsächlich der Bonsai-Sportwagen S500. Während ein solches Fahrzeug im Dezember bei BH Auction in Japan angeboten wird, lohnt sich ein Blick auf die Vorgeschichte dieses Modells. Honda kennt man heute bestens für PKW, doch begonnen hat alles 1948 mit dem Bau von Mofa-Motoren. Bald darauf folgten vollwertige Motorräder, die auf dem japanischen Markt gute Absatzzahlen lieferten.

Sportwagen als Premierenmodell

Durch das japanische MITI (Ministry of International Trade and Industry, Ministerium für internationalen Handel und Industrie) erging 1955 ein Aufruf an alle großen japanischen Firmen, ein viersitziges Volksauto zu entwickeln. Dieses sollte mindestens 100 km/h schnell sein und dabei maximal 150.000 Yen kosten. Neben diversen anderen Firmen interessierte sich auch Honda für ein solches Projekt und begründete Anfang 1958 hausintern eine PKW-Entwicklungsabteilung mit gerade einmal 50 Mitarbeitern. Bereits im Oktober des gleichen Jahres waren die Entwürfe fertig, Anfang 1959 stand schließlich auch der erste fahrfähige Prototyp mit dem internen Kürzel XA170 auf seinen Rädern. Ihm folgte im Dezember 1959 XA190. Beide Prototypen hatten Kunststoffkarosserien und luftgekühlte Vierzylindermotoren, was für die spätere Serienproduktion geändert wurde.

Spätestens im Mai 1962 stand mit dem TAS260 ein Prototyp bereit, der sowohl optisch als auch technisch den kommenden Seriensportwagen ankündigte. Er erhielt einen wassergekülten Vierzylindermotor mit 360 Kubikzentimetern Hubraum. Neben der Autoentwicklung musste Firmengründer Sōichirō Honda auch an anderer Front für sein neues Projekt kämpfen. Die japanische Regierung hatte 1962 ein Gesetz erlassen, das zum einen nur maximal drei Firmen in Japan den Bau von Automobilen erlauben sollte und außerdem die Lackfarben Weiß und Rot verbieten sollte, da diese Fahrzeugen von Polizei (in Japan weiß und schwarz), Rettungsdienst und Feuerwehr vorbehalten bleiben sollten. Durch tiefgehende Artikel in der Zeitung Asahi Shimbun konnte Sōichirō Honda schließlich eine Aufhebung dieses Gesetzes erwirken.

Präsentationen auch in USA und Koblenz

Im Juni 1962 nutzte man das 11. National Honda Meeting auf der hauseigenen, damals noch im Bau befindlichen Rennstrecke in Suzuka zur Weltpremiere des Honda S360. Allerdings waren neben Fans und Besitzern der Motorräder nur einige ausgewählte japanische Händler vor Ort. Die breite Öffentlichkeit erfuhr von den Autoplänen erst im Oktober 1962 auf der Tokyo Motor Show. Dort debütierte zeitgleich der S500 mit einem auf 492 Kubikzentimeter vergrößerten Motor. Dieser ging schließlich auch in Serie, da das kleinere Triebwerk mit seinen 33 PS von der Marketingabteilung als zu schwach für einen Sportwagen erachtet wurde. Im August 1963 präsentierte Sōichirō Honda einen linksgelenkten S500 Prototyp auf einem Rheindampfer bei Koblenz. Ein weiteres linksgesteuertes Auto debütierte in den USA. Letztlich gab es den S500 jedoch ausschließlich als Rechtslenker in Japan.

Bereits im Juni 1963 hatte Honda in japanischen Zeitungen ein Quiz veröffentlicht, bei dem die Leser den Verkaufspreis für den S500 erraten sollten. Allerdings war dies nie als Gewinnspiel, sondern als cleverer Marketingtrick gedacht, um die Erwartungshaltung potenzieller Kunden zu erfahren und anschließend mit einem knapp niedrigeren Preis reagieren zu können. Insgesamt gingen mehr als 5,7 Millionen Zuschriften bei Honda ein, wobei der meistgenannte Preis für den 40 PS starken, zweisitzigen Roadster 485.000 Yen lautete. Das Unternehmen legte daher einen Einstiegspreis von 459.000 Yen fest. Bis zum Serienanlauf stiegen der Hubraum auf 531 Kubikzentimeter und die Leistung auf 44 PS. Trotz Stahlkarosserie lag das Leergewicht bei lediglich 725 Kilogramm und die Höchstgeschwindigkeit bei über 130 km/h. Dies nutzte ein Werksteam mit zwei Fahrzeugen auch beim Marathon de la Route 1963. Diese Langstreckenrallye führte vom belgischen Spa über Sofia in Bulgarien wieder zurück nach Lüttich in Belgien. Während ein Fahrzeug durch Unfall ausfiel, erreichte das andere die Ziellinie.

Seltener S500 bei BH Auction

Vom S360 hatte man nur 12 Vorserienprototypen gebaut, die leider alle nach der Erprobung zerstört wurden. Zwischen August 1963 und September 1964 liefen lediglich 1.363 Exemplare des Honda S500 vom Band. Anschließend verbauten die Japaner einen auf 606 Kubikzentimeter vergrößerten Vierzylindermotor mit 57 PS und nannten das Auto S600. Diesen gab es auch als Coupé. Beide Karosserievarianten blieben weiterhin dem japanischen Markt vorbehalten. Erst mit der Einführung des 791 Kubikzentimeter großen und 67,2 PS starken Motors im S800 ab 1966 begann Honda mit dem Export nach Europa und in die USA. S600 und S800 brachten es zusammen auf mehr als 10.000 Exemplare. Einen späten Honda S500 bietet das japanische Auktionshaus BH Auction im Dezember in einer Onlineversteigerung an. Dieser Wagen im Farbton ‚Elephant‘ erhielt von der Garage Suzuki eine umfangreiche Restaurierung und kommt mit originalen Ausstattungsdetails wie dem ‚FUTABA Racket‘-Holzlenkrad oder dem Kunststoff-Windabweiser am oberen Rahmen der Windschutzscheibe. Zum erwarteten Zuschlagspreis liegen noch keine Informationen vor.

Bilder: BH Auction