Heuliez Intruder

Die französische Firma Heuliez ist vielen Autofans kein Begriff, was eigentlich verwunderlich ist, da sie von 1920 bis 2013 existierte und in dieser Zeit zahlreiche gut bekannte Fahrzeuge produzierte. Da dies jedoch stets im Auftrag großer Autohersteller geschah, verbindet man diese Modelle nicht zwangsläufig mit Heuliez. In den ersten fünf Jahren nach der Firmengründung produzierten Adolphe Heuliez und sein Team Pferdefuhrwerke, schwenkten dann jedoch auf die Entwicklung und Anfertigung von Automobilkarosserien um. Den Anfang machten dabei Aufbauten für den Peugeot Typ 177B. Ab 1937 kamen zusätzlich Omnibusse ins Programm. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb man vor allem der Kooperation mit Peugeot und Citroën treu, scheute jedoch nicht vor weiteren Aufgaben für Marken wie Renault oder Opel zurück. Bekannte Projekte umfassen den Peugeot 604, 205 T16 und 206 CC, den Citroën BX Break, BX 4TC, XM Break, Visa Convertible und Xantia Break oder den Renault 5 Le Car Van, aber auch den Opel Tigra TwinTop. Außerdem machte Heuliez durch eigenständige Konzeptfahrzeuge auf großen Automessen auf sich aufmerksam, konnte letztlich den Konkurs im Jahr 2007 jedoch nicht verhindern. 2013 zerschlug der Insolvenzverwalter das Unternehmen. Einzig die Omnibus-Sparte existiert noch als Tochterfirma von Irisbus.

Mit einigen Ideen der Konzeptfahrzeuge griff Heuliez der Zukunft vor. So stand 1998 auf dem Pariser Autosalon der Pregunta auf Basis eines Lamborghini Diablo mit gläsernem Hardtop und zweigeteiltem Interieur. Während der Fahrerbereich bewusst sportlich ausstaffiert war, erhielt der Beifahrer soviel Komfort wie möglich. Die Formensprache findet sich in vielen modernen Supersportwagen wieder. Bereits zwei Jahre zuvor stand an gleicher Stelle der Heuliez Intruder, um den es in unserem Bericht hauptsächlich gehen soll. Mit diesem ungewöhnlichen Auto kombinierte der französische Autobauer die wieder aufkommenden Roadster, ein Metallklappdach und das Fahrgestell eines Mercedes-Benz G 320 mit kurzem Radstand zu einem frühen Vorläufer der heutigen SUV-Cabriolets – 19 Jahre vor dem Range Rover Evoque Cabrio! Während die Firma diese Entwicklung nicht mehr erlebte, konnte man die Erkenntnisse zum Klappdach sowohl im Peugeot 206 CC als auch im Opel Tigra TwinTop einbringen.

Optisch erinnert der Intruder ein wenig an einen hochgelegten Mercedes-Benz SLK, der nur knapp vier Monate vor dieser Konzeptstudie debütierte. Mit diesem Fahrzeug hatte die Stuttgarter Marke bekanntlich das erste moderne Großserienfahrzeug mit Metallklappdach im Portfolio, nachdem dieses Konzept sowohl in den 1920er Jahren von Peugeot als auch in den 1950er und 60er Jahren von einigen US-Herstellern zwar ausprobiert, aber letztlich verworfen worden war. Beim Heuliez öffnet und schließt das Dach auf Knopfdruck innerhalb von 30 Sekunden. Unter der Karosserie sitzt das unveränderte Chassis eines kurzen G 320, von dem der Intruder auch die Antriebstechnik übernahm. Somit sorgen 154 kW/210 PS aus sechs Zylindern mit 3,2 Litern Hubraum für den Vortrieb, die über eine Viergang-Automatik auf den permanenten Allradantrieb gelangen. Auch die sperrbaren Differenziale des G sind mit an Bord. Innen verlegte man die Instrumente des Basisfahrzeugs zentral ins neu gestaltete Armaturenbrett. Graues und blaues Leder überzieht fast alle Komponenten mit Ausnahme der Umrandung einiger Bedienknöpfe auf dem Mitteltunnel und der Einfassungen der Türgriffe. Hier griff Heuliez auf Wurzelholzoptik zurück. Die Sportschalensitze erhielten auf beiden Seiten herunterklappbare Armlehnen.

Nach der Weltpremiere, bei der der Wagen in Silber mit blauem Interieur gezeigt wurde, erfolgten im Laufe der folgenden Jahre Umlackierungen auf Weiß, dann auf Rot und schließlich wieder ins originale Silber, um auf weiteren Automessen und bei anderen Veranstaltungen die Fähigkeiten der Firma Heuliez zu demonstrieren. Aktuell steht der Intruder beim britischen Autohändler DK Engineering zum Verkauf bereit. Der vorherige Besitzer ließ das Konzeptfahrzeug umfangreich restaurieren, wofür Rechnungen mit einem Gesamtbetrag von 280.000 € vorliegen. Somit ist gewährleistet, dass alle Funktionen des Einzelstücks wie vorgesehen arbeiten und auch der Motor in bestmöglichem Zustand ist. Eine geplante Serienfertigung konnte Heuliez nicht aufnehmen, da die Kapazitäten fehlten. Daher verkaufte man die Pläne und Skizzen an OPAC im italienischen Rivalta di Torino, wo bis 1999 fünf Exemplare des Contender XG mit festem Dach, leicht verändertem Exterieur und komplett eigenem Cockpit zum Einzelpreis von mindestens 240.000 DM entstanden sind. DK Engineering bietet das originale SUV-Cabriolet nun für £ 174.995 (rund 191.995 €) an.

Bilder: DK Engineering