Graham Hollywood

1927 begründeten die drei Brüder Joseph, Robert und Ray Graham den Autohersteller Graham-Paige. Zuvor leiteten sie ab 1919 das Unternehmen Graham Brothers und stellten Nutzfahrzeuge mit Motoren von Dodge her. Zeitweise hielten sie sogar einflussreiche Positionen im Dodge-Aufsichtsrat. Zusätzlich zur ursprünglichen Fabrik in Evansville, Indiana, hatten sie zuletzt auch Fertigungshallen in Detroit und dem kalifornischen Stockton. Diese Marke verkauften sie, um sich mit 3,5 Millionen US-Dollar den Autohersteller Paige-Detroit Motor Company zu kaufen und selbst in den Automobilbau einzusteigen. Bald rollten erste Modellreihen mit Sechs- und Achtzylindermotoren auf die Straßen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern der damaligen Zeit stellte Graham-Paige eigene Triebwerk und Karosserien her. Für letzteres hatten die Brüder eigens die Wayne Body Company übernommen.

Trotz Innovationen sanken Verkaufszahlen

In der Zeit der großen Depression nach dem Schwarzen Freitag konnte Graham-Paige anfänglich weiter gut verkaufen. Allerdings schlug sich die allgemeine Lage schließlich auch auf die Autoverkaufszahlen nieder. Gleichzeitig galten jedoch gerade die ab 1932 gebauten Modelle der Marke mit ihrem Design von Amos Northup als besonders einflussreich auf den Fahrzeugbau weltweit. Innovativ waren beispielsweise die eng an die Karosserie angelegten Kotflügel, durch die Matsch und Dreck nicht an den Fahrzeugseiten hochgeworfen wurde. Zudem verlagerte man den Einfüllstutzen für den Kühler erstmals unter die Motorhaube. Ab 1934 gab es die Achtzylindermodelle optional mit Kompressoraufladung, die zwei Jahre später auch für die Sechszylindermotoren folgte. Bis in die 1990er hielt Graham-Paige den Rekord der meisten verkauften Autos mit Kompressoraufladung. Allerdings verpasste man es, das Karosseriedesign an den veränderten Geschmack anzupassen. So fiel man in der Kundengunst immer weiter zurück.

Aus Cord wurde Hupmobile und Graham

Ende 1939 schloss Graham-Paige einen Kooperationsvertrag mit Hupp Motor Co. Damit konnte man auf die Hilfe von Hupmobile zugreifen, wo die Presswerkzeuge für den Cord 810 und 812 lagerten. Nach dem Ende der Marke Cord hatte Hupp alle Fertigungsanlagen gekauft, dann jedoch nicht das Geld gehabt, um den Wagen wieder in Serie zu produzieren. Gemeinsam mit Graham-Paige entstanden daraus nun der Hupmobile Skylark und der Graham Hollywood. Im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf von Gordon Buehrig verzichtete man allerdings auf die unterdruckbetriebenen Klappscheinwerfer in den Kotflügeln. Für die neu gestaltete Frontpartie zeichnete John Tjaarda verantwortlich. Zudem nutzte man eigene Fahrgestelle mit Hinter- statt Vorderradantrieb. Während im Skylark ein vier Liter großer Reihensechszylindermotor für den Vortrieb sorgte, war es im Hollywood ein 3,6 Liter großes Triebwerk. Optional gab es erneut eine Kompressoraufladung.

Fertigungsschwierigkeiten sorgten für Flop

Obwohl direkt nach der Präsentation viele Bestellungen für den Graham Hollywood eingingen, rollten frühe Exemplare sehr verzögert aus der Fertigungshalle heraus. Speziell beim Aufbau der Karosserien gab es Probleme, weshalb man diese schließlich vom Karosseriebauer Hayes herstellen ließ. Viele Kunden lösten aufgrund der Wartezeit ihre Kaufverträge auf. Aus einem vielversprechenden Projekt wurde ein großer Flop mit lediglich rund 1.500 gebauten Exemplaren. Noch schlechter lief es nur für den Hupmobile Skylark, von dem sogar nur rund 300 Stück vom Band liefen. Im September 1940 endete die Produktion von Autos zugunsten von kriegswichtiger Ausrüstung. Der Markenname Graham-Paige Motors existierte zwar offiziell bis 1952, neue Autos gab es jedoch nicht mehr. Die Aktienbesitzer stimmten 1947 einer Übernahme durch Kaiser-Frazer zu, wodurch die Fertigungsstätten an Chrysler gingen.

Spätes Fahrzeug bei Hyman Ltd.

Im Modelljahr 1941, das in den USA traditionsgemäß bereits im August 1940 begann, entstanden lediglich 354 Exemplare des Graham Hollywood. Eines davon gehörte seit den 1960er Jahren zur Autosammlung von Frank Kleptz. Mit optionalem Kompressor und einer erdbeerroten Lackierung plus kastanienbraunem Interieur steht dieser Wagen nun beim Klassikerhändler Hyman Ltd. zum Verkauf. Trotz seiner Rarität soll der Graham Hollywood lediglich 29.500 US-Dollar kosten. Um ihn wieder auf der Straße einsetzen zu können, sind kleinere Arbeiten nötig.

Bilder: Hyman Ltd.