Glasspar G-2 Roadster

Sportwagen mit Glasfaser-Kunststoffkarosserien gehören heute zum gewohnten Bild. Das war jedoch nicht immer so. Doch wer machte den Anfang? Vielfach geht die Meinung um, dass Chevrolet mit der Corvette erstmalig diesen Werkstoff in Umlauf brachte. Stimmt auch, allerdings nur, wenn man von der Großserie spricht. Definitiv früher dran war Air Force Major Ken Brooks aus Südkalifornien, der 1949 in seiner Freizeit damit begann, auf Basis eines Willys-Fahrwerks einen Hot-Rod zu basteln. Er befasste sich vorerst nur mit der technischen Basis, für die er ebenfalls von Willys einen Sechszylinder-Motor nutzte und das Chassis eigenhändig modifizierte.

Anfänglich hatte er keine Idee, welche Art von Karosserie er für seinen Eigenbau nutzen sollte. Eher zufällig zeigte er seinem Freund Bill Tritt den bisherigen Baufortschritt. Tritt war Marinearchitekt von Beruf und hatte während seiner Tätigkeit für Douglas Aircraft den Werkstoff Glasfaserkunststoff und seine Verarbeitung kennengelernt. In seiner eigenen Bootsfirma Glasspar in Santa Ana fertigte er außergewöhnliche Boote mit dieser Technik, die durch ihre einzelnen Fasern mittels Negativformen Designs zulassen, die in Holz oder Metall unmöglich sind. Kein Wunder, dass er dieses Material nun auch für den Hot-Rod ins Gespräch brachte. Gemeinsam mit Brooks sowie einigen Freunden und Familienmitgliedern erstellte Tritt eine einzigartige Form mit europäischen und amerikanischen Einflüssen der damaligen Zeit. Als Brooks Boxer feierte das fertige Auto auf der Motorama 1951 seine Weltpremiere.

Diese Präsentation blieb nicht ohne Folgen. Recht bald meldeten sich bei Bill Tritt sowohl Interessenten für weitere Exemplare des Sportwagens als auch Autohersteller, denen der Wunsch nach Kunststoff-Karosserien stand. Aufgrund der Kundenanfragen entwickelte Tritt das Design des Brooks Boxer weiter und schuf ein eigenständiges Chassis, das für die Aufnahme verschiedener US-V8-Triebwerke ausgelegt war. Das Ergebnis hört auf den Namen Glasspar G-2 Roadster oder Yankee Clipper, wurde wahlweise als Komplettfahrzeug oder Kit-Car zum selbstbauen verkauft und kann in unserer Galerie begutachtet werden. Wieviele Exemplare insgesamt gefertigt wurden, ist leider nicht überliefert – lediglich zehn sollen als fertig montierte Wagen die Hallen in Santa Ana verlassen haben. Heute sind noch 29 Fahrzeuge bekannt. Hyman Ltd bietet aktuell eines der zehn Komplettfahrzeuge in restauriertem Zustand an – das einzige mit einem Cadillac-V8-Motor ab Werk.

Neben der Kleinserienproduktion seines eigenen Sportwagens und der Bootsfertigung beschäftigte sich Bill Tritt wie beschrieben auch mit Anfragen aus der Industrie. So kam General Motors auf ihn zu, die für Chevrolet an einem Sportwagen arbeiteten, der späteren Corvette. Zudem lieferte er für Volvo die Karosserien des P1900 sowie die Formteile des Kleinseriensportwagens Woodill Wildfire. Außerdem erfüllte er Aufträge für Willys, Kaiser und Singer. Selbst Walt Disney fragte bei ihm an, als für das Disneyland in Anaheim/Kalifornien der neue Themenabschnitt ‚Autopia‘ aufgebaut wurde. Hierfür lieferte Glasspar einsitzige Karosserien, die mit einem Rasenmähermotor bestückt wurden. Nachdem Bill Tritt Geschäftspartner in seine Firma aufgenommen hatte, um eine bessere finanzielle Ausgangslage zu schaffen, entschieden diese sich irgendwann dafür, ausschließlich Boote zu bauen und die Autokarosserien auszumustern.

Bilder: Hyman Ltd